Thüringer Wald Wolf reißt offenbar 100-Kilo-Hirsch

Erstmals hat offenbar ein Wolf bei Oberhof im Thüringer Wald einen Hirsch getötet. Ein circa dreijähriger Rothirsch mit rund 100 Kilogramm Lebendgewicht wurde im Schneekopf-Revier mit zwei Kehlbissen "geschlagen". Wie Horst Sproßmann vom ThüringenForst MDR THÜRINGEN sagte, verweisen Bissspuren und Fährten vor Ort auf das Raubtier.

Fotofalle ohne Ergebnis

Ein von Maden überzogener Kadaver eines Hirsches.
Viel ist nicht übrig geblieben vom Hirsch Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Kadaver wurde nach Abnahme des Fells wieder ausgelegt. Doch der Versuch des zuständigen Revierleiters, mit nachträglich aufgestellten Fotofallen den Verursacher zu dokumentieren, blieb erfolglos. Der Wolf kehrte nicht zu seiner Beute zurück. Daher könne auch nicht geklärt werden, ob die bereits nachgewiesene Ohrdrufer Wölfin ein neues Gebiet erkundet hat oder ob ein anderer Wolf durchgezogen sei, sagte Sproßmann.

Landesanstalt ist skeptisch

Die für das Wolfs-Monitoring verantwortliche Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie ist hingegen skeptisch und will Hunde einer größeren Rasse als Rissverursacher nicht ausschließen. Der zuständige Mitarbeiter Uwe Müller erklärte nach der Sichtung von Fotos am Donnerstag, vom Kadaver fehle zu wenig Fleisch, ein Wolf hätte nach erfolgreicher Jagd mehr zu sich genommen. Zudem sei der Biss nicht an der richtigen Stelle und etwas zu klein. Auch ein Foto von einzelnen Pfotenabdrücken auf dem Boden seien kein sicherer Beweis. Bereits zuvor hatte er erklärt, er bezweifle, dass ein einzelner Wolf einen erwachsenen Rothirsch töten könne.

DNA-Nachweis aus Kostengründen abgelehnt

Eine große, graue Wölfin trabt mit gesenktem Kopf durch ein Waldstück.
War sie es? Thüringens erste Wölfin - fotografiert in einem Waldstück bei Bittstädt nahe Ohrdruf. Bildrechte: NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf/S. Böttner

DNA-Spuren für einen eindeutigen Herkunftsnachweis wurden nicht gesichert. Sproßmann sagte, die TLUG habe eine Beprobung abgelehnt, unter anderem mit Hinweis auf die Unkosten und die Tatsache, dass kein Nutztier betroffen sei. Dem widersprach TLUG-Mitarbeiter Müller. Er sagte MDR THÜRINGEN, er habe den ThüringenForst aufgefordert, Fotos der Bissspuren zuzusenden, um dann das weitere Vorgehen abzustimmen. Das sei aber zunächst nicht geschehen. Erst am Donnerstag habe der Forst entsprechende Fotos geliefert.

Jäger sollen zu Riss-Gutachtern fortgebildet werden

Um künftig besser zusammenzuarbeiten, bereiten Umweltministerium und ThüringenForst eine neue Vereinbarung vor. So sollen vier Berufsjäger vom Landesforst zu Riss-Gutachtern fortgebildet und ihre teilweise vorhandene Vorkenntnisse ausgebaut werden. Die TLUG soll die Fortbildung tragen, ebenso die Kosten für die Untersuchung von DNA Proben. Das Geld dafür ist nach Angaben des Umweltministeriums ausreichend vorhanden, weil die Bestände der Thüringer Schäfer bisher weitgehend verschont und die gezahlten Entschädigungen für Wolfsrisse deutlich unter den eingeplanten Summen geblieben sind.

Keine Gefahr für Waldbesucher

Der jetzige mutmaßliche Wolfsriss fand in einem touristisch intensiv genutzten Gebiet statt. ThüringenForst sieht aber keinen Grund zur Sorge. Auf die Frage, ob für Spaziergänger und Wanderer Gefahr besteht, sagte Sproßmann: "Es gibt keinen Grund, in Gebieten auf Waldspaziergänge zu verzichten, in denen ein einzelner gesunder Wolf vermutet wird".

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2016, 05:00 Uhr

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27 Kommentare

13.08.2016 15:52 Doreen Hertel 27

Also mal ehrlich! Sobald das Wild sich vermehrt, wird Jagd gemacht und sich an den Trophäen ergözt, wenn ein Wolf ein Reh oder Hirsch jagd um zu Fressen wird von einem Tatort gesprochen!?! Sind wir Menschen nicht das Grösste Übel auf der Erde? Leider so vermuten wir, wird der Wölfin der Gar ausgemacht werden, weil DAS passt nicht in unsere sortierte Welt! Anstatt sich zu freuen das so ein Wunder wieder in den Wäldern lebt, werden den Leuten wieder Horrorgeschichten vom bösen Wolf erzählt! Es werden tägliche tausende Tiere im Schlachthof auf so schändliche Weise geschlachtet, um das Regale 22.00 noch mit Fleisch voll sind! Das nenne ich Tatort, über das die Menschen nachdenken sollten!!! Hier hat nur die Natur ihren Lauf freie Hand gelassen, nicht mehr und nicht weniger!!!

