Tagung zu Rechtsextremismus Rechte pflegen Image als soziale "Kümmerer"

In Jena haben Wissenschaftler am 4. Dezember neue Forschungsresultate zum Thema Rechtsextremismus präsentiert und diskutiert. Hintergrund sind die Taten des aus Jena stammenden Neonazi-Terrortrios.

Blick auf das historische Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität
Universität Jena Bildrechte: dpa

Die bisher bekannt gewordenen Taten des rechtsextremen Terrortrios Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe haben nach Einschätzung des Soziologen Klaus Dörre nichts daran geändert, dass viele Menschen die rechtsextreme NPD als normale Partei wahrnehmen. Er bezweifle auch, dass ein NPD-Verbot daran etwas ändern werde, sagte der Wissenschaftler am Dienstag in Jena. Vor allem in strukturschwachen Regionen pflegten Rechtsextreme weiter ihr Image als soziale "Kümmerer" etwa für Jugendliche. In kleinen Orten fehle es zudem häufig an einer demokratischen Gegenöffentlichkeit.

Dörre sagte weiter, rechtsextreme Einstellungen ließen sich durch ein NPD-Verbot nicht beseitigen. Zwar sei es zu begrüßen, dass durch ein solches Verbot ein Rückzugsraum für militante Neonazis verschwinde. "Das Problem ist, dass sich bereits Ersatzstrukturen gebildet haben." Als Beleg nannte der Wissenschaftler die im Frühjahr gegründete Partei Die Rechte.

Ostthüringer Neonazis haben Schwerpunkt verlagert

Nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern der Uni Jena hat die früher in Ostthüringen aktive aggressive Neonazi-Szene ihre regionalen Schwerpunkte in den vergangenen Jahren als Reaktion auf massiven gesellschaftlichen Widerstand verlagert. In Jena und Saalfeld sei für Rechtsextreme nichts mehr zu holen, sagte der Soziologe Matthias Quent. In den 1990er-Jahren galten beide Städte als rechtsextreme Hochburgen. Die Jenaer Szene sei nun vor allem auf Kahla im Saale-Holzland-Kreis ausgewichen, die Saalfelder auf kleine Orte im Umkreis. Aus Jena stammen die mutmaßlichen rechtsextremen Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Dem Trio werden Morde an neun Einwanderern und einer Polizistin zur Last gelegt.

Nach einer kürzlich vorgelegten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung haben neun Prozent der Deutschen ein "geschlossenes rechtsextremes Weltbild". In Thüringen liegt der Anteil der Menschen mit rechtsextremen Ansichten bei zwölf Prozent. Das hatte die Befragung von rund 1.000 Menschen für den alljährlich erhobenen "Thüringen-Monitor" ergeben. Bei fünf Prozent der Befragten stellten die Wissenschaftler eine verfestigte rechtsextreme Einstellung fest. Fast jeder Zweite stimmte außerdem der Meinung zu, dass die Bundesrepublik durch Ausländer in gefährlichem Maß überfremdet sei.

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2012, 20:04 Uhr

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3 Kommentare

05.12.2012 16:07 joe pike 3

@Erich Hartmann, wieviel "türkisch-arabische Jugendgangs" und "Kriminelle aus Osteuropa" gibt es denn in ländlichen Gebieten Thüringens oder auch Sachsens? Gerade dort ist aber die Ausländerfeindlichkeit und sind rechtsextreme Tendenzen am größten... warum? in Großstädten mit vielen, auch kriminellen ausländischen Mitbürgern dagegen habe Rechte kaum was zu melden, denken sie mal darüber nach...

05.12.2012 15:11 Walter 2

"...Image als soziale Kümmerer", naja, vielleicht kümmern sie sich ja wirklich in den schwachen Regionen im Gegensatz zu den anderen Parteien die diese abgeschrieben haben. Wenn die nichts bewegen würden hätten sie keinen Zulauf. Die selbsternannten Demokraten sollten mal darüber nachdenken was sie selbst falsch machen anstatt nur auf andere zu zeigen.