Familienpolitik : Zu wenig Pflegefamilien in Thüringen
In Thüringen fehlen mindestens 50 Pflegefamilien. Das hat eine Umfrage des MDR THÜRINGEN unter Landratsämtern und kreisfreien Städten ergeben.
Allein im Landkreis Altenburg werden derzeit 20 Pflegefamilien gesucht. Die Sprecherin des Landratsamts, Jana Fuchs, sagte dem MDR, man versuche über Veröffentlichungen im Amtsblatt geeignete Kandidaten zu finden. Wie das Jugendamt Eisenach mitteilte, müssen aus Mangel an Pflegefamilien zum Teil auch Kinder außerhalb Thüringens betreut werden. Der Landkreis Hildburghausen muss nach eigenen Angaben derzeit auf Pflegeeltern in Nachbarlandkreisen zurückgreifen.
Auch im Ilm-Kreis wird ständig nach geeigneten Bewerbern gesucht. Vor allem bis zum Alter von acht Jahren strebe seine Behörde die Unterbringung in einer Pflegefamilie an, sagte Jens Jödicke, Jugendamtsleiter des Ilm-Kreises. "Die meisten Pflegekinder lernen bei Pflegeeltern erstmals ein Familienleben kennen." Dabei wünschen sich die Jugendämter im Freistaat eine möglichst große Auswahl an potenziellen Kandidaten.
Suhls Pressesprecher Holger Uske sagte, wünschenswert wäre ein Bewerberpool für den Bedarfsfall.
Taubert: Vielfältige Gründe für Mangel an geeigneten Familien
Für Sozialministerin Heike Taubert sind die Gründe für den Mangel an Pflegeeltern vielfältig. "Oft sind geeignete Kandidaten berufstätig, die Wohnverhältnisse stimmen nicht und die Zielgruppe im mittleren Alter kümmert sich eher um eigene Kinder", sagte die SPD-Politikerin dem MDR. Es sei schwierig, mehr geeignete Pflegeeltern zu finden, so Taubert. "Es ist immer eine individuelle Entscheidung, Pflegeeltern zu werden."
In Thüringen werden inzwischen mehr Kinder in Pflegefamilien als in Heimen betreut. Nach Angaben des Statistischen Landesamts lebten 2010 1.181 Kinder in Thüringer Heimen, 1.274 waren bei Pflegeeltern untergebracht.
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