12.08.2016 14:32 @BesterOssi 25 26

@Was das Niveau Ihrer Absonderungen angeht, können Sie sich offensichtlich die Hand reichen. Glauben Sie etwa, die Situation auf dem Waldweg wäre 10.00 Uhr vormittags anders gewesen? Ihr Vorschlag, zuhause zu bleiben ist an Ignoranz und Dummheit nur schwer zu überbieten. Und bezüglich Ihrer Freundin Silke, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, daß es durchaus unterschiedliche Aufassungen zur Rückkehr des Wolfes gibt. Das scheint weder sie noch Sie bemerkt zu haben. Genauso wie Sie die alberne Unterstellung nicht realisiern, die Jäger wären über den "entgangenen Hirschbraten" betrübt.

12.08.2016 10:59 BesterOssi 25

@18 Sven: Dann gehen Sie doch nachts nicht gegen 23.00 Uhr einen Waldweg entlang, sondern verkriechen sich lieber ins Bettchen!
@24 anonym: Was hat den Silke unterstellt oder falschgerieben? Wer hier dumm schwätzt, sind Sie doch wohl.

12.08.2016 09:27 @Silke 23 24

Wenig intelligentes Geschwätz garniert mit Unterstelllungen und Falschdarstellungen.

12.08.2016 07:52 Silke 23

Ja wenn man schon Wölfe in freier Wildbahn möchte, dann muss man auch mit den Konsequenzen leben. Wovon soll ein Wolf leben? Wenn gerade ein Hirsch zu haben ist, ist es eben ein Hirsch. Schade für die Jäger, die keinen Hirschbraten verspeisen können. Oder wer regt sich hier auf? Will man nun den Wolf in Thüringen oder nicht?

11.08.2016 18:04 Hegemon 22

@RexT #1: Man sollte seine Ahnungslosigkeit nicht derart öffentlich zelebrieren.

Wenn der Nabu behauptet "Rotkäppchen lügt!", dann ist das nichts weiter als eine Zwecklüge des Nabu. Der erste Band von Grimms Hausmärchen erschien 1812. Noch 1810/11 töteten Wölfe im Raum Viersen/Roermond 12 Kinder. Namen und Todesumstände sind minutiös überliefert. Desweiteren: Kreis Wongrowitz (Posen) 1814/15: 28 tote Kinder und 1820 16 tote Kinder und 3 tote Erwachsene... In Frankreich hat man inzwischen 10.000 solcher Fälle aufgelistet. Sowohl auf Tollwut basierend als auch Beuterisse.

Der Wolf ist sicher nicht per se eine reißende Bestie. Es gibt aber auch keinerlei Grund, ihn zu verharmlosen.

11.08.2016 16:35 JoMü 21

Mit Frau Ley erreicht P.Wohlleben seine Zielgruppe ! Junge städter die von der Natur leider entwöhnt sind, keine Ahnung haben und solchen Sektierern nur zu gerne zuhören.
Bäume die um hilfe schreien, Pflanzen die sich gegenseitig warnen, Tannenkinder die miteinander spielen.
Und dann der böse Jäger, Holzfäller, Wildzüchter im Wald !
Er hat mit gutem Marketing und der Wissenslosigkeit der Menschheit eine Glaubensrichtung geschaffen.

11.08.2016 16:28 Till Ulenspegel 20

Wolfsflüsterer schrieb. "Aber wer ein Stück Rotwild mit einem Reh verwechselt... "

Das ist auf den Balkonen unserer Republik gang und gäbe. Disneys Bambi gehört schließlich nach wie vor zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten und hat ganze Generationen von Stadtkindern geprägt.

11.08.2016 16:02 @Carola #10 19

No, stimmt nicht. In den Plattenbauten von Magdeburg wird viel pro Wolf "geredet."

11.08.2016 15:26 Sven 18

@ REXt. wenn Sie mal nachts gegen 23:00 Uhr auf einem Waldweg zwei unerfahrenen Jungwölfen gegenüberstehen, die Ihnen auf 50m Entfernung langsam entgegenkommen, da der Wind im Rück steht und Sie nicht wittern können, wenn die beiden Jungwölfe auf 15m Entfernung stehen bleiben und Sie angeknurrt werden, dann werden auch Sie Angst verspüren! Ich hatte Angst!