Reaktion auf gemeinsames Interview mit AfD-Chefin Kritik aus Thüringen an Linke-Politikerin Wagenknecht

Ein gemeinsames Zeitungsinterview von AfD-Bundeschefin Frauke Petry und der Linken-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht hat in Thüringen für Empörung gesorgt. Staatskanzleichef Benjamin Hoff (Die Linke) nannte das Verhalten von Wagenknecht bei MDR THÜRINGEN eine politische Instinktlosigkeit, die der AfD in die Hände spielen würde. Der linke Gewerkschafter Sandro Witt sagte in einer persönlichen Stellungnahme, es sei der falsche Weg, zur AfD abgewanderte Wähler mit AfD-Argumenten zu den Linken zurückholen zu wollen. Stattdessen müsse seine Partei für höhere Löhne und bessere Lebensbedingungen kämpfen. Außerdem dürften die Linken nie vergessen, wieviel Gewalt durch AfD-Demonstrationen geschürt würde.

Für den Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Matthias Hey zeigt das Doppelinterview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.), dass "keine dieser Damen jemals politische Verantwortung für dieses Land tragen darf". Inhaltlich sei das Interview "so entbehrlich wie ein Kabelbrand im Herzschrittmacher". CDU-Landeschef Mike Mohring sagte dem MDR, ihn überrasche der gemeinsame Auftritt von Petry und Wagenknecht nicht. Rechts- und Linkspopulisten fischten in demselben Becken um Wähler. Für die Parteien der Mitte und besonders für SPD und Grüne bedeute dies, sich deutlich nach links- und rechtsaußen abzugrenzen, sagte Mohring.

AfD-Chefin Petry und Linken-Fraktionschefin Wagenknecht hatten in einem Interview mit der F.A.S. über Asylpolitik, den Euro oder politische Vorstellungen von AfD und Linken debattiert. Dabei waren sich beide Politikerinnen in der Ablehnung des Euro und der Kritik an der Europäischen Union einig. Zudem führten sie aus, dass das Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingskrise für Probleme in Deutschland gesorgt hätte. Wenn es die AfD  in den nächsten Bundestag schaffe,  sei eine Zusammenarbeit mit den Linken in einzelnen Sachfragen vorstellbar, sagte Petry. Wagenknecht schloss eine mögliche Koalition von AfD und Linken aus.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2016, 05:00 Uhr

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38 Kommentare

05.10.2016 17:54 Micha Böhner 38

Sahra Wagenknecht hat in diesem Interview weder AfD-Argumente benutzt, noch sich mit Petry fraternisiert.
Wenn Herr Witt meint, in der Auseinandersetzung mit der AfD seien Lohnerhöhungen und bessere Lebensbedingungen die einzigen Argumente, dann dürfte er sich und seiner Gewerkschaft und der Ramelow-Regierung ja pausenlos AfD-Unterstützung vorwerfen.

Ich bin eher froh, dass in der FAS ein Doppelinterview steht, dass Argumente anstatt Keilerei anbietet.

05.10.2016 16:25 observer 37

Einfachste Sache: das Interview l e s e n ! Über nicht Gelesenes (und erst recht nicht Verstandenes) nassforsch Kommentare abzugeben ist primitiv. Dass Wagenknecht durch das gemeinsame FAS-Interview mit Petry eine Falle gestellt werden sollte, sieht doch jeder Blinde. Und die Union will auch noch demagogisch davon profitieren (vgl. heutigen Leitkommentar der OTZ). Da wird Alarm vor einem Erstarken der "Ränder" geschlagen, und die liebe gute "Mitte", für die die Union sich täuschend ausgibt, möchte gut dastehen. Aber ganz so naiv, wie die CDU glaubt, sind wir gottlob nicht, und lesen können wir auch. Vorerst, so lange unüberbrückbare Differenzen in der Europapolitik zwischen CDU und AfD bestehen, sind letztere abtrünnige "Schmuddelkinder". Aber Merkel hat schon so viele urplötzliche Umschwünge um 180 Grad hinbekommen, wenn sie davon Vorteile witterte. Winken hoch bezahlte Posten in einer Koalition, ist schon so manche Konkurrenzpartei umgekippt. Der AfD ist es zuzutrauen.