Thüringen

Hausdurchsuchungen in Rudolstadt und Leipzig : Razzia bei früheren V-Leuten

Am Mittwochmorgen haben Fahnder Razzien in der rechtsextremen Szene in Sachsen und Thüringen durchgeführt. Nach Informationen des MDR THÜRINGEN wurde unter anderem in Rudolstadt das Haus des früheren führenden Neonazis Tino Brandt durchsucht. Dabei war eine Hundertschaft von Polizeibeamten im Einsatz. Die Straßen rund um das Gebäude des einstigen Chefs des "Thüringer Heimatschutzes" waren abgesperrt. Nach MDR-Informationen waren die Ermittler auch in Leipzig aktiv. Beamte durchsuchten die Wohnung des früheren führenden Neonazis Thomas Dienel im Stadtteil Gohlis. Insgesamt waren bei den Durchsuchungen 150 Beamte im Einsatz.

Dienel und Brandt sollen in ein umfangreiches Verfahren der Staatsanwaltschaft Gera wegen erwerbsmäßigen Bandenbetrugs verwickelt sein. Der Schaden soll sich nach Angaben der Ermittler auf mehr als eine Million Euro belaufen. Die Ermittlungen richteten sich insgesamt gegen 13 Beschuldigte. Die Verdächtigen sollen über eine eigene Versicherungsagentur preisintensive freiwillige Gruppen- und Privatunfallversicherungen mit überdurchschnittlich hohen Leistungen abgeschlossen haben. Kurz nach Versicherungsabschluss seien Arbeitsunfälle und andere Schadensfälle der Mitarbeiter gemeldet worden. Die Folge seien lange Arbeitsunfähigkeiten gewesen. Wegen der hohen Gehälter seien dann von privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen Leistungen gefordert worden, die sich auf den Millionenbetrag summiert hätten.

Verdacht: Waffen

Bei der Razzia bei Tino Brandt wurde auch nach illegalen Waffen gesucht. Die Ermittler beschlagnahmten unter anderem eine Machete, Äxte, Schwerter, Schreckschusspistolen und eine Armbrust. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera bestätigte dem MDR THÜRINGEN, dass Brandt im Verdacht stehe, illegal Waffen zu besitzen. Grundlage für das zweite Ermittlungsverfahren sei ein anonymer Hinweis. Nach MDR-Informationen war dieser vor einigen Wochen beim Bundeskriminalamt im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Terror-Trio aus Jena eingegangen.

Brandt und Dienel waren zeitweise als V-Leute des Thüringer Verfassungsschutzes tätig. Dienel war im Jahr 2000 enttarnt worden. Er hatte seit 1995 unter dem Decknamen "Küche" für den Verfassungsschutz gespitzelt. Brandt arbeitete von 1994 bis 2001 für den Thüringer Verfassungsschutz. Er hatte in dieser Zeit umfangreiche Informationen über die 1998 untergetauchten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe geliefert.

Linke verlangt Aufklärung

Die Innenexpertin der Thüringer Linken, Martina Renner, bezeichnete die Razzia als Hinweis dafür, dass Organisierte Kriminalität und Neonazi-Szene in Thüringen enger zusammenhängen würden, als bisher bekannt sei. Brandt und Dienel hätten ihrer braunen Gesinnung nie abgeschworen und seien offenbar auch nach ihrem Auffliegen als Spitzel kriminell geblieben. Renner forderte Aufklärung darüber, was die beiden früheren V-Leute mit ihrem vom Staat gezahlten Geld gemacht hätten. Die Landesregierung müsse umgehend die Frage beantworten, ob der Verfassungsschutz Kenntnis über die kriminellen Machenschaften seiner einstigen V-Leute hatte oder ob gar Gelder aus der damaligen Zeit in den aktuellen Fällen eine Rolle spielten.

