Ein kleines, graues Häuschen steht am Straßenrand
Ein Pilgerhaus für Wanderer in der Region begeistert Eberhard Robke von Anfang an. Bildrechte: MDR/Mirjam Winzer

Westfale unterstützt Neuhaus am Rennweg Verliebt in Thüringer Wald-Gemeinden

Seit einigen Jahren spendet ein Wuppertaler Geschäftsmann 30.000 Euro an Vereine und Projekte in einer kleinen Region in Südthüringen. Über 20 Jahre hat er hier gearbeitet und dabei offenbar sein Herz verloren.

von Mirjam Winzer

Ein kleines, graues Häuschen steht am Straßenrand
Ein Pilgerhaus für Wanderer in der Region begeistert Eberhard Robke von Anfang an. Bildrechte: MDR/Mirjam Winzer

Eberhard Robke ist in großer, schlanker Mann in Anzughose und Jackett. 81 Jahre alt. Keine Spur von Brüchigkeit. Weder in Stimme und Händedruck noch im Willen, einer Region finanziell zu helfen. Jährlich bis zu 30.000 Euro gibt Robke an Vereine und Initiativen in und um Neuhaus am Rennweg und Lauscha im Landkreis Sonneberg.

Robke ist einer Gegend treu geblieben, in der er über 20 Jahre gearbeitet hat. Der Westfale war Chef der Glaswerke Ernstthal. Als er 1994 in den damaligen Treuhand-Betrieb einstieg, standen 85 Mitarbeiter vor ihm. Am Ende seiner Zeit waren es 500. "Die Bergleute sind kernig und rauh, aber mit weichem Kern", sagt Robke über die Menschen hier. Offenbar haben ihm diese Menschen über die harte Anfangszeit geholfen.  Damals fuhr Robke noch fast jede Woche von Wuppertal in Nordrhein-Westfalen nach Ernstthal. Immer 434 Kilometer und Autofahrten von mindestens sechs Stunden. Motiviert haben ihn die Thüringer in der Region: "Die Menschen haben mit Herzblut für ihre Heimat gekämpft."

Eberhard Robke hat das so beeindruckt, dass er zu seinem 75. Geburtstag einen Fonds mit  300.000 Euro auflegte. Geld für zehn Jahre. Jährlich 30.000 Euro. Über die Anträge entscheidet Robke persönlich: "Ich möchte Einfluss darauf nehmen, was mit meinem Geld geschieht.“

Das Geld ist nicht für alle da

Bisher sind so schon über 182.000 Euro in diese Ecke des Thüringer Waldes geflossen. Profitiert haben davon gemeinnützige Vereine und Projekte. Neue Duschen gab es beispielsweise für den SV Rennsteig Ernstthal, ein E-Piano für die Volksmusikgruppe Kantholz, Waffenersatzteile für den Wintersportverein Scheibe-Alsbach. Die Vereine haben Hilfe beantragt und Robke überzeugt.

Das neueste Projekt

Ein kleines, graues Häuschen steht am Straßenrand
Der Umbau des kleinen Häuschens in Neuhaus am Rennweg hat schon für viele Diskussionen gesorgt. Bildrechte: MDR/Mirjam Winzer

In diesem Jahr wird er viel Geld für ein altes Haus geben. Eine Entscheidung, die in Neuhaus am Rennweg schon für viele Diskussionen gesorgt hat. Direkt neben der Holzkirche in Neuhaus am Rennweg steht ein altes Fachwerkhaus. Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert gehört seit einigen Jahren der Stadt, eine Nutzung dafür gibt es nicht. Dann hatte die Kirchengemeinde die Idee, dort eine Pilgerherberge einzurichten und beantragte Unterstützung beim Eberhard Robke-Fonds.

Ein Pilgerhaus für Wanderer in der Region - Eberhard Robke begeisterte die Idee von Anfang an. Er will insgesamt 45.000 Euro geben. Das sind mehr als 15 Prozent der Summe, die an anderen Stellen bei Land und Bund "eingesammelt“ wurden: bei Fördertöpfen für Denkmalschutz und Städtebau, sowie Neuhäuser Firmen. Insgesamt 290.000 Euro stehen in Aussicht.

Doch der Stadtrat brauchte mehrere Anläufe, bis er Grünes Licht für das Pilgerhaus gab. Das Geld solle besser in Bürgersteige, statt in ein altes Haus fließen, so die Begründung. Doch die zugesagten Gelder sind zweckgebunden.

 "Ich komme wieder“

Ob sich Neuhaus an Rennweg tatsächlich an das Projekt "Pilgerhaus“ traut, wird Eberhard Robke mit Interesse verfolgen. Oder seine Tochter. Denn sie wird seinen Fonds weiterführen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Feierabend | 14. September 2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 18:03 Uhr

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4 Kommentare

15.09.2017 22:43 Petra Stein 4

was sind das für komische Kommentare? - Bestimmt von Sachsen :D .

Wenn man mal in Westfalen gelebt hat, weiß man die Thüringer jedenfalls zu schätzen! Diese sind im Schnitt viel zugewandter und gesprächiger als die Westfalen und helfen einander (und Fremden!) gerne. Von daher finde ich eine Pilger-Herberge genau das Richtige - denn das steht exemplarisch für Gastfreundschaft. Bestimmt gibt es auch einige Flüchtlinge in Neuhaus, die schon ohne Brimborium integriert worden sind.

15.09.2017 20:32 Agnostiker 3

@ 2: Vor 10 Jahren hatten offiziell fast 30% der Gemeldeten (27,6% Quelle Stadt Wuppertal, Stand 12.11.2007) "auslaendische Wurzeln (davon ca. 1/3 Tuerken).
Mittlerweile ist die Verauslaenderung drastisch fortgeschritten. In Elberfeld und Oberbarmen betraegt der Anteil der fremden Zudringlinge (mit und ohne BRD- Pass) gefuehlte* 75 - 80%.

Leider ist keine aktuelle Statistik verfuegbar, meine pers. Einschaetzung mag daher, bedingt durch das bekannte "temperamentvolle" Auftreten der Suedlaender, um 5 - 10% nach unten korregiert werden.

Vllt. sollte Herr Robke selbst einmal zu seinen Empfindungen bez. der "bunten Vielfalt" in seiner Heimatstadt befragt werden? ;)

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