Nach der Insolvenz : Schlecker-Betriebsräte fordern Umdenken
Die Gewerkschaft ver.di und mehr als 50 Betriebsräte der insolventen Drogeriekette Schlecker haben die Politik zum Umdenken aufgefordert. Ver.di-Landeschef Thomas Voß forderte die Politiker in Dresden dazu auf, sich ihrer Verantwortung stellen. Sie dürften die Schlecker-Mitarbeiterinnen nicht im Stich lassen. Denkbar seien Transfergesellschaften oder ein Sonderfonds bei der Agentur für Arbeit.
"Was wird aus uns?"
Zuvor hatten die Betriebsräte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ihr weiteres Vorgehen abgestimmt. Nach der Krisensitzung im Gewerkschaftshaus zogen sie durch Dresden. Auf Transparenten fragten sie unter anderem: "Was wird aus uns?"
Angesichts der derzeit geringen Aussichten zumindest auf dem sächsischen Arbeitsmarkt eine berechtigte Frage aus Sicht der Gewerkschaft. So verwies der ver.di-Chef Sachsen-Anhalts, Jörg Lauenroth-Mago, darauf, dass nur etwa zehn Prozent der schon vor acht Wochen gekündigten Frauen bisher einen neuen Job oder eine qualifizierende Maßnahme gefunden hätten: "Das gleiche Desaster befürchten wir auch jetzt." Allein in Sachsen gebe es derzeit beispielsweise 31 Bewerbungen auf eine freie Stelle. Noch in diesem Monat werden nach der Pleite der Drogeriemarktkette rund 1.500 Frauen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in die Arbeitslosigkeit geschickt.
Von der Leyen: Umschulung bei ALG I
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und der Chef der Bundesarbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise, kündigte für die gekündigten Schlecker-Mitarbeiter Umschulungen in "Mangelberufe" wie Erzieher und Altenpfleger an. Während in strukturschwachen Regionen kaum Bedarf im Handel bestehe, sei er bei Erziehern oder in der Altenpflege groß.
Von der Leyen sagte, "hier müssen wir passgenau qualifizieren. Ich will den Frauen Mut zusprechen, einen Neuanfang zu wagen." Während der Umschulung sollen die früheren Schlecker-Beschäftigten Arbeitslosengeld I erhalten.
25.000 Schlecker-Mitarbeiter auf Arbeitssuche
Von der Leyen zufolge müssen nach der Schlecker-Pleite rund 25.000 Beschäftigte eine neue Arbeit suchen. Von der ersten Entlassungswelle hätten weniger als 2.500 eine vollwertige Arbeit gefunden.
Ver.di-Chef Franks Bsirske verwies darauf, dass es im Einzelhandel zwar 25.000 offene Stellen, aber auch rund 360.000 Arbeitssuchende gebe. Von den Schlecker-Frauen seien viele nach der ersten Kündigungswelle in unbezahlte Praktika oder in Urlaubsvertretungen vermittelt worden.
