Ost-Thüringen

Nationalsozialistischer Untergrund : Schröter warnt vor neuen Anschlägen

Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter rechnet über ein Jahr nach Aufdeckung der Neonazi-Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" mit neuen rechtsterroristischen Gewalttaten. Derzeit gebe es nach seiner Einschätzung "mindestens zwanzig Leute" im Untergrund, sagte er am Sonnabend bei einer Veranstaltung im Evangelischen Bildungszentrum Bad Alexandersbad im Landkreis Wunsiedel in Bayern: "Mein Gefühl sagt mir: Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die wieder zuschlagen." Den Unterstützerkreis für die untergetauchten gewaltbereiten Neonazis schätzt der Politiker auf 50 bis 80 Personen.

"Unglaublich große Trauer und tiefsitzende Scham"

Die Bürger von Jena stünden immer noch unter Schock, weil die Mitglieder der "Zwickauer Terrorzelle" - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe - aus ihrer Stadt kamen, betonte der SPD-Politiker. Zwar habe sich in Jena bereits seit dem Ende der 90er-Jahre ein breiter, erfolgreicher bürgerschaftlicher Widerstand gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz formiert, darunter das "Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus". Doch obwohl dies lange vor Bekanntwerden der NSU-Morde geschehen sei, herrsche in der Stadt bis heute eine "unglaublich große" Trauer und eine tiefsitzende Scham gegenüber den Angehörigen der Opfer.

Eine Kombo aus Reproduktionen der Ostthüringer Zeitung aus dem Jahr 1998 zeigt Fahndungsbilder von Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos
Die aus Jena stammenden Mitglieder der "Zwickauer Terrorzelle": Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.

Dem Evangelischen Pressedienst epd sagte der 57-jährige Schröter, er sei "nach wie vor erschüttert" über die Ermittlungen der Behörden bei den NSU-Morden. Ein "Kompetenzgerangel" zwischen Verfassungsschutz, Polizei und Staatsanwaltschaft habe "in fahrlässiger Weise" dazu geführt, dass viele Erkenntnisse nur spät oder gar nicht berücksichtigt worden seien. "Wenn man die Aktivitäten des Thüringer Heimatschutzes damals gesehen hat oder dass in Jena 1997/98 Bomben gebastelt wurden, dann ist der naiv, der das als Dumme-Jungen-Streich abtut", sagte er.

Der promovierte evangelische Theologe Albrecht Schröter ist seit 2006 Oberbürgermeister von Jena. 2009 rief er die Initiative "Kommunen gegen Rechtsextremismus" ins Leben. Am 17. November 2011 wurde er vom "Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas" für sein Engagement gegen Neonazis mit dem "Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus" ausgezeichnet.

Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2013, 17:12 Uhr

12. Heile heile Segen:
"Gut das die im terroristischen Untergrund maximal"nur 3 waren! "Gut, dass das nur in Sachsen und Thüringen passiert ist"...Zwei leben nicht mehr. Und die eine sagt nichts! Der Verfassungsschutz sieht und hört nichts. Gerichte und Politik blockieren die Gefahren nicht! Bleibt nur der Zwang zur Duldung... Was ihr nicht wahrnehmen dürft, sollte es eigentlich nicht geben.. Es waren ja nur 3. Seid beruhigt Volk!
05.02.2013
10:07 Uhr
11. Observer:
Zu Versteher: Gesund beten funktioniert im atteistisch geprägten Thüringen garantiert nicht. Aber wie wäre es denn mal mit genauem Hinschauen vonseiten der politisch Verantworlichen und den zuständigen Behörden wie Verfassungsschutz und Polizei? Das organisierte Wegsehen dieser Versager kommt doch gerade durch die Untersuchungsausschüsse erst einmal ans Tageslicht. Ermittlungs- und Überwachungs- und Zugriffspannnen am laufenden Band!
04.02.2013
14:32 Uhr
10. Versteher:
zu Observer: Vielleicht sollten Sie, wenn Sie die entsprechend gekleideten Personen das nächste Mal wieder sehen, diese gesund beten. Dann wären die Bösen auf einmal alle weg und die Welt wäre wieder rosarot. Oder was sollen denn die politisch Verantwortlichen nach Ihrer Ansicht tun? Nachdem sich alle der Rechtsextremissbekämpfung verschrieben haben, dürfte es eigentlich gar keinen mehr geben. Alle sind sie dagegen, Programme über Programme, finanzielle Unterstützung gibt es auch zuhauf. Eine Welt ohne Verbrecher wird es nie geben!
03.02.2013
19:49 Uhr
9. jule:
Das Gerede ist doch alles der Profilierungssucht unserer Politiker entsprungen.Ich glaubd nicht dass die normalen Bürger in Jena von diesem Gutmenschengeheische angetan sind.Sorry aber das ist einfach so.Die leben in einer anderen Welt.In Wirklichkeit ist es ihnen doch genauso egal wie der Mehrheit.
03.02.2013
18:15 Uhr
8. Reiner Arndt:
Ein grausiger Befund! Und wer die letzten Jahre nicht gerade hinterm Mond verbracht hat, weiß: Es wird zu neuen Gewalttaten kommen, wenn der Staat weiter seelenruhig zusieht und statt dessen lieber weiter Nazigegner kriminalisiert! Genauso hat es damals angefangen...
03.02.2013
17:21 Uhr
7. Irmela Mensah-Schramm:
Von wegen, "das Volk braucht Ruhe"........... Solange sich das Volk im "Bad der Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit suhlt", anstatt jenen verantwortlich - öffentlichen Personen klar zumachen, was es von diesen zwielichtig - kriminellen Methoden des Verfassungsschutzes hält und eine endlich offene Aufklärung der Schweinereien um den Verfassungsschutzskandal einfordert. Schließlich wurden die V-Leute und deren Verbrechen von Steuergeldern finanziert. Dieser Staat erdreistet sich nun, gerade auf jene Menschen "einzudreschen", die nicht etwa "ihre Ruhe" haben wollen sondern anstatt in Gleichgültigkeit zu verharren (und zu erstarren.....) eben das tun, wozu immer wieder die Politiker auffordern: Aufstehen gegen Nazis! Von Händchen haltenden Menschenketten lassen sich die Nazis ganz sicher in keiner Weise weder beeindrucken noch behindern. Ich denke, die Zeiten des rein symbolischen Protestes sind nun endgültig vorbei!
03.02.2013
16:36 Uhr
6. Dresdner:
Zu Eintrag 4-Kommentar zu @ 3 Blumenfreund,Der vorgenannte ist auf Grund seiner "Beiträge" doch eher zu den "Freunden der braunen Brut" zu zählen .
03.02.2013
16:32 Uhr
5. Dresdner:
Zu Eintrag 3 "Blumenfreund" Es zeigt sich wie in so vielen "Beiträgen des Blumenfreundes",das er nur braune Blumen liebt. Und einen aufrechten Kämpfer gegen die braune Brut, wie Herrn Schröter zu deffamieren ist Ausdruck welch geistes Kind der "Blumemenfreund" ist.
03.02.2013
16:28 Uhr
4. thomas:
@2. Den Neonaziterror kann man durchaus als Folgeerscheinung des Zerfalls der DDR und der MfS-Strukturen sehen. @3.Wie viel Ruhe braucht ihr denn noch um die das braune Problem zu erkennen.Immer das gleiche Gelaber von Diffamierung und Aufhetzung.Das ist doch sinnleer und unreflektiert diese ewige Dummquatsche.Genau so unterstützt man die Nazis.
03.02.2013
15:18 Uhr
3. Blumenfreund:
Der Jenaer Oberbürgermeister Albrecht Schröter sollte seine haltlosen Behauptungen für sich behalten. Sowas sollte die Polizei lösen. Das Volk braucht Ruhe. Aber daran scheint Albrecht Schröter nicht interessiert zu sein. Er scheint auch überhaupt zu nicht viel mehr fähig zu sein, als seinem Kampf gegen Rechts. Unser Land wohl sonst keine Probleme, als das Volk in Links und Rechts aufzuspalten.
03.02.2013
14:42 Uhr

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