Reaktion auf gemeinsames Interview mit AfD-Chefin Kritik aus Thüringen an Linke-Politikerin Wagenknecht

Ein gemeinsames Zeitungsinterview von AfD-Bundeschefin Frauke Petry und der Linken-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht hat in Thüringen für Empörung gesorgt. Staatskanzleichef Benjamin Hoff (Die Linke) nannte das Verhalten von Wagenknecht bei MDR THÜRINGEN eine politische Instinktlosigkeit, die der AfD in die Hände spielen würde. Der linke Gewerkschafter Sandro Witt sagte in einer persönlichen Stellungnahme, es sei der falsche Weg, zur AfD abgewanderte Wähler mit AfD-Argumenten zu den Linken zurückholen zu wollen. Stattdessen müsse seine Partei für höhere Löhne und bessere Lebensbedingungen kämpfen. Außerdem dürften die Linken nie vergessen, wieviel Gewalt durch AfD-Demonstrationen geschürt würde.

Sahra Wagenknecht Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag, spricht am 16.06.2015 in Berlin.
Sarah Wagenknecht Bildrechte: dpa

Für den Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Matthias Hey zeigt das Doppelinterview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.), dass "keine dieser Damen jemals politische Verantwortung für dieses Land tragen darf". Inhaltlich sei das Interview "so entbehrlich wie ein Kabelbrand im Herzschrittmacher". CDU-Landeschef Mike Mohring sagte dem MDR, ihn überrasche der gemeinsame Auftritt von Petry und Wagenknecht nicht. Rechts- und Linkspopulisten fischten in demselben Becken um Wähler. Für die Parteien der Mitte und besonders für SPD und Grüne bedeute dies, sich deutlich nach links- und rechtsaußen abzugrenzen, sagte Mohring.

AfD-Chefin Petry und Linken-Fraktionschefin Wagenknecht hatten in einem Interview mit der F.A.S. über Asylpolitik, den Euro oder politische Vorstellungen von AfD und Linken debattiert. Dabei waren sich beide Politikerinnen in der Ablehnung des Euro und der Kritik an der Europäischen Union einig. Zudem führten sie aus, dass das Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingskrise für Probleme in Deutschland gesorgt hätte. Wenn es die AfD  in den nächsten Bundestag schaffe,  sei eine Zusammenarbeit mit den Linken in einzelnen Sachfragen vorstellbar, sagte Petry. Wagenknecht schloss eine mögliche Koalition von AfD und Linken aus.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2016, 05:00 Uhr

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38 Kommentare

05.10.2016 17:54 Micha Böhner 38

Sahra Wagenknecht hat in diesem Interview weder AfD-Argumente benutzt, noch sich mit Petry fraternisiert.
Wenn Herr Witt meint, in der Auseinandersetzung mit der AfD seien Lohnerhöhungen und bessere Lebensbedingungen die einzigen Argumente, dann dürfte er sich und seiner Gewerkschaft und der Ramelow-Regierung ja pausenlos AfD-Unterstützung vorwerfen.

Ich bin eher froh, dass in der FAS ein Doppelinterview steht, dass Argumente anstatt Keilerei anbietet.

05.10.2016 16:25 observer 37

Einfachste Sache: das Interview l e s e n ! Über nicht Gelesenes (und erst recht nicht Verstandenes) nassforsch Kommentare abzugeben ist primitiv. Dass Wagenknecht durch das gemeinsame FAS-Interview mit Petry eine Falle gestellt werden sollte, sieht doch jeder Blinde. Und die Union will auch noch demagogisch davon profitieren (vgl. heutigen Leitkommentar der OTZ). Da wird Alarm vor einem Erstarken der "Ränder" geschlagen, und die liebe gute "Mitte", für die die Union sich täuschend ausgibt, möchte gut dastehen. Aber ganz so naiv, wie die CDU glaubt, sind wir gottlob nicht, und lesen können wir auch. Vorerst, so lange unüberbrückbare Differenzen in der Europapolitik zwischen CDU und AfD bestehen, sind letztere abtrünnige "Schmuddelkinder". Aber Merkel hat schon so viele urplötzliche Umschwünge um 180 Grad hinbekommen, wenn sie davon Vorteile witterte. Winken hoch bezahlte Posten in einer Koalition, ist schon so manche Konkurrenzpartei umgekippt. Der AfD ist es zuzutrauen.

