Holzschnitt - Predigt Thomas Müntzers, Holzschnitt aus Johann Lichtenbergers Weissagungen, Wittenberg 1527
Predigt Thomas Müntzers, Holzschnitt, Wittenberg 1527 Bildrechte: Mühlhäuser Museen

Bauernkriegsmuseum Mühlhausen "Luthers ungeliebte Brüder"

Alternative Reformationsideen in Thüringen

Die Ausstellung im Bauernkriegsmuseum Mühlhausen rückt Mitstreiter Martin Luthers ins Licht, die bisher weitgehend im Schatten des Reformators standen. Wegen ihrer oft weitergehenden Kritik an Kirche und Gesellschaft waren sie zunehmend in Widerspruch zu Luther geraten und wurden schließlich heftig von ihm bekämpft.

Holzschnitt - Predigt Thomas Müntzers, Holzschnitt aus Johann Lichtenbergers Weissagungen, Wittenberg 1527
Predigt Thomas Müntzers, Holzschnitt, Wittenberg 1527 Bildrechte: Mühlhäuser Museen

Erinnerung an fast vergessene Reformatoren

Die Ausstellung präsentiert frühe Mitstreiter Martin Luthers, die vor allem in Thüringen wirkten. Zu ihnen zählt Luthers Doktorvater Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, der von Orlamünde aus gegen die Heiligenbilder in den Kirchen und Klöstern predigte, was mancherorts zum Bildersturm führte, aber auch der Eisenacher Reformator Jakob Strauß, der mit einigem Erfolg Zins und Wucher bekämpfte. Gezeigt werden die Gebeine des wegen seines Glaubens jahrelang auf der Wartburg eingesperrten Täufers Fritz Erbe, die 2006 in Eisenach gefunden wurden und nun in einer nachgestellten Grabungsszene dessen außergewöhnliche Bestattung demonstrieren.

Widerstand mit göttlichem Recht

Detail aus dem Diorama
Das Diorama von Erwin Ortmann in der Ausstellung erinnert an den Überfall aufständischer Bauern auf das Kloster Volkenroda am 27. April 1525. Bildrechte: Foto: Sarah Lösel

Natürlich wird in der Ausstellung auch auf das Wirken von Thomas Müntzer verwiesen. Der führte in Allstedt 1523, also schon vor Martin Luther, den Gottesdienst in deutscher Sprache ein. Anders als der Wittenberger stellte er sich nicht auf die Seite der Herrschenden, sondern der unzufriedenen Bauern und städtischen Mittelschichten.

Im Februar 1525 zum Pfarrer der Mühlhäuser Marienkirche gewählt, leitete er mit Heinrich Pfeiffer die innerstädtischen Aufstände und versuchte, seine Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit umzusetzen. Das aus der Bibel hergeleitete göttliche Recht lieferte die Legitimation für den Widerstand gegen die Obrigkeit. Nach der Niederlage der aufständischen Bauern bei Frankenhausen wurde Müntzer gefangen genommen, in der Festung Heldrungen gefoltert und am 27. Mai 1525 vor den Toren Mühlhausens öffentlich enthauptet.

Müntzer - erstes Opfer lutherischer Propaganda

Bauernkrieg 1525, Titelblatt zu der
Bewaffnete Bauern, Druck von 1525 Bildrechte: dpa

Luther ging publizistisch massiv gegen die sogenannten "Schwärmer" vor. Bereits 1524 hatte er sich in einem Brief an den Rat und die Gemeinde zu Mühlhausen gewandt, um vor dem "falschen Geist und Propheten" Thomas Müntzer zu warnen. Nach Ostern 1525 verurteilte er in seinem Traktat "Wider die Mordischen und Reubischen Rotten der Bawren" die Aufständischen und ihr "eyttel teuffels werck" aufs Schärfste. Müntzer bezeichnete er darin als "ertzteuffel, der zu Mölhusen regirt". Luther ermutigte nun auch die Fürsten, schonungslos gegen die aufrührerischen Bauern vorzugehen.

Auch in seinen berühmten Tischreden, die ab 1531 aufgezeichnet wurden, wetterte er gegen die "falschen Brüder".

Tyrannen sind böse, Häretiker sind schlechter, am schlimmsten aber sind die falschen Brüder. Denn sie sündigen nicht aus Irrtum, sondern gewissermaßen in verstockter Bosheit des Herzens, was gegen den Heiligen Geist sündigen heißt.

Martin Luther "Die Tischreden – Von den Sektierern und Schwärmern"

Thomas Müntzer dürfe als ein erstes Opfer lutherischer Propaganda gelten, meint der Direktor der Mühlhäuser Museen Thomas T. Müller. Es sei an der Zeit, in der laufenden Reformationsdekade auch an die häufig vergessenen Reformatoren zu erinnern.

Kornmarktkirche in Mühlhausen
Die Kornmarktkirche in Mühlhausen Bildrechte: Tino Sieland

Das Deutsche Bauernkriegsmuseum hat seinen Sitz in der Mühlhäuser Kornmarktkirche. Die im 13. Jahrhundert errichtete einstige Bettelordenskirche wurde schon 1802 profaniert und dient seitdem hauptsächlich öffentlichen Zwecken. Während des Bauernkrieges von 1525 gehörte sie neben der Marienkirche zu den Hauptorten des Geschehens in der Reichsstadt Mühlhausen.

Angaben zur Ausstellung "Luthers ungeliebte Brüder –
Alternative Reformationsideen in Thüringen"

Bauernkriegsmuseum Kornmarktkirche, Mühlhausen

Kornmarkt
99974 Mühlhausen

Dauerausstellung

Über dieses Thema berichtete der MDR bei: MDR KULTUR | Radio | Kulturnachrichten | 06.01.2017 | 16:30 Uhr
MDR THÜRINGEN | Fernsehen | 25.10.2016 | 19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2016, 18:06 Uhr