Erstaufnahmestelle Suhl Gewaltausbruch in Flüchtlingsheim: 15 Verletzte

In der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Suhl ist es am Mittwochabend zu einem Gewaltausbruch gekommen. Wie die Landespolizeidirektion Suhl mitteilte, wurden 15 Menschen verletzt. Ein Polizeisprecher sagte MDR THÜRINGEN, unter den Verletzten seien auch sechs Polizisten. Laut Rettungsdienst erlitten die Verletzten Prellungen und Platzwunden. Sie wurden in einem Zelt behandelt. Der Rettungsdienst war mit neun Notärzten und 90 Sanitätern im Einsatz. Mehrere Asylbewerber wurden in Gewahrsam genommen. Eine genaue Zahl nannte der Polizeisprecher nicht. Es werde wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs ermittelt. Die Untersuchungen würden zunächst gegen unbekannt geführt, sagte der Chef der Landespolizeiinspektion Suhl.

Religionsstreit zwischen Heimbewohnern

Ursache für die Ausschreitungen war laut Polizei ein Streit zwischen etwa 20 Bewohnern des Heimes. Dabei sei es um Religionsfragen gegangen. Ein Bewohner soll Seiten aus dem Koran gerissen haben. Nach MDR-Informationen wollte eine Gruppe von Flüchtlingen den Heimbewohner attackieren, weshalb dieser sich in die Wache der Einrichtung rettete. Von da an eskalierte die Lage. Die Angreifer-Gruppe versuchte gegen 21 Uhr, die Wache zu stürmen und die Tür des Wachlokals einzutreten. Die dortigen Sicherheitsdienst-Mitarbeiter setzten gegen die Angreifer Tränengas ein. Polizeibeamte, die in eines der Gebäude hineingingen, wurden dort "belagert", am Verlassen des Hauses gehindert und mit Steinen und Betonteilen beworfen. Schließlich legten die Angreifer auch Feuer.

Hundert Heimbewohner in Streit involviert

Bei der Polizei hieß es am späten Abend, die Lage sei eskaliert. Gegen 22 Uhr forderte die Polizei vor Ort weitere Bereitschaftskräfte an, darunter auch Unterstützung aus Erfurt und Bayern. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN waren am Ende mehr als 100 Hausbewohner in den Streit verwickelt. Die Polizei war mit 125 Beamten im Einsatz, darunter war auch das Spezialeinsatzkommando. Insgesamt wurden sieben Polizeifahrzeuge, ein Rettungswagen und zwei Privatfahrzeuge beschädigt. Flüchtlinge attackierten auch ein Kamerateam des MDR mit einer Eisenstange sowie einen Fotografen. Andere Flüchtlinge versuchten, die Attacken zu stoppen.

Massive Zerstörungen in Erstaufnahmestelle

In der Erstaufnahmestelle wurden massive Zerstörungen angerichtet. Der Flüchtling, der von anderen Heimbewohnern attackiert worden war, wurde von der Polizei in Schutzgewahrsam genommen. Gegen 1:45 Uhr hatte sich die Lage laut Polizei wieder beruhigt. Gerüchte, dass Heimbewohner nach den Auseinandersetzungen in die Innenstadt gezogen seien, hätten sich als Fehlinformation herausgestellt, so ein Polizeisprecher.

Die Suhler Feuerwehr teilte am Donnerstag mit, das gemeldete Feuer sei nur ein "Kleinbrand" gewesen. Dieser sei beim Eintreffen der Feuerwehr vor Ort bereits gelöscht gewesen, ein Gefahr sei nicht mehr davon ausgegangen. Feuerwehr und Rettungsdienste seien mit großem Aufgebot vor Ort gewesen und hätten einen Verbandplatz für Verletzte eingerichtet. Dort seien im Laufe der Nacht insgesamt zwölf Personen medizinisch behandelt worden. Dabei habe es sich ausschließlich um Bewohner des Heimes gehandelt. Die Polizei hatte das Problem, zunächst erst sogenannte "geschlossene Einheiten", die auch anders als normale Streifenpolizisten mit Helm und Schlagschutz ausgestattet sind, heranzuführen. Eine erste dieser über Thüringen verteilten Einheiten kam aus dem Eichsfeld, Verstärkung dann aus Ostthüringen.

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2015, 20:58 Uhr