Themar 46 Anzeigen bei Rechtsrock-Konzert

Das wohl größte Rechtsrock-Konzert Deutschlands dieses Jahres in Themar ist ohne größere Zwischenfälle zu Ende gegangen. Insgesamt gab es laut Innenministerium 46 Anzeigen. Gründe waren der Polizei zufolge unter anderem Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffengesetz, Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung und das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole. Drei Personen wurden in Gewahrsam genommen, von 440 weiteren wurde die Identität festgestellt. Bei allen Betroffenen handle es sich um Teilnehmer des Rechtsrock-Konzerts. Die Abreise der Konzertbesucher nach Mitternacht verlief laut Polizei ohne Probleme.

6.000 Menschen bei Neonazi-Konzert

Zu dem Rechtsrock-Konzert kamen knapp 6.000 Anhänger der rechten Szene. Veranstaltet wurde es vom Südthüringer Rechtsextremen Tommy Frenck. Viele der Konzertbesucher trugen Kleidung mit eindeutigen politischen Botschaften, eine Person wurde wegen eines Hakenkreuz-T-Shirts festgenommen.

Auf einem abgezäunten Gelände stehen Menschen eng gedrängt in einem und um ein Festzelt.
Blick über den Zaun: Das Konzertgelände war extrem voll Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um die Veranstaltung abzusichern waren rund 1.000 Polizisten aus Thüringen und mehreren anderen Bundesländern im Einsatz. Sie sollten vor allem ein Aufeinandertreffen der Konzertteilnehmer und der Gegendemonstranten verhindern. Die Besucher des Rechtsrock-Konzerts wurden vor Eintritt in das Veranstaltungsgelände von der Polizei durchsucht. Das Gelände selbst war von einem Zaun mit einem Sichtschutz abgeschirmt.

Der Sprecher der Landespolizeidirektion, Patrick Martin, sagte, dass das Sicherheitskonzept gegen das Konzert voll aufgegangen sei. Er sprach von einem schwierigen Einsatz für die Beamten. Aufgrund der großen Menschenmenge hatten die Veranstalter das Versammlungsgelände zwischenzeitlich vergrößert.

Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) hat in einer Mitteilung eine positive Bilanz für den Samstag gezogen. Das Konzept der Polizei sei aufgegangen, sie habe die Lage jederzeit im Griff gehabt. Poppenhäger bedankte sich außerdem bei den Polizisten und verwies auf die starke Belastung nach ihrem Einsatz beim G20 Gipfel in Hamburg.

Gegenprotest kleiner als erwartet

Der Gegenprotest in der 3000-Einwohner-Stadt fiel kleiner aus als erwartet. Statt der erwarteten 2.000 Gegendemonstranten, protestierten nur mehrere hundert Menschen gegen das Neonazi-Konzert. Insgesamt waren neun Gegenveranstaltungen angemeldet worden. In der Kleinstadt, in der bunte Plakate und Transparente zu sehen waren, war es trotz Bürgerfest und kleinen Protesten auffallend ruhig. Der stellvertretende Landrat von Hildburghausen, Helge Hoffmann, sagte, was die kleine Gemeinde an Protest organisiert habe, sei ehrenwert. "Wir sind hier in einem ländlichen Raum", gab er zu bedenken. Er habe sich dennoch mehr Unterstützung aus der Region gewünscht.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 16.07.2017 | 19:00 Uhr

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels ist die Rede von 43 Straftaten. Diese Zahl wurde mit den Angaben des Innenministeriums aktualisiert.

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2017, 06:41 Uhr

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88 Kommentare

18.07.2017 10:39 ralf meier 88

@Werner Kampmann Nr. 74: Hallo Herr Kampmann, Ihre auf mich bezogene Anmerkung 'Sie fänden es sicher total undemokratisch, wenn diese friedlichen Konzertbesucher nicht mehr wüssten, bei welchem Anlass sie zu Hunderten „Sieg Heil“ und „Rudolf Hess“ – wie am Wochenende geschehen - grölen dürften, nicht wahr?' habe ich nicht verstanden. Wollen Sie mir erklären, was Sie damit meinen ? Ich würde mich dann auch revanchieren und Ihnen erklären, warum mein Beitrag Nr. 59 und insbesondere meine Anmerkungen zum Demokratieverständnis der Linken nichts mit Derailling zu tun haben. Dazu empfehle ich Ihnen auch gern den aktuellen MDR Artikel 'Nach Neonazi-Konzert: Debatte um Versammlungsrecht' und zitiere daraus die Welt: '"Deshalb ist diese Forderung auch keine Stärkung der Demokratie, sondern ein diktatorischer Reflex. […] Gesetze so hinzubiegen, dass Richter Meinungen bestrafen sollen statt Taten – das ist Willkür. Es ist DDR-Geist, und es ist verfassungswidrig."

17.07.2017 00:30 martin 87

@83 ralf meier schreibt: "Man sieht: Unterschiedliche Situationen erfordern unterschiedliche Maßnahmen"

Jau. Natürlich sieht man das. In HH wird eine Demonstrationszug von mehr als 12.000 Menschen gestürmt, weil einige die Vermummung nicht schnell genug abgelegt hatten.

In Thüringen wird noch nicht einmal gesehen, wenn in großer Zahl der Hitlergruß gezeigt wird. Liegt aber vermutlich an der schlechten Ausrüstung. Die Kameras haben gerade keine passenden Objektive und im Zweifel ist der Akku leer. Und die BeSis waren vermutlich gerade pinkeln oder wurden vom Veranstalter zu einer Bratwurst eingeladen oder sie waren auf der Suche nach gewalttätigen Linken verschollen.

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