Bestürzung über Gewaltausbruch in Suhler Flüchtlingsheim Lauinger sieht "rote Linie überschritten"

Thüringens Migrationsminister Dieter Lauinger sieht nach den Krawallen im Suhler Flüchtlingsheim in der Nacht zum Donnerstag eine "rote Linie überschritten". Der Vorfall in der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber werde Konsequenzen haben, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag bei einem Besuch in der Einrichtung. Religiöse Konflikte dürften keinesfalls mit Gewalt ausgetragen werden.

Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel und Migrationsminister Dieter Lauinger bei der Pressekonferenz nach Gewaltausbruch in Suhler Flüchtlingsheim.
Migrationsminister Dieter Lauinger (re.) und Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel (M.) zeigen sich bestürzt über die Vorfälle. Bildrechte: MDR/Bert Weber

Lauinger bestätigte Angaben, dass ein aus Afghanistan stammender Mann Seiten aus einem Koran-Exemplar herausgerissen hatte. Daraufhin hätten mehrere Moslems versucht, den Mann zu lynchen. Dieser befinde sich nun zu seinem eigenen Schutz bei der Polizei, sagte Lauinger.

Der Minister erklärte, der Vorfall habe nichts mit der Überbelegung in Suhl zu tun. Das hätte sich auch in einer Unterkunft mit 30 Asylbewerbern ereignen können, so Lauinger. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) sprach sich im Interview mit MDR INFO dafür aus, unterschiedliche Ethnien getrennt in Flüchtlingsunterkünften unterzubringen. Nur so ließen sich Gewaltausbrüche wie in Suhl verhindern. In dem am Mittwoch bezogenen Ausweichquartier in Bad Lobenstein würden nur Flüchtlinge aus Eritrea untergebracht. Eine andere Unterkunft werde bevorzugt für Frauen und Kinder genutzt.

Ramelow sagte, bei den Flüchtlingen handele es sich um hochtraumatisierte Menschen, die aus Kriegssituationen kämen und alle Opfer seien. Er könne verstehen, dass die Emotionen hochkochten, wenn verschiedene Ethnien und religiöse Gruppen aufeinanderträfen. Er toleriere aber überhaupt nicht, "dass man einen Koran zerreißt und in eine Toilette schmeißt".

Gewerkschaft der Polizei fordert Krisengipfel

Die Gewerkschaft der Polizei forderte am Donnerstag einen sofortigen Krisengipfel. Bundesvize Jörg Radek sagte, die Krawalle in Suhl müssten die Politik alarmieren. Überfüllte Unterkünfte und qualvolle Enge ohne jegliche Privatsphäre schafften schon bei der kleinsten Kleinigkeit Konflikte, die schnell in Gewalt umschlagen könnten. Besorgt zeigte sich Radek, dass bei den Auseinandersetzungen in Suhl erstmals direkt die Polizei angegriffen wurde.

Am Mittwochabend war es in der Erstaufnahmestelle in Suhl zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Mehrere Bewohner griffen einen Afghanen an, der Seiten aus einem Koran gerissen hatte. Der Mann flüchtete sich in das Büro des Sicherheitsdienstes im Haus, dass dann von einer Gruppe der Angreifer attackiert wurde. Später eskalierte die Situation, auch Polizisten wurden attackiert. Insgesamt 15 Personen wurden verletzt.

AfD fordert Rücktritt von Lauinger

Die AfD-Landtagsfraktion forderte am Donnerstag den Rücktritt von Migrationsminister Lauinger. Fraktionschef Björn Höcke warf dem Minister Versagen vor. Diesem falle außer Umverteilung und Krisentreffen nichts ein. Stattdessen hoffe er auf die freiwillige Ausreise abgelehnter Asylbewerber. Zu den Krawallen in der Erstaufnahmestelle sagte Höcke, wer seine Glaubenskonflikte derart aggressiv austrage, müsse schnellstmöglich abgeschoben werden.

