Tag der Deutschen Einheit Ramelow ruft Thüringer zu mehr Selbstvertrauen auf

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat die Menschen im Land zu mehr Optimismus und Selbstvertrauen ermuntert. Der Linke-Politiker sagte MDR THÜRINGEN, die Städte im Freistaat hätten sich gut entwickelt und eine positive Ausstrahlung. Das müssten die Thüringer verinnerlichen und den anderen Menschen in Deutschland auch zeigen. "Wir haben was zu bieten, kommt zu uns - das muss die Botschaft sein, die die Thüringer 27 Jahre nach der Wiedervereinigung aussenden", sagte Ramelow.

Studenten verfolgen an der TU Ilmenau eine Vorlesung
Studenten verfolgen an der TU Ilmenau eine Vorlesung Bildrechte: dpa

Der Thüringer Ministerpräsident sieht die Deutsche Einheit umso näher rücken, je mehr junge Menschen nach Thüringen kommen - zum Studium, zur Ausbildung oder für das Berufsleben. "Diese Dinge werden uns verändern", so Ramelow.

Der gebürtige Niedersachse empfindet nach eigenen Angaben auch im Jahr 2017 die Deutsche Einheit immer noch als Wunder. Durch die deutsche Teilung war auch Ramelows Familie geteilt: "Die Familie Ost durfte nicht zur Familie West, wir durften aber hin- und herfahren". Diese Erfahrung prägte auch Ramelow. Dass die Nachgeborenen jetzt ohne Grenzen aufwachsen könnten, dass das alles überwunden sei, das vergesse er niemals, sagt er.

Der frühere Gewerkschafter warnt allerdings auch davor, dass diese Wertschätzung für ein Europa ohne Grenzen zu bröckeln beginnt. Die innere deutsche Einheit werde nur gelingen, wenn sich niemand benachteiligt fühle. Laut Ramelow hätten aber viele Menschen Angst, etwa vor Armut im Alter. Diese Angst müsse durch einen starken Sozialstaat überwunden werden.

Nach Ansicht des Ministerpräsidenten hat sich der Freistaat seit 1990 wirtschaftlich eine gute Position erarbeitet. Thüringen erlebe zurzeit ein Beschäftigungswunder, und in der Industrie seien die Reallöhne allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 4,5 Prozent gestiegen. Es komme also auch im Portmonee der Leute etwas an. "Thüringen wird wirtschaftlich den Anschluss an die westdeutschen Länder schaffen, und hier vertröste ich nicht auf den Sanktnimmerleins-Tag oder auf die nächsten Jahrzehnte", so Ramelow. Nach seinen Angaben kann das Bundesland aus den künftig anstehenden Veränderungen in Europa als Gewinner hervorgehen, wenn es sich so weltoffen zeigt, dass Menschen nach Thüringen kommen wollten.

Müntefering fordert gleiche Lebensverhältnisse

Der frühere SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering sprach sich indes am Dienstag in Weimar für gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West aus. Bei einer Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit sagte er, wenn die Lebensqualität, die Chancen auf Bildung und die Integration von anderen Menschen nicht gewährleistet seien, müssten Bund und Länder eingreifen.

Die Aufgabe habe eine große Bedeutung, auch für die sich jetzt neu bildende Bundesregierung. Müntefering mahnte, die Menschenrechte und das Grundrecht auf Asyl zu achten. Zwar könne Deutschland nicht allen Menschen auf der Erde ihre Grundrechte garantieren. Manche würden das aber als Begründung dafür verwenden, dass man Schutzbedürftigen nicht helfen könne.

Carius: Gedenktag hat auch aktuelle Bedeutung

Landtagspräsident Christian Carius (CDU) sagte, der Tag der Einheit erinnere nicht nur daran, dass Deutschland über Jahrzehnte geteilt war, sondern er habe auch eine aktuelle Bedeutung: "Er mahnt uns, als Volk zusammenzustehen." Bei aller Unterschiedlichkeit der Regionen, "keine Region ist besser als die andere", sagte er beim zentralen Festakt von Landtag und Landesregierung in Erfurt.

Am Fest der deutschen Einheit von CDU und CSU in Mödlareuth im Saale-Orla-Kreis nahmen rund 2.000 Menschen teil. Durch das kleine Dorf war vier Jahrzehnte lang die innerdeutsche Grenze verlaufen. Inzwischen feiert es zum 28. Mal den Jahrestag. Der Bürgermeister der bayerischen Nachbargemeinde Töpen, Klaus Grünzner (CSU), sagte, das Fest sei in den Jahren zu einem Fest des Miteinanders geworden - auch um Mauern in den Köpfen zu überwinden. Der Thüringer Landtagsabgeordnete aus der Region Christian Herrgott (CDU) erklärte, mit dem Fest werde die deutsche Einheit lebendig gefeiert. Die Union lasse sich als Partei der Einheit das Thema Wiedervereinigung nicht streitig machen, sagte Herrgott mit Blick auf einen Auftritt von AfD-Mitgliedern am Rande der Feierlichkeiten. Dort hatte die AfD einen Infowagen aufgestellt, von dem Reden gehalten wurden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Oktober 2017 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2017, 21:26 Uhr

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45 Kommentare

05.10.2017 18:20 @ andre 41 45

Ihr Beitrag soll sicher Satire sein?
Nur weil Sie Ihr "kleinkariertes Weltbild " nicht verlassen wollen, glorifizieren Sie unsere Medien.
Idyllische Leben hier in unserem tollen Land?
Was verstehen Sie darunter?
Kriminalität, Messerstechereien, Vergewaltigungen, NoGo Stadtteile, Angriffe auf Polizisten.....?
Kleiner Denkanstoß: Naivität schützt nur zeitlich begrenzt vor der Realität.

05.10.2017 18:05 @ Meckersack 39 44

Sehnsucht nach dem starken Staat hat nicht den Inhalt, der Staat solle das Leben der Bürger organisieren, sondern der Staat hat für die Sicherheit der Menschen zu sorgen!

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