Nach ARD-Bericht Kliniken weisen Vorwurf mangelnder Hygiene zurück

Nach einem Fernsehbericht haben betroffene Kliniken, Landeskrankenhausgesellschaft und Gesundheitsministerium den Vorwurf mangelnder Hygiene zurückgewiesen. Sie bezogen sich auf das ARD-Wirtschaftsmagazins "Plusminus", das am Mittwoch im Ersten ausgestrahlt wurde. Journalisten der ARD und des Rechercheverbunds "Correctiv" hatten dafür eine Studie von 2014 ausgewertet: Damals verfügten gut 25 Prozent der rund 2.000 Kliniken bundesweit nicht über die vorgeschriebene Zahl an Hygienepersonal. Im Vergleich der Bundesländer lag Thüringen demnach auf dem vorletzten Platz, da 42 Prozent aller Kliniken zu wenige Mitarbeiter für die Hygiene hätten.

Die Landeskrankenhausgesellschaft Thüringen verwies darauf, dass die ausgewerteten Zahlen überholt seien. Geschäftsführer Rainer Poniewaß sagte MDR THÜRINGEN, die personelle Ausstattung sei heute eine andere. Zudem würden Krankenhäuser mangelhaft bewertet, weil sie 2014 im Qualitätsbericht nicht gemeldet hätten, ob sie einen Hygienebeauftragten in der Pflege haben. Die von "Plusminus" gemeldeten Zahlen von unbesetzten Stellen 2014 würden somit keineswegs die Realität im Jahr 2017 abbilden, sagte Poniewaß. Damit werde die Bevölkerung unnötig verunsichert.

Zu wenig Fachleute auf dem Arbeitsmarkt

Das Thüringer Gesundheitsministerium erklärte, in der Untersuchung werde das Fehlen von Hygienepersonal mit einem Mangel an Hygiene gleichgesetzt. Das sei aus seiner Sicht unzulässig. Richtig sei, dass Krankenhäuser mit mehr als 400 Betten über spezielles Fachpersonal verfügen sollten. Es gebe jedoch Engpässe, weil nicht ausreichend Fachleute auf dem Arbeitsmarkt verfügbar seien. Die Einhaltung von Hygienevorschriften werde regelmäßig von den Gesundheitsämtern überprüft - 2015 habe es 258 Kontrollen gegeben.

Eine Sprecherin des Elisabeth-Krankenhauses in Schmalkalden sagte MDR THÜRINGEN, ihr Haus müsse laut Gesetz die halbe Stelle eines Krankenhaushygienikers vorhalten - das tue es seit 1996. Außerdem verfüge das Klinikum über eine Hygienefachkraft, eine hygienebeauftragte Ärztin, zehn hygienebeauftragte Schwestern und einen beratenden Krankenhaushygieniker. Im Übrigen beziehe sich das Wirtschaftsmagazin auf Zahlen aus dem Jahr 2014. Aber auch damals habe die Schmalkalder Klinik die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts erfüllt. Möglicherweise seien die Angaben nicht vollständig übermittelt worden.

behandschuhte Hände
Hygiene-Fachkräfte schulen unter anderem die Mitarbeiter eines Krankenhauses. Bildrechte: colourbox.com

Auch von den Helios Fachkliniken Hildburghausen hieß es, alle geltenden Hygienevorschriften würden erfüllt. Hygienepersonal werde ebenfalls ausreichend vorgehalten. Das teilte eine Sprecherin der Fachklinik für Neurologie und Psychiatrie auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mit. Obwohl hygienebeauftragte Pflegekräfte in Thüringen nicht vorgeschrieben seien, habe das Haus im Februar 2016 acht examinierte Pflegekräfte für diese Funktion qualifiziert und im Anschluss mit entsprechenden Aufgaben in ihren Fachbereichen betraut. Die Hildburghäuser Klinik werde wie in der Vergangenheit unter der Leitung einer erfahrenen Krankenhaushygienikerin auch künftig allen entsprechenden Vorschriften gerecht werden. Das ARD-Wirtschaftsmagazin hatte beiden Kliniken bei der Krankenhaus-Hygiene Nachholbedarf attestiert. Dagegen hätten das SRH Zentralklinikum Suhl, das Helios Klinikum und das Georgenhaus Meiningen sowie die zu Regiomed gehörenden Krankenhäuser in Hildburghausen und Sonneberg ausreichend Hygiene-Personal eingestellt.

Hygiene-Experten sollen in den Kliniken die Ansteckung mit multiresistenten Keimen vermeiden helfen. Sie schulen darüber hinaus die Mitarbeiter und überwachen die richtige Desinfektion - zum Beispiel von Patientenbetten. Sie sollen außerdem Infektionsstatistiken führen.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 11.01.2017 | 18 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11.01.2017 | 19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2017, 07:50 Uhr

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5 Kommentare

12.01.2017 19:56 Neukirchner 5

Es ist vollkommend richtig Kommentar 4 , da ich 7x mit meinem Angehörigen im Krankenhaus war kann ich ein Lied davon singen, es werden sich zum teil keine Hände desinfiziert, es kommen Angehörige mit kleinen
Kindern, es kommen zu jeder Zeit die Besucher wie sie wollen, das gab es noch nie. Es ist eine große Katastrophe, in den Krankenhäuser ich muß auch nicht 4 std. und mehr als Besucher sich bei einem kranken Menschen aufhalten, es ist keinerleie Ordung mehr. Dies muß ich dazu schreiben gab es zu DDR-Zeiten nicht.Wenn die Krankenh. wissen das sie Probleme haben mit der Hygiene / Keime müssen diese was ändern, aber naja vieleicht ist es so gewollt, es müssen im Jahr eben so zuviele sterben. Na dann vielen Dank dafür.

12.01.2017 19:29 BH60 4

Die Krankenhäuser sind meiner Meinung Bahnhofshallen geworden. Wieviele Menschen täglich von früh bis Abends ein und ausgehen, dies ist unbeschreiblich. Am schlimmsten ist es noch, wenn ambulante Sprechstunden in diesen Gebäuden durchgeführt werden. Wie soll da Hygiene funktionieren?