Die CDU erklärte, die Antwort auf Gewalt und die Missachtung der deutschen Rechtsordnung könne nur lauten: konsequente Strafe und zügige Abschiebung. Der Innenpolitiker Wolfgang Fiedler sagte, die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger für Asylverfahren werde schwinden, wenn Deutschland darüber zum Kampfplatz fremder Kulturen werde. Dies wäre eine Katastrophe, weil darunter auch der Schutz für die wirklich Schutzbedürftigen leide, so Fiedler.
CDU-Landes- und Fraktionschef Mike Mohring bezeichnete die Ausschreitungen als erschreckend. Schuld seien die unhaltbaren Zustände in der Unterkunft, die überfüllt sei, Hygienemängel habe und in der es keine Privatsphäre gebe. Dafür sei die rot-rot-grüne Landesregierung verantwortlich. Die Ideologie, jeden Asylbewerber als Integrationsfall anzusehen, habe zur Überfüllung der Heime in Land und Kommunen gesorgt. Nun müsse die Regierung zügig Abhilfe schaffen: Schutzbedürftigen Schutz bieten, aber abgelehnte Asylbewerber auch zügig abschieben. Das gelte auch für die Verursacher der Ausschreitungen in der Nacht zum Donnerstag in Suhl.

Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dorothea Marx, forderte eine bessere Ausstattung der Erstaufnahmestellen mit Sicherheitspersonal. "Wenn wir aufgrund der weiterhin steigenden Flüchtlingszahlen weiter von einer Überbelegung der Einrichtungen ausgehen müssen, dann muss auch die entsprechende Anzahl an Sicherheitspersonal bereitgestellt werden."

Flüchtlingsrat gegen Trennung nach Ethnien

Auch der Thüringer Flüchtlingsrat meldete sich zu Wort. Die sozialen Spannungen könnten nur verringert werden, wenn die Überbelegung der Erstaufnahmestelle beendet werde, erklärte Sprecherin Ellen Könneker. Der Flüchtlingsrat schlug vor, dass Asylbewerber auch bei Verwandten und Bekannten in Thüringen unterkommen dürfen. Außerdem müsse der private Wohnungsmarkt für Asylbewerber geöffnet werden. In der überfüllten Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl könne von Hygienestandards und menschenwürdiger Unterbringung keine Rede sein. Eine Privatsphäre und mögliche Rückzugsräume existierten nicht. Selbst die Essensversorgung werde zur Geduldsprobe. Die Menschen müssten teilweise zwei Stunden auf Essen warten. Die Situation in Suhl führe dramatisch vor Augen, zu welcher Eskalation solche Bedingungen führen könnten.

Den Vorschlag von Ramelow, Flüchtlinge nach Ethnien getrennt unterzubringen, lehnte Könneker ab. Das sei der völlig falsche Weg, sagte sie MDR JUMP. "Wir brauchen keine Diskussionen über Ethnien und religiöse Konflikte", sagte sie. Das sei "gerade Öl ins Feuer der Nazis".
Am Abend demonstrierten rund 600 Menschen in Suhl gegen Flüchtlinge. Die Demo angemeldet hatte der Südthüringer Neonazi Tommy Frenck. Nach Polizeiangaben versammelten sich 75 Gegendemonstranten unweit vom Congress-Centrum. Die Polizei sicherte mit 100 Beamten die Veranstaltungen ab.
Bei einem "Bürgerdialog" der AfD sagte ihr Landtagsfaktionschef Björn Höcke Deutschland sei "auf dem Weg zum Bürgerkrieg". Wenn die Alt-Parteien nicht endlich das Asylrecht konsequent umsetzten, werde die Stimmung auch in Thüringen bald kippen. Die AfD hatte zu Beginn der Versammlung Bild- und Tonaufnahmen verboten.

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2015, 20:02 Uhr

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220 Kommentare

22.08.2015 11:01 erich 220

Krawalle im Asylheim - Die deutschen Volksvertreter werden daran nichts ändern können. Sie dürfen das nicht. Sie erhalten keine ERLAUBNIS aus EU-Brüssel und auch nicht von den US-Amerikanern. Also wird weiter geschwiegen und gekrochen und bezahlt.

22.08.2015 10:23 Dietmar Krause 219

So etwas passiert wenn man Rot/Grün wählt. Viel Spaß mit denen noch in Thüringen!!!

22.08.2015 09:42 So sieht es aus 218

Sind das vielleicht sogar die neuen Wege des IS und Alex Quaida den Heiligen Krieg zu führen. Wieso kommen plötzlich und aus heiterem Himmel diese Massen an Asylanten?