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2012, 22:58 Uhr

19. besorgter Bürger:
Analysiert: eine Hundertschaft in Rudolstadt, ca 20 Mann zu Koordinierung, anschließende Bearbeitung, Auswertung und Nachbereinigung des Einsatzes sind pro Person locker 20 Arbeitsstunden. Ein Polizist kostet den Steuerzahler ca. 40 Euro die Stunde, das macht 96000 Euro, Fahrkosten für ca 20 Fahrzeuge bei 100 km Fahrleistung und 0,50 Cent pro km noch mal 1000 Euro drauf. Das heist die Kaffeefahrt hat den Bürger 97000 Euro minnimum gekostet, wegen einer Person, die soweit ich sehen kann korpulent und kurzatmig ist und eine Flucht nahezu ausgschlossen wäre? Hätten für eine Hausdurchsuchung nicht 4 Leute gereicht? Warum wurde keine Hubschrauberstaffel und die Bundswehr dazugerufen. Bitte verbrennt weiter unser Steuergeld, wir arbeiten gern und zahlen gern. Dies deutet alles auf einen Polizeistaat hin und hat mit freiheitlicher Demokratie nichts mehr zu tun. Für Kinderschänder und Drogendealer reichen oft 2-3 Beamte, man erkennt die Wichtung. Ich habe Angst vor der Zukunft
30.03.2012
08:38 Uhr
18. spetzki:
Alle diese im Artikel genannten Waffen sind in Deutschland freie Waffen. Man darf sie besitzen und ohne besondere Vorkehrungen zu Hause lagern. Das weiß auch die Polizei. Warum werden die Sachen dann beschlagnahmt? Würden die Beamten mir meinen preußischen Offizierssäbel auch von der Wand nehmen, obwohl sie genau wissen, dass das zu gar nichts führt?
29.03.2012
12:44 Uhr
17. Insider:
@Unwissender, der MDR hatte keine(!) Vorabinformationen zu den Durchsuchungen, nur um dies erst einmal klar zu stellen. Das erste Filmmaterial (welches u.a. auch die "Anfahrt zum Durchsuchungsort" zeigte) stammte von offiziell an den Durchsuchungen beteiligten Personen (auch die Polizei und/oder Staatsanwaltschaft besitzen Pressestellen mit entsprechend ausgerüsteten Mitarbeitern).
29.03.2012
11:09 Uhr
16. @Uwe Röhler:
In dem Artikel geht es um Hausdurchsuchungen wegen Bandenbetrugs. Diese erfolgten auf Grund von aktuellen Ermittlungen und nicht wegen belanglosen Verdächtigungen oder gar Terrorismus. In einer globalisierten Zeit wie heute ist es klar, dass sich auch die Kriminalität nicht an Staatsgrenzen hält. Dies wissen nicht nur ein paar Einzelfälle von Personen mit Migrationshintergrund zu nutzen, sondern auch die Deutschen mischen hier tatkräftig mit.
28.03.2012
22:08 Uhr
15. isak:
Endlich passiert mal was gegen rechts, Jahrzehnte lang hat man ihnen Narrenfreiheit gegönnt.
28.03.2012
18:50 Uhr
14. Uwe Röhler:
[Doublette, deshalb nachträglich redaktionell gelöscht. MDR.DE_Redaktion]
28.03.2012
17:11 Uhr
13. Unwissender:
Also ich frage mich ja, woher das MDR die Information über die Durchsuchung hatte. Soweit ich weiß ich es durchaus nicht üblich, dass die Presse so schnell vor Ort ist und die Beamten noch auf der Anfahrt zum Durchsuchungsort filmen kann. Gab es da etwa wieder einmal eine undichte Stelle im Innenministerium ? Vielleicht wird ja bald wieder intern ermittelt. War nicht erst der Einsatzbefehl zum Papsteinsatz illegalerweise in die Händer des MDR gelangt ? Soll ja gut Geld damit zu verdienen sein. Oh je, wohin soll das noch führen ??
28.03.2012
16:40 Uhr
12. haha:
Wenn der Herr, der hier gerne 'Migrantenkriminalität' zur Ablenkung von den Nazis thematisieren möchte, den Artikel gelesen hätte, wäre ihm aufgefallen, dass die Hausdurchsuchungen aufgrund von Ermittlungen wegen Bandenbetrugs stattfanden, nicht wegen der Mordserie. Aber Hauptsache mal vom unangenehmen Thema abgelenkt, nicht wahr?
28.03.2012
15:33 Uhr
11. Frodo Knisper:
@Uwe Röhler: Ihren Kommentar nach zu urteilen sind Sie eifriger Bild-Leser. Naja. Es muss nicht jeder Geisteswissenschaftler sein. Aber Äpfel mit Birnen vergleichen hilft wenig. Es gibt durchaus auch Hausdurchsuchngen bei Kriminellen ausländischer Herkunft. Diese Befehle werden von Richtern sogar leichtfertiger ausgestellt, als bei deutschen Staatsbürgern.
28.03.2012
15:22 Uhr
10. Uwe Röhler:
Unfassbar! In der rechtsradikalen Szene werden jetzt kontinuierlich Hausdurchsuchungen durchgeführt, obwohl es bisher nur Vermutungen über angeblichen Terrorismus gibt. […] [Nachträgliche Löschung eines Satzes wegen seines fremdenfeindlichen Gehaltes - auf Hinweis eines Users. MDR.DE_Redaktion]
28.03.2012
14:42 Uhr

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