Papstbesuch

Sicherheitskonzept für Papstbesuch : Tausende Polizisten sollen Benedikt schützen

Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia

Was eigenes Sicherheitspersonal anbelangt, reist Papst Benedikt XVI. bescheiden. Gerade einmal der Chef der vatikanischen Sicherheitsdienste, vier Gendarmen und zwei Offiziere der Schweizer Garde bringt er mit. Über Sicherheit muss er sich allerdings auch keine eigenen Sorgen machen: Wo er hinkommt, wird ein gigantischer Schutzschirm wird für ihn errichtet.

Es wird der größte Polizei-Einsatz in der Geschichte von Thüringen seit 1990. Mehr als 6.000 Beamte werden beim Papstbesuch in Erfurt und Etzelsbach für die Sicherheit Benedikts XVI. sorgen. Allein die Thüringer Polizei ist mit rund 4.000 Beamten im Einsatz, darunter 230 vom Spezialeinsatzkommando (SEK). Das geht aus dem internen und 61 Seiten starken Einsatzbefehl des Thüringer Innenministeriums hervor, der dem MDR THÜRINGEN vorliegt. Dazu kommen mehr als 2.000 Beamte der Bundespolizei und aus anderen Bundesländern.

Zum Vergleich: Beim Besuch von US-Präsident Obama vor zwei Jahren waren rund 3.000 Polizisten im Einsatz. Den Besuch von US-Präsident Clinton 1998 in Eisenach hatten 2.500 Beamte gesichert. Noch weniger waren es zur Visite des russischen Präsidenten Putin 2002 in Weimar, den 1.000 Beamte schützten.

Codename "Tiber"

Polizeimotorräder stehen aufgereiht in Form eines Dreicks parat - mit der Spitze nach vorne
Übung der Thüringer Polizei-Eskorte im Vorfeld des Papstbesuchs

Für den direkten Schutz des Papstes ist das Bundeskriminalamt (BKA) zuständig. Die Beamten der Sicherungsgruppe Berlin begleiten Benedikt von Ort zu Ort. Für den Einsatz, der die Polizei vor große Herausforderungen stellt, war im März eine Sondereinsatzgruppe mit dem Codenamen "Tiber" gegründet worden. Als besonders schwierig gilt der Schutz des Papstes in Erfurt.

In dem internen Papier ist zu lesen, dass rund um den Domplatz Scharfschützen postiert werden. Ihr Einsatzbefehl laute: Bei einer lebensbedrohlichen Situation für den Papst sowie auch einige andere wichtige Personen sei von der Waffe Gebrauch zu machen. Unter anderem werden auch Beamte in Zivil in Erfurter Straßenbahnen unterwegs sein, um zu verhindern, dass Störer die Notbremse ziehen und Straßen blockieren.

Vorbereitung auf Papstbesuch in Erfurt: Gully-Deckel auf dem Domplatz werden versiegelt

Ein Gully-Deckel auf dem Domplatz in Erfurt, der an zwei Stellen mit weißen Siegeln versehen ist. Drei Polizisten stehen bzw. knieen auf dem Domplatz in Erfurt und versiegeln einen Gully-Deckel. Im Hintergrund sind der Dom und die Severi-Kirche zu sehen. Auf dem Erfurter Domplatz werden Bühnen und Sitzreihen aufgebaut.

Schon drei Wochen vor dem Besuch des Papstes in Thüringen liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Zu den Sicherheitsmaßnahmen gehörte die Versiegelung von Gully-Deckeln. [Bilder]


Keine Hinweise auf geplante Anschläge

Das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) ist für den ganzen Bereich "Anschlag" zuständig. Konkrete Anhaltspunkte auf mögliche Anschlagspläne gibt es zwar nicht. Das LKA hat aber präventiv 47 Bedrohungsszenarien erarbeitet, dazu eine Gefährder-Analyse, in der es heißt: "Es ist von einem umfangreichen Störungs- und Gefährdungspotential auszugehen." Als größte potenzielle Gefahr gelten die Kundgebungen am Freitag am Erfurter Hauptbahnhof und am Sonnabend auf dem Anger unter dem Titel "Heidenspaß statt Höllenangst". In der Analyse wird auch die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König genannt, da auf ihrer Internetseite Informationen dazu stehen. Namentlich aufgeführt werden auch sieben so genannte "Kirchenstörer".

In den vertraulichen Unterlagen wird auch die Möglichkeit eines islamistisch-terroristischen Anschlags erwähnt. Dazu das LKA: "Im Bereich des islamistischen Terrorismus gilt das Christentum als geistig-moralische Unterstützerinstanz der westlichen Kreuzzügler. Daher besitzt der Papst einen hohen Symbolcharakter und ist als exponiertes Anschlagsziel anzusehen."

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