Nach Gewaltausbruch in Suhler Flüchtlingsheim Ermittlungen laufen - Polizei wertet Videos aus

Nach den Ausschreitungen von Bewohnern der Flüchtlingsaufnahme-Stelle in Suhl haben Polizei und Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Unterdessen geht in Thüringen die politische Debatte über das Thema Asyl weiter. Und der Wartburgkreis will mangels Platz vorerst keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen.

Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen in der Erstaufnahmestelle in Suhl hat die Staatsanwaltschaft Meiningen ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs eingeleitet. Das teilte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft MDR THÜRINGEN am Freitag mit. Die Ermittlungsarbeit werde von der Suhler Kripo geleistet, hieß es weiter.

Die Polizei hat eine neunköpfige Arbeitsgruppe gebildet. Der Suhler Polizeichef Wolfgang Nicolai sagte dem MDR am Freitag, dass gegenwärtig sämtliche Videoaufnahmen analysiert würden. Verdächtige gebe es aber noch nicht. Die Beamten sichteten Videomaterial und hätten bereits am Donnerstag damit begonnen, erste Zeugen zu befragen, darunter auch Fernsehreporter des MDR.

Der Asylbewerber aus Afghanistan, der den Anstoß zu den Auseinandersetzungen gegeben hatte, ist laut Polizei in ein anderes Bundesland verlegt worden. Der 25-Jährige hatte am Mittwochabend Seiten aus einem Koran zerrissen und damit den Unmut von Moslems auf sich gezogen. Diese hatten den Mann, der nach Angaben von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow vor einiger Zeit zum Christentum übergetreten war, attackiert. Der Polizei ermittelt nach Angaben eines Sprechers derzeit nicht gegen ihn.

CDU fordert "Sofortprogramm Asyl"

Unterdessen ging am Freitag auch die politische Debatte über Konsequenzen aus den Ereignissen in der Nacht zum Donnerstag weiter. Die CDU-Landtagsfraktion forderte ein Sofortprogramm Asyl. Fraktionschef Mike Mohring sagte, nach den Ausschreitungen in der Unterkunft in Suhl müsse die Landesregierung reagieren. Dazu gehöre, die Einrichtung in Suhl als eigenständige Erstaufnahmestelle anzuerkennen. Dadurch könnten im Landeshaushalt mehr Personalstellen für Suhl bereitgestellt werden. Bislang gilt Suhl nur als Außenstelle der Einrichtung in Eisenberg. Laut Mohring werden in der Erstaufnahmestelle dringend mehr Sozialarbeiter und Verwaltungskräfte benötigt. Die für 1.200 Bewohner ausgelegte Einrichtung ist chronisch überbelegt. Derzeit sind dort 1.500 Menschen untergebracht.

Mike Mohring, CDU-Fraktionschef in Thüringen
Mike Mohring Bildrechte: dpa

Zugleich verlangte die CDU am Freitag eine Aufstockung der für Abschiebungen zuständigen Abteilung im Landesverwaltungsamt. Dort warteten die Fälle von 800 Asylbewerbern auf Bearbeitung, sagte Mohring. Eine Personalaufstockung in dieser Abteilung hatte die Landesregierung schon vor einiger Zeit angekündigt. Mohring sprach sich am Freitag jedoch gegen den Vorschlag aus, Flüchtlinge nach Ethnien getrennt unterzubringen. Das gehe nicht und sei auch nicht gewollt, sagte er. Allerdings hatte auch Mohrings Parteifreund, der Südthüringer Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann, in den vergangenen Monaten mehrfach dafür plädiert, mehrere kleinere Erstaufnahmestellen zu schaffen. Damit könne die Zusammensetzung der Bewohnergruppen homogener gestaltet werden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte am Donnerstagabend empört auf die Krawalle in Suhl reagiert. Er sagte in Berlin, dass sich Menschen, die in Deutschland Schutz suchten, "an deutsches Recht und Gesetz zu halten" hätten. Er habe "kein Verständnis für Gewaltanwendung von Asylbewerbern in Einrichtungen, die dazu da sind, sie zu schützen". De Maizière sagte, gegen Asylbewerber, die Gewalt anwendeten, egal ob gegen Polizisten oder gegen Andere, müsse "hart vorgegangen" werden.

