Das Ringberg-Hotel mit zahlreichen Valkyrie-Motorrädern davor.
In zwei Jahren wird das Ringberg Hotel bei Suhl 40 Jahre alt. Beinahe wäre das 400-Betten-Haus mitten im Wald, wo jährlich Tausende ihren Urlaub verbringen, gar nicht gebaut worden. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR

Ferienorte früher und heute Das Ringberg Hotel - Ein Wahrzeichen auf dem Suhler Gipfel

Vier Jahre mussten Bauern einst auf einen Urlaubsplatz im Suhler Ringberg Hotel warten. Der Weg vom VdgB-Ferienheim zum heutigen Vier-Sterne-Haus war nicht immer leicht. In zwei Jahren feiert das große Haus mitten im Thüringer Wald sein 40-jähriges Bestehen.

von Jeanette Miltsch

Das Ringberg-Hotel mit zahlreichen Valkyrie-Motorrädern davor.
In zwei Jahren wird das Ringberg Hotel bei Suhl 40 Jahre alt. Beinahe wäre das 400-Betten-Haus mitten im Wald, wo jährlich Tausende ihren Urlaub verbringen, gar nicht gebaut worden. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR

"Bonjour"- per Handschlag begrüßt der Motorradfahrer in Lederkluft den Hoteldirektor. Wolfgang F. Kanig lächelt zurück. Der Mann im feinen Anzug mag die Valkyrie-Fans. Derzeit wohnen 400 von ihnen aus 17 Nationen in seinem Haus, ihre Maschinen parken davor: Vor dem Ringberg-Hotel in Suhl. "Wenn sie kommen, haben sie erstmal Durst", weiß er und ist schon im nächsten Gespräch mit Gästen. "Manche waren schon als Kind mit ihren  Eltern hier, heute kommen sie mit der Freundin, da kennt man sich gut“, sagt der 62-jährige Hotel-Chef.

Dabei wäre das große Haus mitten im Wald, wo jährlich Tausende ihren Urlaub verbringen, beinahe gar nicht gebaut worden. Nachdem im März 1974 der Ministerrat der DDR den Standort des Ferienheims für Bauern auf dem 750 Meter hohen Ringberg beschloss, hagelte es Kritik. Sechs Hektar Wald erforderte das Areal, Versorgungswege aus der Stadt für Wasser, Strom und Verkehr gab es nicht, die Bergkuppe musste zudem zwölf Meter gesprengt werden. Besonders der Einschnitt in die Natur ärgerte die Bevölkerung. Trotz der Kritik begann 1975 der etwa 37,6 Millionen Mark teure Hotelbau auf dem Gipfel des Ringberges.

Zeitungen ignorierten Hotel-Eröffnung

Die vierjährige Bauzeit endete auch wegen schwieriger Materialbeschaffung knapp eineinhalb Jahre später als geplant im Mai 1979. Wurden die Medien damals nicht müde, erfolgreiche SED-Sozialpolitik großartig darzustellen, fand der Bau der "Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“ (VdgB) kaum Beachtung. Die Eröffnung war der lokalen Presse weder Wort noch Bild wert. Grund war eine Informationssperre, die aufgrund der Proteste verhängt wurde.

Damals wie heute hatte das Ferienhaus 600 Betten. Es war für damalige Verhältnisse ein sehr attraktives Hotel. Die moderne Ausstattung, gute Versorgung und viele Freizeitangebote waren auf hohem Niveau. So trat der Komponist des Rennsteigliedes, Herbert Roth, häufig mit seiner Tochter Karin im großen Speisesaal auf. Er schrieb zudem ein Lied über das Hotel. Der große Saal, indem stets Thüringer Klöße zu haben sind, ist noch heute nach ihm benannt.

