Institut für Altersforschung in Jena
Das Leibniz-Institut in Jena Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Leibniz-Institut für Alternsforschung Jena Leibniz Gemeinschaft fordert Führungswechsel an Jenaer Institut

Am Leibniz-Institut für Alternsforschung– Fritz-Lipmann-Institut e. V. (FLI) in Jena gehörten Tierversuche zum Alltag - bis im Mai vergangenen Jahres die Ermittler des Landeskriminalamts klopften. Sie durchsuchten das Institut wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt. Doch Instituts-Direktor Karl Lenhard Rudolph ist trotz des Skandals nicht zurückgetreten. Das stößt dem Senat der Leibniz Gemeinschaft offenbar auf: Er fordert einen Wechsel

Institut für Altersforschung in Jena
Das Leibniz-Institut in Jena Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Die Leibniz Gemeinschaft drängt auf einen Führungswechsel am Leibniz-Institut für Alternsforschung in Jena. In einer Stellungnahme des Senats heißt es: "Das Aufsichtsgremium muss Wege finden, um die Führungskrise am FLI schnellstmöglich zu überwinden". Dann sei es die Aufgabe einer "neuen und unbelasteten Führung", das Institut zu reformieren. Das Institut stecke wegen des nachgewiesenen Fehlverhaltens bei Tierversuchen in einer "gravierenden und grundlegenden Krise".

Das nachgewiesene Fehlverhalten erschüttert die wissenschaftliche Integrität des Direktors und führt zu einem grundlegenden Autoritätsverlust.

Stellungnahme des Senats der Leibniz Gemeinschaft

Anlass der Stellungnahme war demnach eine turnusmäßige Überprüfung des Jenaer Instituts für die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern. Die entscheidet über die Förderung solcher außeruniversitären Forschungsstätten. Beim Jenaer Institut spricht sich der Senat anders als bei den drei ebenfalls evaluierten Einrichtungen in Hamburg, Braunschweig und Mainz aber zunächst nur für eine weitere Förderung von drei statt sieben Jahren aus. Dann sollen externe Fachleute die Einrichtung erneut unter die Lupe nehmen.

Senat würdigt Verbesserungen

In seiner Stellungnahme würdigte der Senat der Leibniz Gemeinschaft aber auch, dass an dem Institut seit der letzten Evaluation im Jahr 2008 "vielfältige sehr gute, teilweise sogar exzellente Leistungen erbracht wurden", hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung. Getrübt werde die Bilanz aber durch Rudolphs Fehlverhalten und die Vorwürfe wegen Verstößen gegen den Tierschutz. Deshalb habe der Senat Bund und Land empfohlen, die Förderung zunächst auf drei Jahre zu begrenzen.

Die Stellungnahme des Senats ist Grundlage für die Entscheidungen der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern. Evaluiert wurden neben dem FLI auch die Leibniz-Institute für Tropenmedizin in Hamburg, für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig und für Europäische Geschichte in Mainz.

Massive Verstöße gegen den Tierschutz

Das Leibniz-Institut für Alternsforschung steht in der Kritik, weil dort bei Tierversuchen massiv gegen den Tierschutz verstoßen worden sein soll. Deshalb waren nach einer Durchsuchung des Thüringer Landeskriminalamts im Mai vergangenen Jahres alle Versuchsreihen mit Wirbeltieren gestoppt worden. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Gera wird gegen vier Hauptbeteiligte ermittelt. Erst im Mai dieses Jahres haben die Wissenschaftler etliche Tierversuche wieder aufgenommen. Bei den Versuchen arbeiten die Forscher nach Institutsangaben mit Mäusen und Fischen.

In einem Labor des Instituts für Allgemeine Zoologie und Tierphysiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena wird eine Labormaus für einen Versuch vorbereitet.
Eine Labormaus im Versuch Bildrechte: dpa

Das Institut erklärte, es habe seine Tierhaltung personell und organisatorisch neu aufgestellt. Es hatte die Tierhausleitung ausgewechselt und etliche neue Mitarbeiter eingestellt. Vier von ihnen sind Tierärzte, die die Forscher unter anderem bei der Durchführung der Versuche beraten. Mittlerweile gibt es auch eine zentrale Datenbank, die alle Versuchstiere erfasst.

Frühere Mitarbeiter werfen dem Institut vor, viel mehr Mäuse als nötig gezüchtet und getötet zu haben. Schätzungen zufolge haben etwa 13.000 Versuchstiere unnötig ihr Leben gelassen. Der wissenschaftliche Direktor räumte ein, dass es bei der Zucht genetisch veränderter Mäuse immer wieder zu ungewollten Ergebnissen komme. Die betroffenen Tiere seien dann nicht für Versuche zu gebrauchen. Deshalb hatte das Präsidium der Leibniz Gemeinschaft Direktor Karl Lenhard Rudolph wegen "grob fahrlässigen wissenschaftlichen Fehlverhaltens" gerügt. Ihm wurden den Angaben zufolge falsche Darstellung von Daten, ungenügende Datendokumentation und Verletzung der Aufsichtspflicht attestiert. Der Stammzellforscher ist seit 2012 wissenschaftlicher Direktor des Instituts. Dort werden die molekularen Mechanismen des Alterns und alternsbedingter Krankheiten erforscht.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - das Radio | Nachrichten Ost-Thüringen | 12.07.2017 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2017, 16:08 Uhr

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