Wartburgkreis nimmt vorerst keine weiteren Flüchtlinge auf

Im Wartburgkreis sollen indes erst einmal keine weiteren Flüchtlinge aufgenommen werden. Landrat Reinhard Krebs sagte MDR THÜRINGEN am Freitag, der Kreis könne die für September angekündigten 92 Flüchtlinge nicht unterbringen, weil es keinen Platz gebe. Das habe er schriftlich Migrationsminister Dieter Lauinger mitgeteilt. Sporthallen wolle er nur im Katastrophenfall frei machen, sagte Krebs. Er forderte die Landesregierung auf, einen Krisenstab zur besseren Koordination der Unterbringung von Asylbewerbern einzurichten. Dieser solle Flüchtlinge dorthin verteilen, wo es freie Kapazitäten gebe. Der ländlich geprägte Wartburgkreis habe nur wenige große Gebäude.

In dem Landkreis sind laut Krebs derzeit 634 Asylbewerber untergebracht. Davon sind 258 ausreisepflichtig. Weitere 222 stammen aus sogenannten sicheren Herkunftsländern wie Serbien oder Albanien.

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2015, 16:58 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

118 Kommentare

25.08.2015 23:22 Karina 118

Kurz zum letzten Kommentar: ich kann diese Erfahrungen von Andrea nicht teilen und alle Muslime zu Kriminellen machen. Ich wohne viele Jahre in London und fuer mich zeichnen sich Muslime durch ihre Naechstenliebe aus. Generalisieren sollte man niemanden, der Mensch ist ein Individuum! Klar ist, dass diese Voelkerwanderung ein geschichtliches Ausmass hat und Humanitaet mit Fremdenhass konkuriert. Moege das Erstere gewinnen!

25.08.2015 19:40 andrea 117

ich bin eine thueringerin und lebe seit 21 jahren in england. wir haben hier staendig probleme mit muslims - wahlbetrug im muslimischen stadtteil von london, vergewaltigung von englischen kindern in cambridge und rotherham, islamisierung und radikalisierung von englischen schulen in birmingham, bedrohung englischer kinder und lehrer, tote hunde auf dem schulzaun in birmingham, islamistische hassprediger in der londoner university of westminster. - und jetzt also auch in suhl in thueringen. alles kaputtgeschlagen, die deutsche polizei attackiert, - und warum wirft man diese leute nicht sofort aus dem land ?

25.08.2015 13:19 Auchmal was sager 116

Diese ganze Flüchtlingsdebatte fängt langsam sowas von an zu nerven. Jeder weiss das den randalierern doch letztendlich eh nix passieren wird. Wird letztendlich unter den Teppich gekehrt werden. Mich würde mal interessieren was das mdr Team dazu sagt die ja mittendrin statt nur dabei waren. Ob die wohl immer noch so freundlich eingestellt sind. Aber das darf bestimmt mal wieder nicht veröffentlicht werden. Ich denke das die Leute die mit offenen Augen in diesem Land rumlaufen, schon längst gemerkt haben was los ist und wie es Enden wird. Da kann noch so viel versucht werden das von den Politikern schön zu reden. Die Steuerzahler werden oder sind schon nicht mehr bereit das letztendlich alles zu tragen. Man muss sich mal vor Augen halten was das alles kostet. Kauf, Herrichtung Unterbringung , Folgekosten. Unser Sozial und Krankensystem. Letztendlich sind es die die Steuern zahlen die das alles tragen. Ob da alle weiterhin bereit zu sein werden.....

25.08.2015 11:01 BB aus Bayern 115

Die Folgekosten für unser Gesundheitssystem von den vielen Verletzten, die Versorgung von hunderttausenden Asylanten, und die Unterbringung von "schwer traumatisierten Menschen" würden mich interessieren. Die sollten mal klar und deutlich beziffert werden. Wenn ich einen Zahnersatz brauche kann ich selber 1.500 Euro zuzahlen, als Dank für die jahrzehntelangen Beitragszahlungen! Bin schon gespannt, wie sich die gesetzlichen Krankenkassen-Beiträge in den nächsten Jahren entwickeln werden. Unsere Kinder werden uns sicher noch "dankbar" sein, für die ganzen Schulden und Altlasten. Aber richtig leid tun können einem nur die Polizisten, die wieder mal ihren Kopf hinhalten können.