Das Ringberg Hotel in Bildern

Schwarz-Weiß-Aufnahme: Geräte auf dem Gipfel einer Felsformation im Thüringer Wald.
Zwölf Meter des einst 750 Meter hohen Suhler Ringbergs mussten für das Hotelfundament gesprengt werden. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Schwarz-Weiß-Aufnahme: Geräte auf dem Gipfel einer Felsformation im Thüringer Wald.
Zwölf Meter des einst 750 Meter hohen Suhler Ringbergs mussten für das Hotelfundament gesprengt werden. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Kellnerinnen stehen in einer Reihe aufgestellt vor leeren Hotel-Tischen.
Der geplante Eröffnungstermin im Januar 1978 wurde aufgrund schwieriger Erschließung und schwieriger Materialsituation nicht eingehalten. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Schwarz-Weiß-Aufnahme: Eine Gruppe Menschen steht im Schnee vor einem großen Haus.
Im Mai 1979 eröffnete das Hotel, eineinhalb Jahre später als geplant. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Ein großes Hotel, das Ringberg-Hotel in Suhl, von außen.
Der Lokalzeitung war die Hoteleröffnung keine Zeile wert. Aufgrund von Protesten in der Bevölkerung wegen des Standortes gab es eine Informationssperre. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Kellnerinnen stehen links im Bild auf, rechts kommen Männer im Anzug zur Tür herein.
Die Hotel-Mannschaft empfängt Anfang der 80er Jahre zum Botschafter-Treffen hohen Besuch: Hoteldirekor Helmut Meier und rechts der DDR-Außenminister Oskar Fischer. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Blick in den leeren Speisesaal des Ringberg-Hotels im Thüringer Wald.
Das Hotel war für damalige Verhältnisse ein attraktives Ferienhotel in bester landschaftlicher Lage, guter Ausstattung und Versorgung. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
An einer Hotel-Rezeption steht eine Familie und ein Hotel- Mitarbeiter.
Die Rezeption im Erdgeschoss in den 80er Jahren. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Blick in eine Hotel-Gaststätte. Eine Kellnerin bedient die Gäste.
310 Mitarbeiter arbeiteten im Hotel mit 640 Betten und 800 Gaststätten-Plätzen. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Viele Menschen sitzen in einer Nachtbar der 80-er Jahre.
Jährlich verbrachten etwa 20.000 Bauern und Werktätige der sozialistischen Landwirtschaft ihren Urlaub im Hotel. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Schwarz-Weiß-Aufnahme: Kellner warten mit vielen fein angerichteten Speisen auf Hotelgäste.
Hotel-Verpflegung in der Außenanlage des Ringberg-Hotels. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Ein braun-weißer Geldschein im Wert von 50 Pfennigen.
Sogar eine eigene Währung hatte das Hotel. Wer einen Urlaubsplatz ergattert hatte, bekam 150 Mark Taschengeld für das Hotel dazu. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Große Hotelanlage in Suhl von oben.
Das Ringberg Hotel ist eines der größten der Region. Außergewöhnlich ist zudem die Aussicht auf den Thüringer Wald. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Ein Mann und eine Frau lächeln in die Kamera. Beide haben ein Akkordeon in der Hand.
Der Volksmusikant Herbert Roth - hier mit seiner Tochter Karin - trat häufig im Hotel auf und widmete ihm ein Lied. Noch heute heißt der Speisesaal Herbert-Roth-Saal. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Ein Mann steht vor einer Saal-Tür, über der „Herbert Roth“ steht.
Hoteldirektor Wolfgang F. Kanig vor dem Saal, der nach dem Komponisten des Rennsteigliedes genannt wurde. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Eine Frau sitzt am Tisch im Restaurant und singt ins Mikrophon. Neben ihr sitzt ein lächelndes Ehepaar.
Karin Roth singt im Ringberg-Hotel. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
Betten im Hotelzimmer.
Heute wie früher gibt es 400 Betten, die bis auf 600 aufgestockt werden können. Bildrechte: Ringberg-Hotel Suhl, Jeanette Miltsch/MDR
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Jährlich verbrachten etwa 20.000 Bauern und Werktätige der sozialistischen Landwirtschaft ihren Urlaub im Hotel, das im Volksmund liebevoll "Runkelburg" genannt wurde. "Etwa vier Jahre mussten Bauern damals auf einen Urlaubsplatz bei uns warten“, sagt Kanig.

