Beschuldigter auf freiem Fuß "Saat des Bösen"-Prozess: Revision verzögert sich weiter

Aufgrund einer Justizpanne kann der Revisionsprozess gegen die Knastgang "Saat des Bösen" in diesem Jahr nicht mehr beginnen. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN hat das Landgericht Erfurt den für Dienstag intern angedachten Prozessauftakt auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein Sprecher des Landgerichts sagte, andere Fälle hätten nun Vorrang. Grund ist, dass zwei der Bosse von "Saat des Bösen" aus der Untersuchungshaft entlassen werden mussten. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen hat einer Thüringen inzwischen in Richtung Berlin verlassen. Er und neun andere Männer waren Ende 2014 in einem Mammutverfahren vor dem Landgericht Erfurt zum Teil zu mehrjährigen Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Diese Urteile wurden jedoch aufgehoben.

Beschuldigte auf freiem Fuß

Mutmaßliche Mitglieder der Südthüringer Straßengang Saat des Bösen vorm Landgericht Meiningen
Mutmaßliches Bandenmitglied vor Gericht Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Prozessbeteiligten warten seit mehr als zwei Jahren auf eine Neuauflage des Prozesses. Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren bereits Anfang 2015 vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Revision gegangen. Erst knapp zwei Jahre später hatte der BGH entschieden, dass das Verfahren in Erfurt neu aufgerollt werden muss. Eine Justizpanne hatte dann zu weiterer Verzögerung geführt: Der BGH hatte die Akten versehentlich an das Landeskriminalamt statt an das Landgericht Erfurt geschickt. 

Aufgrund dieser langwierigen Bearbeitung hatte das Thüringer Oberlandesgericht in der Zwischenzeit die beiden hauptangeklagten Gangbosse aus der Untersuchungshaft entlassen. Beide waren im Frühjahr 2017 aus der Haft frei gekommen. Einer von ihnen sitzt inzwischen wegen einer neuen Verurteilung wieder im Gefängnis.

Kriminelle Knast-Bande

Bei der "Saat des Bösen" handelt es sich Ermittlungen des Thüringer Landeskriminalamtes zufolge um eine hochkriminelle Bande. Sie wurden zwischen 2006 und 2009 in der Jugendstrafanstalt Ichtershausen gegründet. Ihre Mitglieder haben teilweise schwerste Straftaten wie schwere Körperverletzung, Erpressung und Raub begangen. Erst Ende Februar dieses Jahres hatte die Polizei in Suhl wieder Gangmitglieder festgenommen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - das Radio | Fazit | 16.07.2017 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2017, 18:15 Uhr

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6 Kommentare

17.07.2017 12:25 Pfingstrose 6

Mit diesen Mitgliedern Saaat des Bösen sollte man kurzem Prozess machen und nicht lange fackeln. Jetzt sind diese Verbrecher auf freien Fuss. Eine Justizpanne hatte dann zu weiterer Verzögerung geführt: Der BGH hatte die Akten versehentlich an das Landeskriminalamt statt an das Landgericht Erfurt geschickt. Aufgrund dieser langwierigen Bearbeitung hatte das Thüringer Oberlandesgericht in der Zwischenzeit die beiden hauptangeklagten Gangbosse aus der Untersuchungshaft entlassen. Man kann nur sagen Hut ab. Diese Gerichtsdieser versagen auf der ganzen Linie. In der Zwischenzeit tauchen diese verbrecher unter. Dann heißt es aus die Maus. Was ist nur mit der justiz in Deutschland los. Die Schieflage ist nicht aufhaltbar. Und der Steuerzahler wird immer mehr geschröpft durch die Unfähigkeit und Schlampigkeit einiger Gerichtsdiener und Beamten. Aber diese gerichtsdiener und Beamten fallen seltsamer Weise immer auf die Schokoladenseite. Das ist Deutschland!!

16.07.2017 23:40 HERBERT WALLASCH, Pirna 5

Staatliche Stellen, oder besser deren Vertreter rekrutieren immer Informanten, wem soll da was verwundern?

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