Suhl Institut verzeichnet weniger Blutspenden

von Bert Weber

Blut ist eine Ware. Das mag vielen Menschen nicht gefallen, ändert aber nichts an dieser Tatsache. Und weil Blut eine Ware ist, muss sich das Suhler Institut für Transfusionsmedizin (ITM) dem Markt für Blutprodukte stellen. Nach ein paar schwierigen Jahren sieht sich das gemeinnützige Institut inzwischen wieder in sicherem Fahrwasser.

4 Mio Bluttransfusionen finden jedes Jahr in Deutschland statt. Hinter jeder steht auch ein Spender.
In etwa zehn Minuten wird einem Spender ein halber Liter abgenommen. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius/MDR WISSEN

Die Zahl der Blutspenden ging nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr erneut zurück. Wie Geschäftsführer Wolfgang Wehner mitteilte, wurden in der Suhler Zentrale, in den Stationen Eisenach und Ilmenau sowie bei mobilen Terminen insgesamt 152.000 Blutspenden gesammelt. Das waren 3.500 weniger als noch im Jahr zuvor. Zwei Drittel waren sogenannte Vollblutspenden - also Spenden, bei denen den Menschen Blut abgenommen wurde, welches verarbeitet und beispielsweise an Krankenhäuser geliefert wird. Trotz zurückgehenden Spendenaufkommens habe das Institut erneut Gewinn gemacht. Die genauen Zahlen lägen allerdings noch nicht vor. Laut Wehner beliefert das Institut bundesweit Krankenhäuser.

Weniger unrentable kleine Spendetermine

Für den Rückgang an Spendern und Spenden gebe es mehrere Gründe: So hat das Institut Blutspendetermine in kleineren Ortschaften gestrichen. "Wenn ein ganzes Blutspende-Team in ein Dorf fährt, wo nicht mal 15 Menschen spenden, dann macht das wirtschaftlich keinen Sinn mehr, sorgt aber eben auch dafür, dass am Ende weniger Blutkonserven zur Verfügung stehen", sagte Wehner. Viele Menschen seien auch nicht mehr bereit, drei Kilometer ins Nachbardorf zu fahren. "Dabei denkt der potenzielle Spender in diesem Moment sicherlich nicht daran, dass er mal derjenige sein kann, der auf dem OP-Tisch liegt und dringend Spenderblut braucht."

Dunkelhaarige Frau in schwarzem T-Shirt wird von einer Frau in grünem Hemd Blutspende abgenommen. Frau in grauer Jacke sieht zu.
Blutspende am Montag beim Besuch von Gesundheitsministerin Heike Werner (rechts) Bildrechte: MDR/Bert Weber

Im Gegenzug versuche das Institut, neue Termine zu organisieren. Ein wichtiger Schritt sei die Eröffnung der neuen Plasmastation in der Vilnius-Passage im Erfurter Rieth. Weitere Gründe lägen in länger andauernden Grippewellen oder Auslandsreisen. Auch wer sich ein Tattoo stechen lässt, darf ein halbes Jahr kein Blut abgeben. Oft entstehen bei Grippe-Perioden oder in der Urlaubszeit Engpässe. Momentan sind die Blutgruppen Null und A sehr knapp. Sozialministerin Heike Werner (Linke) rief daher bei ihrem Besuch am Montag im Suhler Institut zu Blutspenden auf.

Mit dem DRK zusammengerauft

Das Suhler Institut für Transfusionsmedizin gibt es seit 1963. Es war einst eine von 20 Spenderstationen in der ehemaligen DDR. Während die meisten der anderen 19 Stationen an den Blutspendedienst des DRK gingen, wollten die Suhler eigenständig bleiben, um die damals 80 Arbeitsplätze zu sichern. Sie gründeten 1994 eine gemeinnützige GmbH mit der Stadt Suhl als Mehrheitsgesellschafterin. Auch der DRK-Blutspendedienst NSTOB ist beteiligt, wobei es in früheren Jahren heftige und auch juristische Auseinandersetzungen zwischen Institut und DRK gab. Die Entscheidung war aus Sicht der Geschäftsleitung richtig: Geblieben sei ein kommunales Unternehmen, das die Gewinne in Ausrüstung, Technik und Personal investiert. Das ITM beschäftigt seit Jahren konstant etwa 250 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber der Stadt.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 06.03.2017 | ab 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2017, 17:50 Uhr

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