Das Landestheater Altenburg (Thüringen)
Die losgetreten Alltagsrassismus-Debatte von Theater-Geschäftsführer Arnold zieht immer weitere Kreise. Bildrechte: dpa

Kritik und Gegenkritik "Spiel mit dem Feuer" - Rassismus-Debatte in Altenburg

Ein "Spiel mit dem Feuer" und Heischen nach Aufmerksamkeit hat Altenburgs SPD-Rathauschef Wolf die Alltagsrassismus-Vorwürfe von Theater-Geschäftsführer Arnold gegen seine Stadt genannt. Dessen Kollegen und Linke-Landrätin Sojka schießen nun zurück.

Das Landestheater Altenburg (Thüringen)
Die losgetreten Alltagsrassismus-Debatte von Theater-Geschäftsführer Arnold zieht immer weitere Kreise. Bildrechte: dpa

Die Diskussion um angeblichen Alltagsrassismus in Altenburg zieht immer weitere Kreise. Nachdem Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) am Montag dem Schauspielchef des Theaters Altenburg-Gera, Bernhard Stengele, "ein Spiel mit dem Feuer" vorgeworfen hatte, schossen nun Generalintendant Kay Kuntze und Theater-Geschäftsführer Volker Arnold zurück.

Theater-Spitze weist Vorwürfe zurück

In einer Erklärung der beiden Theater-Funktionäre vom Dienstag heißt es, die Behauptung des Stadtoberhauptes, Stengele habe auf der Suche nach medialer Aufmerksamkeit die Stadt mit "rassistischen Denkweisen" in Verbindung gebracht, ziele völlig ins Leere. Kuntze und Arnold erklärten dazu, der Schauspielchef habe sich in den vergangenen Jahren sehr für ein weltoffenes Altenburg engagiert. Dass Stengele mit seinen Antworten auf Interviewanfragen der Stadt geschadet haben soll, "können wir nicht nachvollziehen".

Stengele beklagt Alltagsrassismus

Stengele, der seit Jahren in Ostthüringen internationales Theater forciert, hatte jüngst in mehreren überregionalen Medien erneut über angeblichen Alltagsrassismus und Anfeindungen gegen ausländische Schauspieler in Altenburg gesprochen. Die Vorwürfe waren bereits Ende Dezember erhoben worden. Darin hieß es, dass mehrere Künstler auch aus diesem Grund das Fünf-Sparten-Theater verlassen wollen.

Wolf: Stengele erheischt mediale Aufmerksamkeit

Wolf, der als Oberbürgermeister zugleich Aufsichtsratschef des Altenburger Theaters ist, monierte am Montag, Stengele betreibe "ein Spiel mit dem Feuer". Zugleich warf er dem Schauspielchef vor, mediale Aufmerksamkeit zu erheischen und dem Image der Stadt zu schaden.

Linke-Landrätin schießt gegen OB

Altenburgs Landrätin, Michaele Sojka von der Linken, schrieb dazu auf Facebook, sie sei "einigermaßen entsetzt" über Wolfs verbreitete Erklärung. Der Oberbürgermeister verwechsle Ursache und Wirkung, schrieb Sojka. Den Imageschaden für die Stadt habe nicht der Schauspielchef, sondern "eine Handvoll, zugegebenermaßen sehr lauter Aktivisten des Bürgerforums zu verantworten".

Stengele hält sich zurück

Schauspielchef Stengele selbst nahm in einer Stellungnahme am Dienstag nicht direkt Bezug auf die Vorwürfe von OB Wolf. Dafür ging er auf die negativen Schlagzeilen zum Jahreswechsel ein. Mit der Premiere des "Hauptmann von Köpenick" am Sonntag sei es gelungen, "ein positives überregionales Medienecho zu erzielen", schrieb er. Zugleich verwies Stengele auf die nächste internationale Koproduktion des Schauspiels. Sie werde sich mit jüdischem Leben in Altenburg befassen: "Ich bin stolz auf das Ensemble, alle Mitarbeiter des Theaters und die Zuschauer, die diesen mutigen Weg mit uns zusammen gehen."

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: Radio | 28.02.2017 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2017, 14:55 Uhr

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29 Kommentare

01.03.2017 15:48 Ich 29

28 Merke - sobald einer aus dieser Familie arbeitet, dann ist Miete an die Kreisverwaltung fällig. Ebenso Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge, auch bei kleinem Verdienst. Aber wenn's nach den Rechtsextremen ginge, dürften diese Menschen ja dummerweise nicht mal arbeiten. Da sieht man den Fremdenhass, den Futterneid, die in manchen Biodeutschen die letzten Ventile öffnet.

