Geschreddertes Papier als Faschingskonfetti verwendet.
Das "Konfetti" aus Dermbach Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Datenschutz Patientenakten als Faschingskonfetti

In Dermbach im Wartburgkreis wurden während der närrischen Tage Patientenakten als Konfetti verwendet. Patientennummern und Diagnosen waren auf den Papierstreifen zu lesen. Die geschredderten Akten stammen womöglich aus einem medizinischen Versorgungszentrum in Kaltennordheim. Nach MDR THÜRINGEN-Informationen sind unter den Schnipseln auch Dienstpläne des Ärztlichen Notdienstes. Der Datenschutzbeauftragte ermittelt.

Geschreddertes Papier als Faschingskonfetti verwendet.
Das "Konfetti" aus Dermbach Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Im Rhönort Dermbach im Wartburgkreis sind im Karneval geschredderte Patientenakten als Konfetti benutzt worden. Das Papier war nur grob zerkleinert, so dass auch Namen und Patientennummern und sogar Diagnosen zu lesen gewesen seien. Auch zerkleinerte Dienstpläne von Ärzten und sogar Röntgenbilder waren geworfen worden. Auf den Bildern der Papierreste, die eine MDR THÜRINGEN-Reporterin vor Ort machen konnte, sind Namen und Telefonnummern erkennbar, die sämtlich zu Ärzten aus Bad Salzungen oder der Umgebung gehören. Hierbei handelt es sich eindeutig um entsorgte Notdienst-Einsatzpläne des Kassenärztlichen Notdienstes, jedoch nicht um Krankenakten.

Datenschützer ermittelt

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Arztpraxis.
Patienten in einer Arztpraxis: Ihre Daten gelten als besonders sensibel. Bildrechte: dpa

Thüringens Datenschutzbeauftragter Lutz Hasse leitete ein Verwaltungsverfahren ein. Dabei drohe ein Bußgeld, sagte er MDR THÜRINGEN. Nach ersten Erkenntnissen liege ein Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz vor. Demnach müssten medizinische Daten besonders sicher gelöscht werden. Die unbefugte Offenbarung ärztlicher Geheimnisse sei zudem ein Straftatbestand. Ob dies hier der Fall ist, sei aber noch offen.

Hasse sprach von einem ungewöhnlichen Fall. Die Akten seien nicht ganz harmlos gewesen, die Menge aber überschaubar. Er gehe davon aus, dass Gedankenlosigkeit im Spiel gewesen sei, aber keine Absicht. Die Akten seien bei der Straßenreinigung sichergestellt worden und würden jetzt verbrannt.

Nach Angaben des Klinikums Bad Salzungen handelt es sich möglicherweise um Papiere aus einer Außenstelle des vom Klinikum betriebenen medizinischen Versorgungszentrums in Kaltennordheim. Eine Prüfung habe ergeben, "dass unter Missachtung der Vorschriften patientenbezogene Papiere nicht ordnungsgemäß entsorgt wurden."

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2016, 20:32 Uhr

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8 Kommentare

11.02.2016 03:11 Rüdiger 8

Ob der Datenschutzbeauftragte jetzt wohl wieder Polizeibeamte anfordert zum Sichten des Konfettis?

10.02.2016 21:55 Eisschlecker 7

Welcher Intelligenzbolzen schnappt sich diese Streifen und nimmt sich die Zeit zum Lesen ?!! Eine wohl sehr geistreiche Tätigkeit...

10.02.2016 20:59 Soviel zu Verantwortung und Datenschutz 6

"Wir schaffen das" als allegorisches Ereignis. Wir(TM) schaffen nicht einmal die zuverlässige Vernichtung physisch existierender Daten. Nac wie vor liegen auf einem derart verantwortungslosen Umgang mit Individualdaten lächerliche Strafen - Maas weiß auch, warum...

10.02.2016 18:43 MuellerF 5

Der Verursacher sollte alles wieder zusammenpuzzlen müssen!

10.02.2016 18:29 Ossi 4

@#3
Einfach einen Aktenvernichter nehmen der wenigstens Kreuzschnitt hat... Einstiegsmodelle schon ab 30,- Euro...

10.02.2016 17:33 Bertram in Mainz 3

Offenbar sind es "Luftschlangen" und kein Konfetti. Konfetti ist kleiner und wäre kein Problem. Gerade einfache Papierzerkleinerer schneiden recht grob. Tipp: Papier so reinstecken, dass quer zur Schrift geschnitten wird. Das reicht für den Hausgebrauch. Eventuell beim Ausschütten in die Papiertonne noch ein bisschen durchmischen. Patiententakten sind sensibler. Da ist Entsorgung ein Job für Profis.

10.02.2016 14:31 Prinz Karneval 2

Flogen dann in Erfurt geschretterte Stasiakten durch die Luft ;-)

10.02.2016 13:50 Schnellschnitt 1

Tolles >Konfetti sieht aus wie Papierschlangen. Eigentlich sollten diese zerschretterten Teile in den Heizofen und nicht für Fasching genutzt werden. Dumm gelaufen.