Verkohlte Wände im Inneren der Werkstatträume.
Die verkohlte Werkstatt nach dem Brand Bildrechte: Starcraft e. V.

TU Ilmenau Studenten hoffen nach Rennwagen-Brand auf Hilfe

Nach dem Brand in einer Werkstatt des Ilmenauer "Team Starcraft" haben die Studenten eine Spendenaktion gestartet. Bei dem Feuer war ein Rennwagen komplett abgebrannt, ein zweiter wurde so beschädigt, dass das Rennen der Formula Student Germany auf dem Hockenheimring für die Ilmenauer ins Wasser fällt. Nachdem der Brand eine viertel Million Euro Schaden angerichtet hat, legen sie ihre ganze Kraft in einen Neustart für das nächste Jahr.

Verkohlte Wände im Inneren der Werkstatträume.
Die verkohlte Werkstatt nach dem Brand Bildrechte: Starcraft e. V.

Für die Studenten des "Team Starcraft" der Technischen Universität Ilmenau lief eigentlich alles nach Plan: Sie sollten eines von 115 Teams aus 24 Ländern sein, die bei der Formula Student Germany mit einem selbst gebauten Rennwagen an den Start gehen sollten. Mehr als 100 studentische Teams hoffen noch auf einen Startplatz für den internationalen Konstruktionswettbewerb, der in vier Wochen in Hockenheim stattfinden soll. Doch für die Ilmenauer Studenten ist ihr Traum vom Rennen am Wochenende in Flammen aufgegangen: Der Rennbolide ist aufgrund eines technischen Defekts komplett abgebrannt. In der Werkstatt in Langewiesen hatte sich ein Lithium-Ionen-Akku entzündet.

Studenten starten Spendenaktion

Nach dem Brand in der Werkstatt hofft das "Team Starcraft" nun auf Hilfe: Der Verein hat eine Spendenaktion gestartet, mit deren Hilfe die Werkstatt renoviert und die geretteten Rennwagen wieder instand gesetzt werden sollen. Der Schaden, den das Feuer angerichtet hat, soll bei 250.000 Euro liegen. Die Summe beziehe sich nur auf das Material.

Der Aufruf auf dem sozialen Netzwerk Facebook hat bisher rund 35.000 Menschen erreicht, sagte Hanna Hohmuth, die organisatorische Leiterin des Teams. Auf den Post habe es viel Zuspruch und aufmunternde Worte gegeben. Die hätten das Team sehr bewegt: "Viele andere Teams haben sich direkt bei uns gemeldet und auch ihre Unterstützung angeboten“, so Hohmuth.

Den Studenten gehe es jetzt vor allem darum, die Zukunft ihres Vereins zu sichern. Denn der Lohn für die durchgemachten Nächte und den Verzicht auf Urlaub - also Ranglistenpunkte oder vielleicht sogar ein Podestplatz bleiben in diesem Jahr unweigerlich aus. Das Team finanziert sich, die Boliden und die Fahrten zu den Rennen ausschließlich durch Sponsoren und Spenden.

Gleich zwei Rennwagen beschädigt

Die verbrannten Reste des Rennwagens TSC-4E.
Die Reste des verbrannten Rennwagens "TSC-4E" Bildrechte: Starcraft e. V.

Bei dem Feuer ist der aktuelle Rennbolide der Ilmenauer bei dem Feuer abgebrannt - eines von zwei Rennfahrzeugen. Den neuen Rennwagen hatten sie erst am 31. Mai vorgestellt. Die Arbeit von einem ganzen Jahr ist in wenigen Sekunden in Flammen aufgegangen, sagt Hanna Hohmuth. Da auch der zweite Rennwagen bei dem Feuer beschädigt wurde, fällt die Teilnahme an den Rennen für die Studenten komplett aus.

Ursprünglich wollten die Ilmenauer in zwei Kategorien antreten: Dafür hatten sie erstmals einen Elektrorennwagen für die Klasse "Autonomes Fahren" entwickelt, die dieses Jahr Premiere auf der Formula Student. Nur 15 von weltweit 600 Teams haben so einen Rennwagen entwickelt, sagt Hanna Hohmuth.

Brand TU Ilmenau: Akku löst Feuer in Werkstatt aus

In einer Werkstatt der TU Ilmenau hat es in der Nacht zu Sonntag gebrannt. Schuld daran ist offenbar ein technischer Defekt. Ein Akku ging dabei in Flammen auf.

