Ausgelichtete Krone eines Ahorn-Baumes, der von einem Pilz befallen wurde.
Wo sich die Rußrinden-Krankheit ausbreitet, verlieren die Bäume nach und nach ihr Laub. Bildrechte: Mathias Stürtz/ThüringenForst

Rußrinden-Krankheit Neuer Baum-Pilz auch für Mensch und Tier schädlich

Ein neuer Schädling ist an Ahorn-Bäumen in Nordthüringen aufgetaucht: die Rußrinden-Krankheit, die auch bei Menschen und Tieren gesundheitliche Probleme auslösen kann. Ein Mittel gegen den aggressiven Pilz gibt es noch nicht.

Ausgelichtete Krone eines Ahorn-Baumes, der von einem Pilz befallen wurde.
Wo sich die Rußrinden-Krankheit ausbreitet, verlieren die Bäume nach und nach ihr Laub. Bildrechte: Mathias Stürtz/ThüringenForst

In Thüringen ist eine neue Baumkrankheit aufgetaucht. Horst Sproßmann vom ThüringenForst sagte MDR THÜRINGEN, dass eine Ahorn-Aufforstung in Nordthüringen von der Rußrinden-Krankheit betroffen ist. Der Befall wird durch einen Schimmelpilz (Cryptostroma corticale) ausgelöst, der auch für Menschen und Tiere Folgen haben kann. Die Pilzsporen werden durch Luftzug und Wind verteilt und können beim Einatmen Reizhusten, Atemnot sowie Fieber auslösen, Lungenbläschen können geschädigt werden. Die Beschwerden treten sechs bis acht Stunden nach dem Kontakt mit den Sporen auf. Sie dauern in der Regel nur wenige Stunden.

Abplatzende Rinde am Stamm eines Ahorn-Baumes, darunter schwarz verfärbtes Holz, das von einem Pilz befallen wurde.
Bei befallenen Bäumen platzt die Rinde ab. Bildrechte: Mathias Stürtz/ThüringenForst

Zur Gesundheitsgefahr durch den Pilz heißt es ausdrücklich, dass die Wirkung für Menschen wesentlich harmloser sei als die des Eichenprozessions-Spinners. Der Kontakt mit den Härchen der Raupen kann Bronchitis und Reaktionen bis hin zum allergischen Schock auslösen.

Beim Rußrinden-Befall sind Forstarbeiter aus Arbeitsschutzgründen aufgefordert, eine besondere Schutzkleidung zu tragen - unter anderem einen Atemschutz. Die befallenen Bäume müssen gerodet werden, ihr Holz darf wegen der Sporen nur abgedeckt transportiert werden. Es darf auch nicht als Brennholz verkauft werden.

Die Rußrinden-Krankheit Erkennbar ist die Rußrinden-Krankheit durch aufgeplatzte Rinde, unter der schwarze Pilzteppiche sitzen. Blätter welken, die Kronen werden licht. Die befallenen Bäume sterben langsam ab - der Prozess kann sich über Jahre hinziehen. Bisher gibt es kein Mittel, den Pilz zu bekämpfen. Trockenheit macht Bäume anfällig für diese Erkrankung.

Der Pilz wurde erstmals 2005 in Baden-Württemberg festgestellt. Er stammt ursprünglich aus Nordamerika. Nach Angaben von Thüringen-Forst gab es seitdem auch Meldungen in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Seine Verbreitung wird mit dem Klimawandel begründet. Bäume würden häufiger infiziert, wenn sie durch Wassermangel und große Hitze schon gestresst seien, heißt es. Daher lässt sich der Befall vorbeugen, indem Ahorne vor allem in den ersten Jahren mit ausreichend Wasser versorgt werden.

Beschädigter Stamm eines Ahorn-Baumes, der von einem Pilz befallen wurde.
Zu Beginn der Erkrankung zeigen sich auf der Rinde dunkle Verfärbungen. Bildrechte: Mathias Stürtz/ThüringenForst

Der Thüringer Befall wurde in einem Privatwald entdeckt. Der Besitzer habe sich an die Landesanstalt gewandt, um die Ursache für die Veränderungen in seinem Ahornbestand zu ergründen. Die etwa 0,5 Hektar große Schonung ist den Angaben nach eingezäunt, eine direkter Zugang für Spaziergänger deshalb nicht möglich. Mitte Oktober wollen die Waldschutzexperten vom ThüringenForst ein Konzept erstellen, was mit der betroffenen Schonung passieren soll.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. Oktober 2017 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2017, 10:55 Uhr

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4 Kommentare

03.10.2017 10:13 ggeubb 4

@Wolf: Der Klimawandel wird nicht vorgeschoben, aber man sollte es vielleicht präziser ausdrücken. Schuld ist die zunehmende Internationalisierung, Arten werden immer öfter eingeschleppt, es gibt sicher keinen Ort mehr auf der Welt, wo es keine nicht-einheimischen Pflanzen/ Tiere gibt, dementsprechend ein Festmahl für die neuen Arten, die hier auf die noch unvorbereitete Altpopulation (im Beispiel Bäume) trifft. "Heimische Probleme" gibt es nicht mehr. Das sind mittlerweile Probleme, die überall auftreten.
(Und auch in Russland sollte man t durch r ersetzen können, fällt mir in letzter Zeit öfter auf.)

02.10.2017 22:11 part 3

Schaut man sich den Pilzbefall in den Bananenplantagen an, der durch immer mehr Chemiereinsatz von in BRD hergestellten aber hier verbotenen Mitteln erfolgt statt Anbau in Mischwirtschaft mit Kakao und andern Fruchtabaumarten, die natürlich eine Ausbreitung von schädigten Pilzarten verhindern, so könnte ich fast Parallelen erkennen mit der deutschen Monolandwirtschaft, wo Fungiziede mittlerweile auch mehr Resistenzen im Rest der der Landschaft verursachen. Für einige hiesige und internationale Chemiekonzerne dürfte es indess nicht lukurativ genug sein hier die Forschung anzusetzen.

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