Auszeichnung für MDR-Reporter Thüringer Journalistenpreis an Ulrich Sondermann-Becker

Mit Ulrich Sondermann-Becker bekommt ein Urgestein des Politik-Journalismus den Thüringer Journalistenpreis. Seit fast 20 Jahren berichtet der MDR-THÜRINGEN-Reporter aus dem Landtag, von Parteitagen und aus den Hinterzimmern der Politik. Angefangen hat alles in einem Ruderclub im westfälschen Hamm.

von Ludwig Kendzia

Ulrich Sondermann-Becker heißt eigentlich gar nicht Ulrich Sondermann-Becker. Also in seinem Ausweis steht der Name schon, aber für viele Freunde, Kollegen und den ein oder anderen Thüringer Landespolitiker ist er: USB.

Mann in schwarzem Anzug und blauem Hemd steht an einem Rednerpult mit zwei Mikrofonen
Ulrich Sondermann-Becker bei einem Sommerfest der Landespressekonferenz. Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder

Wenn man in den Redaktionsräumen von MDR THÜRINGEN fragt, wer denn heute aus dem Landtag berichtet, dann kommt die einfache Antwort "Na, USB!" Und somit ist "USB" zu einer echten Marke von MDR THÜRINGEN für Landespolitik-Berichterstattung geworden. Er selber sieht das in seiner westfälischen Ruhe und Gelassenheit unaufgeregt. Dabei ist USB ein Reporter mit Leidenschaft. In seinem unnachahmlichen Ruhrgebiets-Sing-Sang, der immer nach Zeche, Kohle und Schalke 04 klingt, ist er ganz vielen Hörern in Thüringen ein Begriff.

Rasant unterwegs

Sondermann-Becker, Jahrgang 63, ist in Hamm, Westfalen geboren. Möglicherweise wäre er statt Landespolitikreporter in Thüringen auch ein veritabler Sportreporter geworden. Denn für seinen Ruderclub RC-Hamm hat der junge Ulli die Pressearbeit gemacht. Mit den üblichen Problemen bei den regionalen Zeitungen: Texte zu lang, Stress mit den gelangweilten festangestellten Sportredakteuren.

ein Mann übergibt einem anderen Mann eine Trophäe aus Glas
Thomas Wagner (rechts) vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen übergibt den Preis. Bildrechte: Paul-Philipp Braun

Doch USB hatte Blut geleckt. Über das Stadtblättchen "Distel" kam er zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) und 1994 der Ruf nach Thüringen. Anwerbungsspruch einer Kollegin: "Im Sommer kannst Du hier Motorrad und im Winter Ski fahren." Mit Frau und Kindern ging es in den wilden Osten und dort ins MDR-Außenstudio Suhl. Bis 1999 berichtet USB aus dem Süden des Freistaates und kehrte dann ins "Mutterhaus" von MDR THÜRINGEN in der Weimarer Humboldtstraße zurück. Auch seine Familie wohnte inzwischen in Weimar. Mit dem neuen Landesfunkhaus in Erfurt hieß es für Sondermann-Becker ab 2000 wieder pendeln.

Rechercheredaktion

Seit dieser Zeit ist er Mitglied einer Redaktion, die damals im großen MDR eine kleine Revolution war. Eine eigene Rechercheredaktion mit dem Namen "Content", zu Deutsch "Inhalt". Heute umfasst sie knapp ein Dutzend Frauen und Männer, die auf den verschiedensten Gebieten recherchieren. Das Gebiet von USB ist die Landespolitik. "Ulli Sondermann-Becker hat die wunderbare Gabe, präzise und gleichzeitig spannend zu berichten, mit journalistischem Können und demokratischen Werten", sagt seine Chefin Regina Lang. Inzwischen ist er nicht mehr ganz so oft in der Politik unterwegs, ein Teil seiner Arbeit ist jetzt im neuen trimedialen News-Center. Dort kümmert er sich als Chef vom Dienst um die aktuelle Berichterstattung von MDR-THÜRINGEN.

Dass USB trotzdem regelmäßig am Puls der Landespolitik dran ist, findet auch MDR-Landesfunkhausdirektor Boris Lochthofen klasse, wenn er meint, dass "Ulli Sondermann-Becker für unaufgeregte, kontinuierliche und dabei auch kontinuierlich kritische Politikberichterstattung steht, die unserem Haus aufgegeben und uns besonders wichtig ist."

"Da habe ich geheult"

Das alles basiert bei Sondermann-Becker auf dem großen Maß seiner Erfahrungen. Er hat Bernhard Vogels Triumph zur absoluten Mehrheit 1999, Dieter Althaus Abgang nach der Landtagswahl 2009 und Bodo Ramelows Einzug in die Staatskanzlei 2014 erlebt. Er hat, wie er selber sagt, nächtelang mit anderen Kollegen vor Sitzungssälen "herumgelungert", auf Parteitagen Stimmen gezählt, Stimmungen eingefangen und Politiker-Schicksale beleuchtet. Er hat die beiden SPD-Streithähne Richard Dewes und Christoph Matschie bei ihrem Kampf um die Macht beobachtet. Emotional sei er nur einmal geworden. "Als die Särge nach dem 26. April 2002 aus dem Gutenberggymnasium getragen wurden, da habe ich geheult."

Ein Journalist sollte in den Reihen seines Beobachtungsobjektes keine Fans haben. Und doch schätzen viele Politiker seinen Stil, vielleicht fürchtet ihn mancher auch. "Tiefgründig, souverän und fair", so beschreibt ihn Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Tiefensees Chef, Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) schickt von seinem USA-Trip Glückwünsche: "Seine journalistische Sorgfalt sprechen genauso für den Preisträger, wie sein Engagement für eine freie Presse. Als Vorsitzender der Landespressekonferenz hat er mehr im Blick, als seine eigene Arbeit."

Westfälischer Ossi

Mann in schwarzem Anzug und blauem Hemd
Bildrechte: MDR/Jan Schönfelder

Seit 2007 ist Ulrich Sondermann-Becker ehrenamtlicher Vorsitzender der Thüringer Landespressekonferenz. Ein Zusammenschluss von Journalisten, die aus und über die Landespolitik berichten. "Ich mag diesen Haufen ausgesprochener Individualisten", sagt USB. Dass die ihn auch mögen, macht sein Vereinsvize Elmar Otto, Landespolitikreporter der "Thüringischen Landeszeitung" deutlich: "Er trägt die westfälsche Ruhe in sich, obwohl er längst ossifiziert ist." Ulrich Sondermann-Becker, kurz USB, bekommt heute auf der Media-Night in Erfurt den Thüringer Journalistenpreis. Damit steht er in einer Reihe von Thüringer MDR-Kollegen, die diesen Preis bereits erhalten haben. 2006 ging der Preis an Ute Gebhardt für Ihren Film "Die Kinder von Buchenwald" und 2012 an Michaela Schenk, Axel Hemmerling, Rainer Erices und an den Autor dieses Artikels für die Recherchen über den NSU.
USB, Herzlichen Glückwunsch!

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19.05.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2017, 20:31 Uhr

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