Kein Anreiz für Investoren Pumpspeicherwerk im Schiefergebirge nicht in Sicht

Die Planung für das Pumpspeicherwerk Leutenberg / Probstzella kommt nicht voran. Ein Jahr nach dem positiven Abschluss des Raumordnungsverfahrens sucht der Strabag-Konzern als Bauträger zwar weiter nach Partnern und Investoren. Im Oktober soll das Baufeld aus der Luft vermessen werden. Bisher rechnet sich aber eine Investition in das Großprojekt nicht.

von Loréne Gensel

Wann die offizielle Planung des Pumpspeicherwerkes Leutenberg / Probstzella beginnt, ist völlig unklar. Intern bereite sich der Konzern aber weiter darauf vor, sagte der Sprecher der Strabag-Tochter WSK Puls, Stephan Grafen, MDR THÜRINGEN. Derzeit würde die WSK Puls als Projektträger-Gesellschaft mit Grundstückeigentümern sprechen und Vorverträge schließen, um sich die für den Bau notwendigen Flächen rund um das Schweinbachtal bei Leutenberg zu sichern. Für einen erheblichen Teil dieser Flächen seien die Zusagen bereits unterschrieben. Außerdem liefen interne Untersuchungen zum wirtschaftlichen Betrieb von Pumpen und Turbinen.

Politik und Strommarkt bremsen den Elan

Modell einer bergigen Landschaft mit einem Staubecken.
Modell des geplanten Pumpspeicherwerkes Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wichtigster Grund für die Verzögerung des Planungsstarts sind nach Angaben von Stephan Grafen die Rahmenbedingungen auf dem Strommarkt und in der Energiepolitik. Die seien derzeit nicht so, dass sich der Neubau eines Wasserspeicher-Kraftwerkes rentiere. Bei Strabag gehe man aber weiter davon aus, dass sich dies bis 2024/25 ändern wird. Bis dahin soll das Kraftwerk am Netz sein. Als Termin für den Baustart hatte der Konzern zuletzt das Jahr 2020 genannt. Derzeit, so Grafen, sei WSK Puls als Projektträger für das Pumpspeicherwerk nicht im Gelände rund um Leutenberg und Probstzella unterwegs. Für Oktober sei aber die Erkundung des Baufeldes aus der Luft geplant. Dafür wolle man Drohnen einsetzen. Die Termine der Flüge würden in der Region rechtzeitig bekannt geben.

Mühsame Suche nach Partnern

Ende August 2016 hatte das Landesverwaltungsamt Thüringen das Raumordnungsverfahren für das im Thüringer Schiefergebirge geplante Pumpspeicherwerk abgeschlossen. Nach der positiven Bewertung durch die Behörde hatte Strabag angekündigt, jetzt nach Partnern zu suchen, die das Projekt im Schweinbachtal gemeinsam mit dem Baukonzern planen, finanzieren, bauen und betreiben. Unternehmenssprecher Grafen bestätigte, dass diese Suche weiterhin läuft. Mit wem das Unternehmen genau im Gespräch ist, wollte Grafen nicht sagen. Wichtige Ansprechpartner finde man aber in der Energiewirtschaft. Als Baukonzern habe Strabag zwar die Kompetenz für den Bau einer solchen "grünen Batterie", brauche aber für den Betrieb des Kraftwerkes erfahrene Unterstützer.

Strabag ist kein Einzelfall

Nach dem Stadtwerke-Verbund Trianel ist Strabag damit das zweite Unternehmen, das nach einem positiven Raumordnungsbeschluss mit der offiziellen Planung zögert. Für das Pumpspeicherwerk Schmalwasser am Rennsteig hatte das Landesverwaltungsamt das Verfahren schon im Frühjahr 2015 abgeschlossen. Ein Sprecher von Trianel bestätigte MDR THÜRINGEN, dass auch für dieses Projekt kein Planungsstart in Aussicht steht. Man wolle zunächst die Bundestagswahl abwarten und dann weiter sehen. Betreiber und potenzielle Investoren stört vor allem, dass Pumpspeicherwerke für den Strom, den sie zwischenspeichern, Netzentgelte bezahlen müssen. Außerdem hat eine wachsende Zahl von Solarparks den Wasserspeicher-Kraftwerken das Geschäft mit der Spitzen-Stromnachfrage am Mittag verdorben.

Schematische Zeichnung der Funktionsweise eines Pumpspeicherwerkes
So funktioniert ein Pumpspeicherkraftwerk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 30.08.2017 | Fazit | ab 18:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2017, 16:27 Uhr

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3 Kommentare

31.08.2017 18:42 Dipl.Ing.Helmut deubner 3

Wir haben derzeit mit den Pumpspeicherkraftwerken in Deutschland 0,05 TerraWatt Stunden Speicher für einen Zeitraum von max 6 - 8 Stunden, es werden 30 TerraWattStunden für eine notwendige zweiwöchige Speicherung (336 Stunden) in Deutschland benötigt. (siehe Nachricht aktuell oben Hohenwarte) Diese 600 fache Leistungs- Menge für einen erforderlichen 56 bis 42 fachen Zeitraum ist mit Pumpspeicherung mit der in Deutschland vorhandenen Topographie und Hydrologie nicht zu schaffen . Mit den vorhandenen PSW können nur weiterhin zwingend notwendige zeitlich und technisch kurzfristige Systemdienstleistungen im Netz ausgeglichen werden.(Minuten - einige Stunden) Die benötigte Speicherung für bis zu 14 Tage geht nur mit der Wasserstoff-Methantechnologie und zu entwickelnden Batterien ?.
Wozu dann noch neue PSW ?
In Thüringen werden die Saaletalsperren und das PSW Goldisthal auch in Zukunft für die Wasserkraft, Speicherung und besonders Hochwasserschutz sowie Erholung benötigt.

30.08.2017 23:45 Gustav Stresemann 2

Auf den ersten Blick klingt es widersinnig, da muss ich dem Vor-Foristen Recht geben. Aber: Die Erneuerbaren brauchen Speicher, sonst geht klimaneutrale Energie verloren bzw. muss ihre Nicht-Produktion von allen Verbrauchern bezahlt werden (das ist schwachsinnig!). Und, nicht vergessen: Hier wird nicht Steuergeld investiert, sondern ein (börsennotiertes) Unternehmen will sich engagieren. Das ist erst mal nicht verkehrt.

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