Peter Strelzyk
Peter Strelzyk Bildrechte: dpa

Pößneck Ballonflüchtling Peter Strelzyk ist tot

Ihm gelang die vielleicht spektakulärste Flucht über die innerdeutsche Grenze: 1979 fuhr der Pößnecker Peter Strelzyk mit einem Heißluftballon nach Bayern. Im Alter von 74 Jahren ist er nun gestorben.

Peter Strelzyk
Peter Strelzyk Bildrechte: dpa

Der Ballonflüchtling Peter Strelzyk ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit in einer Jenaer Klinik. Am 16. September 1979 gelang Strelzyk mit einem selbstgebauten Heißluftballon die Flucht über die deutsch-deutsche Grenze. Gemeinsam mit seiner Frau, zwei Söhnen und der befreundeten Familie Wetzel flog Peter Strelzyk von Pößneck aus über den Todesstreifen nach Bayern und landete auf einer Wiese beim oberfränkischen Naila. Die "Ostthüringer Zeitung" hatte als erstes bei Strelzyks Tod berichtet.

Erster Ballonfluchtversuch scheiterte

Flucht aus der DDR 1979 mit einem Heißluftballon.
Die Flucht aus der DDR 1979 mit einem Heißluftballon. Bildrechte: dpa

Peter Strelzyk wurde 1942 in Oppeln in Oberschlesien geboren. Nach Kriegsende flüchtete er mit seinen Eltern in die spätere DDR und arbeitete nach seiner Zeit bei der NVA als Flugzeugmechaniker in einem Betrieb in Pößneck. 1966 heiratete er seine Frau Doris. Deren Bruder wurde verhaftet und verurteilt. Das und die Unfreiheit in der DDR gab den Anstoß für die Fluchtvorbereitungen. Gemeinsam mit dem Ehepaar Günter und Petra Wetzel schmiedeten die Strelzyks Pläne für eine Ballonflucht über die schwerbewachte innerdeutsche Grenze.

Zunächst probierten es Peter und Doris Strelzyk ohne das befreundete Paar und deren Kinder. Sie scheiterten allerdings, als der Stoff nass wurde und der selbstgebaute Brenner versagte. Den beiden Familien gelang es schließlich, den Ballon technisch weiterzuentwickeln. Im zweiten Versuch überwanden sie schließlich die Grenze - vier Erwachsene und vier Kinder in einer Gondel. Ein Grenzposten sichtete den Ballon am 16. September kurz vor 3 Uhr. Gegen 3:50 Uhr verloren Grenztruppen und Volkspolizei das unbekannte Flugobjekt aus den Augen, wie aus Stasi-Berichten später hervorging.

Hollywood verfilmte die spektakuläre Flucht

Peter Strelzyk
Peter Strelzyk in jungen Jahren Bildrechte: dpa

In der DDR galten sie fortan als Abtrünnige. Es erging ein Strafbefehl wegen "staatsfeindlicher Hetze". 25 Kilo Akten trug die Stasi zur Ballonflucht zusammen. Nach der Wiedervereinigung kehrten Doris und Peter Strelzyk nach Pößneck zurück. Ihre beiden Söhne und Familie Wetzel blieben im Westen. Der Originalballon steht heute im Ortsmuseum von Naila. Im Berliner Mauermuseum Checkpoint Charlie wird die Flucht ausführlich dokumentiert.

Die Ballonflucht von Pößneck erfuhr weltweite Aufmerksamkeit. Zwei Jahre später verfilmte Oscar-Preisträger Delbert Martin Mann sie im Disney-Film "Mit dem Wind nach Westen". Im Jahr 2015 kündigte der Komiker Michael "Bully" Herbig an, die spektakuläre Flucht erneut verfilmen zu wollen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 14.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2017, 11:58 Uhr

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12 Kommentare

16.03.2017 11:18 Gockei 12

Schwierige Frage, Mediator. Fakt ist doch aber, sich ein Recht auf Freiheit zu erkämpfen, ohne Rücksicht auf Familie und Freunde zu nehmen, zeugt von großem Egoismus und hängt sicher auch immer vom eigenen Charakter an sich ab. Aber Opfer bleiben dennoch die Zurückgebliebenen und Täter "DDR" hin oder her, ich stellte lediglich fest, dass "...bei aller Achtung vor der Flucht", man die wirklich Leidtragenden vergessen hat. Ich kann mich nicht erinnern, dass diese immer wieder in den Medien auftauchten. Und was glauben Sie wog schwerer? Das Leben in der DDR nicht mehr zu ertragen (Sie wissen was die Familie ertragen musste?) oder als Zurückgebliebener und Unschuldiger dann endgültig der Freiheit beraubt zu werden, Zukunftspläne platzen zu sehen oder unter ständiger Beobachtung zu stehen? Ich muss leider annehmen, dass hier jemand antwortet, der dieses Ausmaß an Leid nicht verstehen kann. Wahrscheinlich haben Sie nicht gelitten, wirklich gut für Sie. Wir jedoch schon!

15.03.2017 21:57 Mediator an Gockei (10) 11

Tja - was hätte man ihrer Meinung nach den tun können, wenn man das Leben in der DDR nicht mehr ertragen konnte und wusste, dass der Regime das Prinzip der Sippenhaft praktizierte?

In meinen Augen machen sie hier aus dem Staat DDR, der hier als Täter fungierte einen unbeteiligten Statisten und aus einem Menschen, der sein Recht auf Freiheit unter hohem Risiko erkämpfte einen Täter.

Jede Diktatur versucht durch Drohung ihr Volk gefügig zu machen und zu halten. Aktuell kann man in der Türkei z.B. als Journalist durch einen Artikel mit falschem Zungenschlag sein Leben und das seiner Familie ruinieren. Wäre hier auch der Journalist der Täter, nur weil er seiner Arbeit nachgeht oder vielleicht doch der Staat, weil er aktuell versucht Menschen mundtot zu machen und Exempel zu statuieren?