Alles anders nach der Wende

Mit der Wende war plötzlich alles anders. Von 1990 bis 1994 stand das Hotel unter Treuhand-Verwaltung. Die Urlaubsplätze wurden nun nicht mehr vergeben. Jeder konnte jetzt Urlaub oder Tagungen im Haus buchen. Doch das Hotel entsprach dem neuen Standard nicht mehr.

1994 legte die Treuhand das Hotel in private Hände, was sich aber bald als Flop herausstellte. Zuerst "verramschten" die Verantwortlichen das Inventar. Der Verkaufserlös von Kaffeetassen, Besteck, Tischdecken bis hin zu Lampen betrug 350.000 D-Mark. Dann schlossen sie das Hotel wegen Umbauarbeiten. Allerdings zahlten sie ihre Rechnungen nicht und "bald standen sie wegen Kreditbetrugs vor Gericht", erinnert sich Kanig. Mit Unterstützung der Banken wurde 1996 die Ringberg Hotel Betriebsgesellschaft mbH gegründet. Auf diese Weise wurde das Haus vor der dauerhaften Schließung bewahrt.

Wolfgang F. Kanig selbst arbeitete in dieser Zeit für die Treuhandanstalt. "Viele FDGB-Heime habe ich im Osten auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft“, erinnert er sich. Als 2002 das Ringberg Hotel zur Versteigerung stand, unterbreitete der in Krefeld aufgewachsene Kanig den Banken das beste Angebot. Seit 2015 leitet der gelernte Koch das Haus, das inzwischen ein Vier-Sterne-Hotel ist. Auch privat hat ihn der Ringberg Glück gebracht. "Sie saß an Tisch elf “, erinnert er sich gern daran, wie er hier einst zur Spargelzeit seine Frau kennenlernte.

Unterhaltung von Haus und Grundstück teuer

"Zu DDR-Zeiten arbeiteten 370 Mitarbeiter hier“, kommt Wolfgang F. Kanig zur Geschichte des Hauses zurück, "heute sind es noch 115 Leute für Zimmer-Service, Rezeption, Technik und Verwaltung.“ Keine leichte Aufgabe, denn an dem großen Gebäude und den 60.000-Quadratmeter-Grundstück hört die Arbeit niemals auf. "Im Winter muss geräumt, im Sommer gemäht werden. Das müssen andere Hotels in diesem Ausmaß personell und finanziell nicht stemmen“, sagt der Hotel-Chef.  Doch gerade die enorme Größe der Hotelanlage ist es, die immer wieder große Gästegruppen wie Corvette- oder Valkyrie-Vereine, Minister,- Bundewehr oder Tagungsgruppen anlockt.

Froh ist er über die Auslastung von 65 Prozent im vergangenen Jahr: "130.000 Übernachtungen hatten wir 2016“, sagt er. Ausschlaggebend dabei ist auch die zentrale Lage: "Ohne die Nähe zur A71 und A73 und dem Rennsteig säßen wir wohl heute nicht hier“, ist sich Kanig sicher. Zufrieden ist der Hoteldirektor derweil nie. So macht der Fachkräftemangel im Suhler Wald nicht halt. Auch die Frage, wer nach ihm das Ringberg Hotel übernimmt, treibt den 62-Jährigen um. Eins ist jedoch sicher wie der Kloß im "Herbert-Roth-Saal“: In zwei Jahren wird gefeiert! Und zwar das 40-jährige Bestehen des Ringberg Hotels.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN | Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | ab 5.00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2017, 14:48 Uhr

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1 Kommentar

11.07.2017 20:51 Ein Sachsen-Anhalter 1

Als gelernter DDR- Bürger erfahre ich heute und hier erstmalig, dass es in Hotel gab, was für Bauern als Urlaubsdomizil gedacht war. Wer ohne ideologische Verblendung herangeht, weiß, dass ein Bauer nie Urlaub hatte, jedenfalls bis in die fünfiger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Deshalb war das Ringhotel trotz aller Anlaufschwierigkeiten aus meiner heutigen Sicht eine sehr gute Sache. Punkt. Dass es dieses Hotel mit 600 Betten heute noch gibt, gleicht einem Wunder. Endlich mal ein positives Zeichen für Suhl und ganz Thüringen!