05.10.2016 12:48 Nico Bajramov 36

Sahra Wagencknecht und Oskar Lafontaine sollten endlich eine eigene Partei gründen, diese Partei würde ich sofort wählen! Aber die Linke ist schon lange nicht mehr Wählbar. Mit Refugees Welcome- oder No Borders Sprüche kann man keine ernsthafte Politik betreiben!

05.10.2016 12:00 tretminensucher 35

Lest doch mal das Interview! Sahra Wagenknecht grenzt sich darin immer wieder deutlichst von der AfD ab, z. B. auf folgende F.A.S-Frage "Und nach der Wahl könnten Sie beide problemlos miteinander koalieren?" worauf sie antwortet: "Wie bitte? Die AfD will einen schwachen Sozialstaat, niedrige Löhne und Renten, ein ungerechtes Steuersystem und ist nationalistisch und in Teilen rassistisch." Oder bei ihrer Ablehnung des "europäischen Superstaates": "Aber anders als Sie nicht mit einem Ansatz, der auf Ausgrenzung und Abgrenzung beruht. Der Front National steht für Fremdenfeindlichkeit pur (...)." Insofern sind die Aussagen der Herren Hoff und Witt populistische Schnellschüsse, wie man sie eher von AfD und CDU/CSU gewohnt ist.

05.10.2016 08:53 Realist2014 34

@Enrico: Wo und wie arbeiten denn CDU und AfD inhaltlich zusammen? Gibt es gemeinsame Arbeitsgruppen und Klausuren der beiden Parteien? Gibt es regelmäßige Absprachen von CDU und AfD vor Abstimmungen im Landtag? Gemeinsame Positionspapiere? Bitte untermauern und begründen Sie ihre Behauptung? Gern auch mit Belegen!

05.10.2016 08:34 Marcus Neuert 33

Offensichtlich haben Witt und Hoff das Interview nicht gelesen. Von Gemeinsamkeiten kann gar nicht die Rede sein, auch wenn Frau Petry das gerne hätte: die Positionen zu Euro und EU ähneln sich in ihrer Konsequenz, haben aber diametral entgegengesetzte Argumentationsansätze. Und so bleibt am Ende Wagenknechts glasklare aufrechte Haltung, die sich jede Anbiederung verbittet: "Die AfD will einen schwachen Sozialstaat, niedrige Löhne und Renten, ein ungerechtes Steuersystem und ist nationalistisch und in Teilen rassistisch." Noch Fragen?

04.10.2016 23:07 Jürgen 32

"Außerdem dürften die Linken nie vergessen, wieviel Gewalt durch AfD-Demonstrationen geschürt würde." - Frau König und Frau Nagel sind aber Mitglied bei der Linken.

04.10.2016 21:48 Enrico 31

Da haben sowohl Benjamin als auch Sandro vollkommen Recht! Das allerdings jemand wie Herr Mohring sich auch nur irgendein Recht herausnehmen kann grenzt schon an Frechheit pur, arbeiten doch CDU & AfD nicht nur in Thüringen in inhaltlichen Punkten zusammen.

04.10.2016 20:56 Normalo 30

Und Party warnt davor dass DDR Verhältnisse ausbrechen und es gefährlich wird die eigene Meinung zu sagen. Da hat sie wohl beschrieben was passieren würde wenn sie und Bernd was zu sagen bekämen (was Gott verhüten möge) . Dann gäbs ne ähnliche Demokratie wie unter Putin. Zum Glück gibt's bei uns noch mehrheitlich gescheite Menschen. Der Rest: Geht auf die Straße, da regnets Gehirne :-)

04.10.2016 19:29 D.o.M. 29

AfD und die Linke - ein Bündnis der Unfähigen und Phrasendrescher - Na das wird lustig