25.08.2015 02:07 Markus H. 114

Mit 1000 Zeichen kann man keinen wirklich gehaltvollen Text verfassender der komplexen Wahrheit entspricht o. diese anspricht (wahrscheinlich könnte das nicht mal Leonardo DaVinci noch I. Kant) - höchstens ein kurzes Gedicht von Schiller o. Goethe niederlegen...- daher sag ich es mal GANZ kurz und SEHR zweideutig mit A. Einstein.: "Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.‘‘ (- Ich mir weiterhin auch nicht...)

23.08.2015 13:34 Thüringerin 113

Die Spezies der "Heidenauer" - lieber @107. ralf meier - das sind für mich nicht die Hardcore-Schläger und - Brüller auf der Straße, sondern die Leute hinter den Gardinen, die von jemand gehört haben...der von einem gehört hat, was ein Asylant...viele Asylanten...sicher alle Asylanten so getan haben / noch tun werden - das sind diejenigen, die um ihr (manchmal auch recht "trickreich") Erhaschtes oder noch zu Erhaschendes bangen - so langsam jedes Mittel ist recht, eine "andere Meinung" kundzutun....und wer auch nur mit Gewalt droht, dessen Hemmschwelle zur tatsächlichen Ausübung ist nicht besonders hoch....Beispiele, wohin Sie schauen...

23.08.2015 13:20 Holperbald 112

Ich war auch 9 Monate mit 5 weiteren Männern auf 16 Quadratmetern untergebracht. Viele von uns gegen ihren Willen. Wir waren hinter Stacheldraht, sogar Waffen waren an der Tagesordnung. Es herrschte ein Klima von Befehlsgewalt. Ja, ich war bei der Bundeswehr. Die Unterkünfte wären auch verdreckt, hätten wir sie nicht täglich gereinigt. So ist das nunmal. Ich kann dieses Mitleidheischende Schlechtreden der Bedingungen nicht mehr hören. Die Flüchtlinge dind in Sicherheit- ein bisschen müssen sie sich schon selbst um die Organisation ihres Zusammenlebens kümmern....

23.08.2015 11:31 Moin 111

Nun tun sie überrascht ob der Gewaltausbrüche in Suhl. Wer im Islam Koran zerreißt, der wird bestraft. Man kann nur Politikern empfehlen, sich über Sitten und Gebräuche im Islam zu erkundigen. Flüchtlinge von dort legen ihren Duktus hier nicht ab.

23.08.2015 11:18 ralf meier 110

@106. Thüringerin: Ich muss mir im Gegensatz zu Ihnen nichts ausmalen. Ich sehe einen zum Christentum konvertierten Mann aus Afghanistan, der wohl auch deshalb aus dem Land geflohen ist, weil dort Konvertiten die Todesstrafe droht (das dürfen Sie ruhig so veröffentlichen liebe Redaktion das kann ich belegen). Nun muss er feststellen, dass ihn schon im Asyllager wieder islamistische Fanatiker in Streitgesprächen einschüchtern wollen und dann dreht er durch und zerreist den Koran, der IHM so viel Unglück gebracht hat. Können Sie das verstehen? Und von welcher anderen Wange sprechen Sie . Der Konvertit hat doch in Ihrer Sprachgebung nur Gewalt gegen Sachen angewandt und niemanden geschlagen. Nein ! daß sie einen Lynchmob verharmlosen, ja verteidigen.. das geht mir dann doch zu weit Punkt

23.08.2015 09:55 Gerd 109

Er wird so gern vom "überfüllten Flüchtlingsheim" gesprochen. Nur was ist für den relativen Luxus im 21. Jahrhundert übervoll? --- Wieviel mehr als mir im Internat für Bett, Schrank und Scheibtisch zur Verfügung stand wünschen denn unsere Refugees? --- Einfach mal die bislang verschwiegene Quadratmeterzahl im GEZ Funk angeben. --- Welcher Rentner und welcher Arbeitslose hat im übrigen 4,90 Euro am Tag entsprechend 147 Euro im Monat als Taschengeld zur Verfügung. --- Sind Rentner und Arbeitslose weniger wert? Oder ist diese Frage schon Verboten und von den "Gutmeinenden" bereits als Hass eingestuft? --- 634 Asylbewerber minus 258 ausreisepflichtig minus 222 sicheren Herkunftsländern macht 154 Bewerber, da können etliche sicher sogar ein Einzelzimmer bekommen.