Ein Feuerwehrmann steht bis zu Knien in Löschschaum. Er ist mit einer Taschenlampe in einem Flur unterwegs. Im Hintergrund sind weitere Taschenlampenkegel zu erkennen. Es ist sehr dunkel.
Bei einem Brand in einer Werkstatt der Technischen Universität Ilmenau ist in der Nacht zu Sonntag ein hoher Sachschaden entstanden. Bildrechte: MDR/Feuerwehr Langewiesen
Ein Feuerwehrmann steht bis zu Knien in Löschschaum. Er ist mit einer Taschenlampe in einem Flur unterwegs. Im Hintergrund sind weitere Taschenlampenkegel zu erkennen. Es ist sehr dunkel.
Bei einem Brand in einer Werkstatt der Technischen Universität Ilmenau ist in der Nacht zu Sonntag ein hoher Sachschaden entstanden. Bildrechte: MDR/Feuerwehr Langewiesen
Ein ausgebranntes Gefährt steht in einem Raum. Überall sind Ruß und Asche zu sehen. Im Hintergrund ist ein geschmolzener Getränkekasten zu sehen.
Kurz nach Mitternacht hatte sich ein Lithium-Ionen-Akku entzündet und offenbar das Feuer verursacht. Bildrechte: MDR/Feuerwehr Langewiesen
Blick in einen ausgebrannten Raum. Alles ist mit Ruß bedeckt.
Brandursache war demnach offenbar ein technischer Defekt. Bildrechte: MDR/Feuerwehr Langewiesen
Ein kleines grünes Renngefährt parkt vor einem roten Auto.
In dem betroffenen Gebäude in Langewiesen tüfteln Forscher des Vereins "Team Starcraft" an einem elektrischen Rennwagen. Bildrechte: MDR/Feuerwehr Langewiesen
Vor einem Hauseingang steht eine Gruppe von Menschen. Aus einer geöffneten Tür quillt Löschschaum.
Zur Schadenshöhe gibt es unterschiedliche Angaben. Die Polizei spricht von 150.000 Euro, der Verein beziffert den Schaden auf rund 250.000 Euro. Bildrechte: MDR/Feuerwehr Langewiesen
Alle (5) Bilder anzeigen

Studenten tüftelten auf Hochtouren an Rennwagen

Im Verein Starcraft arbeiten etwa 70 Studenten aus elf Fachrichtungen zusammen. Seit September vergangenen Jahres haben sie ihren neuen Rennwagen geplant, entwickelt und konstruiert. Etwa 15 Studenten hätten in den letzten zehn Wochen fast Tag und Nacht am Auto gebaut, damit es in Hockenheim rollt. Arbeitsstunden zähle hier keiner, sagte Johannes Haupt, technischer Leiter von Starcraft. Wer im Team mitarbeite, studiere nicht selten ein, zwei Semester länger. Doch entmutigt seien die Studenten nach dem Brand keinesfalls. Ganz im Gegenteil: Alle sind motiviert, nächstes Jahr wieder an den Formula Student-Events teilzunehmen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10.07.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2017, 20:56 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

7 Kommentare

12.07.2017 18:53 Rummsmurmel 7

Stimme Simon absolut zu. Wir leben in einem hochtechnisierten Land mit chronischem Ingenieurmangel. Wir hängen zu einem großen Teil am Erfolg unserer Automobil-Industrie. Und wenn Nachwuchs-Ingenieure beim Ausprobieren einer zukunftsträchtigen Auto-Technologie einen Rückschlag erleiden, leisten sie Terroristen Vorschub? Diese Einstellung ist ja echt ein "Kracher": Dann hätte ja noch nicht mal das Rad erfunden werden dürfen!

11.07.2017 13:56 Simon 6

Da haben ein paar meiner Vorredner nicht nachgedacht, bevor sie schreiben. Es geht weder darum, einen "Boliden" zu bauen, noch um Gelder in angeblich unsinnige Forschungsprojekte zu stecken. Es soll m.E. nach ein interdisziplinäres Projekt auf die Beine gestellt werden, in dem die Studenten aus verschiedensten Bereichen wie Konstruktion, Elektrotechnik, Strömungsmechanik ... , aber auch Wirtschaftswesen, Medien etc Erfahrungen sammeln können, die für sie später vielleicht von Vorteil sind. Und dafür darf meiner Ansicht nach gerne gespendet werden.

Mehr aus Thüringen