01.03.2017 14:15 Benutzer 28

01.03.2017 12:26 Ich

Nein bekommen sie nicht. Bsp: Afghanische Familie im Burgenlandkreis. Die die komplette Miete bezahlt kriegen. Und dann noch eine Pauschale für Betreuung usw..

01.03.2017 12:26 Ich 27

@17 - Noch dümmer geht immer: "Schlaraffenland-Kassen" ist ein derartiger Fehlgriff, der von den dümmsten Neonazis und Fremdenhassern iaufgegriffen und von noch weniger Intelligenten verbreitet wird. Die Menschen, die bei uns Schutz suchen, erhalten deutlich weniger als jeder Bio-Deutsche Hartz4-Empfänger. Leider ist auch dies zu wenig. Wer hier vom Schlaraffenland faselt, will den rechtsextremen Flüchtlingshetzern den Weg bereiten.

01.03.2017 09:50 Ex-Ossi 26

@22 Stealer, Sie haben völlig Recht, jde(r) die/der sich hier als Kulturkritiker aufspielt, sollte sich dringend sowohl mit der Person Carl Zuckmayer als auch dem Stück selbst auseinandersetzen. Das Stück muss als offensichtliche künstlerische Adaption der ersten Wahlerfolge der NSDAP in Deutschland verstanden werden - im Mittelpunkt steht die Politik der Ausgrenzung. Der spätere Exilant Zuckmayer setzt dem deutschen Volk hier einen Spiegel vor, in dem es ausschließlich seine rassistische und antisemitische Fratze wiederzuerkennen vermag. Wenn es auch Aufgabe der Kunst ist, traditionellen Stoff immer wieder auf die eigenen Gegenwart zu projizieren, dann ist die Inszenierung in Altenburg wohl sehr gelungen - was ja die vielen "kritischen" Kunstkritiker eindrucksvoll belegen. Von daher: Glückwunsch an das Theater Altenburg für dieses Stück!

01.03.2017 08:32 andre 25

@17 - Sie vergleichen uns mit den Menschen die vor Krieg und Zerstörung fliehen um sich und ihre Familien zu retten! Und das ist für Sie normal, dazu muss man nicht mehr sagen...

01.03.2017 07:42 Ex-Ossi 24

Mal wieder eine neue Runde ostdeutscher Kunstkritik. Oh Mann! Es wird langsam lästig. Jetzt ist also schon ein schwarzer Schauspieler zu viel für die empfindsame Seele der ostdeutschen Kunstliebhaber. Und @irrsinnig: danke für ihre Offenheit! Endlich zeigt jemand hör was die vielen besorgten wollen: ein Leben ohne jeden störenden Einfluss von Kritik. Zum Glück Haben sie nicht zu entscheiden, wer in unserem Land leben darf und wer nicht.

28.02.2017 00:59 Bürgerin 23

Naja, so glücklich finde ich die Besetzung für den Hauptmann von Köpenick auch nicht. Er war ja irgendwie ein skuriles Schlitzohr und dafür sieht der Darsteller einfach zu gut aus, als das ich ihm diese Figur abnehmen würde.
Völlig egal ob er nun schwarz oder weiß ist. Mir fehlen da einfach so bisschen die Ecken und Kanten.

28.02.2017 00:14 Stealer 22

@irrsinnig: Die Besetzung beim "Hauptmann von Köpenick" weit weniger provokativ als es das Original von Zuckmayer an sich ist. Die Kritik an Bürokratie, Obrigkeitshörigkeit und Diskriminierung von Außenseitern bzw. Gefallenen ist der Kern dieses Stückes - die Person des Wilhelm Voigt ist durchaus austauschbar. Es ist keineswegs eine volkstümliche Komödie, wie sie später gerne aufgefasst und verfilmt wurde. Wenn die Besetzung mit Ouelgo Téné als Provokation empfunden wird sagt es mehr über die Rezipienten aus als über das Stück.

28.02.2017 22:54 Stealer 21

@Agnostiker: Sie haben recht - "Reverse Racism" wird üblicherweise von Rassisten beklagt bzw. konstruiert (nennen Sie mal Beispiele hier in "Mitteldeutschland"). So etwas ähnliches wie "Reverse Discrimination" (durch Quoten oder Vergünstigungen) kommt üblicherweise bei Frauen oder Behinderten vor - bei Migrationshintergrund kaum. Bei der landestypischen Vetternwirtschaft sollte so etwas aber doch eher weniger zu kritisieren sein.

28.02.2017 20:19 keule 20

In ganz Altenburg ist die Stimmung total im Keller,weder OB Wolf noch Landrätin sind über Jahre in der Lage gewesen daran etwas zu ändern.
Beide reden,wenn überhaupt,alles schön!!!
ich bin Altenburger und schäme mich solcher unfähigen Personen,gute Nacht Altenburg