Süd-Thüringen

Hintergrund : Erdfälle in Thüringen

Der plötzlich entstandene Krater in Schmalkalden ist nicht der erste sogenannte Erdfall in Thüringen. Erst im Januar hatte in Tiefenort im Wartburgkreis ein Erdrutsch ein großes Loch in den Boden gerissen. Mehrere Häuser mussten damals geräumt werden und wurden für unbewohnbar erklärt. Acht Jahre zuvor war im selben Ort der Boden kraterförmig abgesackt. Obwohl die entstandenen Löcher damals mit Beton und Kies verfüllt wurden, rutschte die Erde immer wieder nach.

Geologie: Bilder der spektakulärsten Erdfälle in Thüringen

Schmalkalden Auto hängt noch etwas in der Luft Zwei Bagger füllen in Schmalkalden Kies in ein durch einen Erdfall entstandenes Loch Zaun und Haus durch Erdrutsch in Tiefenort beschädigt

Nordhausen, Schmalkalden, Tiefenort - in den Thüringer Orten haben sich in den vergangenen Monaten Erdlöcher gebildet. Bilder der spektaklärsten Erdfälle in Thüringen sehen Sie hier. [Bilder]


Rund 20 Erdfälle pro Jahr

Nach einer früheren Einschätzung von Umweltminister Reinholz gibt es in Thüringen bis zu 20 Erdfälle pro Jahr. Die meisten ereignen sich jedoch in unbewohntem Gebiet. Als Ursache gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen sind es geologische Besonderheiten. Wenn im Boden große Mengen wasserlösliche Substanzen wie Gips oder Kalk liegen, können diese durch Niederschläge oder Grundwasser ausgespült werden. Zum anderen können die Erdfälle menschengemacht sein, wenn Bergbaustollen nachgeben. Von Erdfällen sind in Thüringen vor allem drei Regionen betroffen: die Karstlandschaft im Kyffhäuserkreis, der Schiefergebirgsrand zwischen Saalfeld und Gera und das Kali-Abbaugebiet im Westen des Landes.

Bergbau als Ursache in Tiefenort ausgeschlossen

Im Fall von Tiefenort erklärte das Umweltministerium, der Erdfall sei nicht auf den Bergbau zurückzuführen. Minister Reinholz sagte unter Berufung auf Expertengutachten, die Erde habe nachgegeben, weil Salze im Boden ausgespült worden seien. Dem widersprach damals die Linken-Fraktion. Einige Indizien würden darauf hinweisen, dass der frühere Bergbau der Grund für das Unglück sein könnte. In der Gegend war jahrzehntelang Kalibergbau betrieben worden. Tiefenort liegt nur wenige Kilometer von Völkershausen entfern, dass 1989 durch einen Gebirgsschlag schwere Schäden davontrug.

Schadensersatz oder nicht?

Die Frage, ob ein Erdfall natürlichen Ursprungs ist oder durch den Bergbau verursacht wurde, ist auch wichtig für die Entschädigung. Lässt sich der Erdrutsch auf den Bergbau zurückführen, kann der Unternehmer und der Inhaber der Bergbauberechtigung zur Wiedergutmachung herangezogen werden. Bei einer natürlichen Ursache fällt der Erdrutsch unter die Elementarschäden, die häufig von Versicherungen nicht ausgeglichen werden. Im Zusammenhang mit Tiefenort war häufig vom Thüringer Hohlraumgesetz die Rede. Dieses berücksichtigt größere natürliche Hohlräume sowie alte Stollen, für die kein Unternehmer oder Bergbauberechtigter mehr auszumachen ist. Es legt fest, wer für diese verantwortlich ist. Problematisch ist, dass nicht jeder Hohlraum bekannt ist. Im Fall von Tiefenort hat das Land eine Soforthilfe von 10.000 Euro für jede betroffene Familie gezahlt, einen Schadensersatz aber abgelehnt.

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2010, 15:50 Uhr

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