21.08.2015 00:10 Manuel 217

Die Thüringer Regierungsparteien Linke, Grüne und SPD haben sich in ihrem Koalitionsprogramm unter anderem auf das Ziel "ein buntes Thüringen" festgelegt. Der mit Regierungsantritt verfügte Winterabschiedestopp, die faktische Aussetzung von Abschiebungen durch den grünen Migrationsminister und Slogans der linksextremen Regierungspartei "Die Linke" wie z. B. "No Border - No Nations" (keine Nationen und Grenzen mehr) verdeutlichen mit welchem "Engagement" Thüringen zeitnah in einen Vielvölkerstaat, unabhängig von der eigentlichen Asylfrage und der Frage einer bedarfsgerechten Zuwanderung durch integrationswillige Migranten, umgewandelt werden soll. Passt denen das typisch Deutsche an diesem Land und seiner Bevölkerung wie Fleiß, Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Strebsamkeit und Heimatliebe etwa nicht mehr?

21.08.2015 23:04 Annerose Will 216

Vor wenigen Monaten hieß es, der Islam gehört zu Deutschland, 99 % der Muslime seien friedlich...Jede Warnung wurde abgebügelt. Jetzt plötzlich Bestürzung? Welch Heuchelei. Das war alles absehbar. Das Beispiel zeigt die Toleranz von radikalen moslemischen Flüchtlingen. Welch eine menschenverachtende Brutalität wegen einer symbolischen Koranschändung. Bei Bibelverbrennungen im Orient hat keiner was unternommen. In Deutschland leben inzwischen zehntausende radikale Moslems und gewaltbereite Salafisten und es werden unkontrollierbar mehr! Liest man sich das heilige Buch des Islam durch, ist das nachvollziehbar, z.B. Sure 9, Vers 5. Ich denke, das war erst ein kleiner Vorgeschmack auf gewalttätige Zeiten und bürgerkriegsähnliche Zustände in Kürze. Woher will die Staatsmacht dann genug Polizei nehmen, wenn es an vielen Orten gleichzeitig brennt? Es kann einem Angst werden.

21.08.2015 22:52 an M.W. 215

Die SPD hat doch diese Regierung erst möglich gemacht. Und in der Vergangenheit mit der CDU auch nichts vollbracht. Eine Frage von Moritz, wer uns noch schützen soll? Der begonnene Stellenabbau bei der Polizei durch die CDU, wird trotz anfänglicher Dementi durch diese Regierung fortgesetzt. Begründung: Sparmaßnahmen. d.h. an der Sicherheit aller Bürger in Thüringen wird gespart. Da stellt sich die Frage, ob die Sicherheit der Thüringer unwichtig ist. Sicherheit zum Nulltarif kann es nicht geben. Und auf wessen Mist ist A.C.A.B gewachsen? Autonome Linke? Den Guten? Polizisten sind auch Menschen und haben das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Gesund nach dem Dienst zu ihren Familien heimzukommen.

21.08.2015 21:59 Kritischer Bürger 214

@209. Peter Buck:Sicher Ihre Zitate aus der Gesetz sind gut,aber ich vermisse dabei,wo in den von Ihnen angeführten Gesetzen steht das man für das Rausreißen von Seiten auch aus dem Koran gelyncht werden darf,Sachschaden anrichten kann der sich nicht gerade gering (in Euro) beziffert?Solche Ausschreitungen egal von wem sind nicht zu tollerieren!Solche Ausschreitungen könnten sich auch fortsetzen wenn eine Religion meint sie sei die einzige wahre Religion und beginnt Seiten aus der Bibel zu reißen und dafür aber nicht die von Ihnen angeführten deutschen Gesetze respektiert,sondern nur die eigenen Gesetzgebungen (die Scharia) dazu sollte man dann auch mal den Koran und seine 114 Suren lesen um das einem ein Licht aufgehen darf!

21.08.2015 21:29 steffen 213

209 Peter Buck Das Anzeigen und Ahnden so eines Deliktes steht der Polizei und den Gerichten dieses Landes zu. Und nur diesen.

21.08.2015 19:51 chanchira 212

Ich hoffe es schneit bald mit viel Frost.

21.08.2015 18:27 Querdenker 211

@209. Peter Buck: Ich glaub der Lynchmob hatte da ein ganz anderes "Gesetz" im Kopf.