Globale Erwärmung Klimawandel macht Wintertourismus zum Auslaufmodell

Die Bundesregierung sieht für den Wintersport-Tourismus im Thüringer Wald wegen des Klimawandels in Zukunft kaum noch Chancen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Markus Tressel hervor. Demnach ist bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad gegenüber dem 19. Jahrhundert damit zu rechnen, dass sich die Wintersportsaison deutlich verkürzen beziehungsweise in höhere Lagen verschieben wird.

Sessellift zwischen Grenzadler und Oberhof ohne Schnee
Sessellift zwischen Grenzadler und Oberhof ohne Schnee. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Schon in der Vergangenheit wurde die sogenannte 100-Tage-Regel im Thüringer Wald nicht erfüllt. Danach sollte für einen lohnenden Skitourismus in mindestens sieben von zehn Jahren an mindestens 100 Tagen mindestens 30 Zentimeter Schnee liegen. Im Thüringer Wald gab es in den elf Jahren zwischen 2003 und 2012 nach Angaben der Bundesregierung aber nur im Jahr 2005 an mindestens 100 Tagen ausreichend Schnee.

Die Regierung beruft sich in ihrer Stellungnahme auf Berichte des Uno-Klimarats, der OECD und des Deutschen Alpenvereins. Neuere Zahlen für die Jahre ab 2013 gibt es nach Angaben der Bundesregierung noch nicht.

Grüner Tressel: Nicht weiter in Skigebiete investieren

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Tressel sagte MDR THÜRINGEN, jede weitere Investition in Skigebiete im Thüringer Wald sei deshalb schon aus klimatischen Gründen eine Fehlinvestition. Selbst mit künstlicher Beschneiung werde annähernd kein Skigebiet in den deutschen Mittelgebirgen mehr als schneesicher gelten.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund reagierte auf die Antwort der Bundesregierung bei Twitter mit dem Hinweis, wer Oberhof und den Thüringer Wald entwickeln wolle, komme an diesen Erkenntnissen nicht vorbei.

Gleichzeitig warnte sie davor, den Thüringer Wald auf den Wintersport zu verkürzen. Die Nationalen Naturlandschaften zeigten, das Thüringen mehr zu bieten habe. Darauf müssten sich die Touristiker bei der Vermarktung einstellen. Der Schneemangel schaffe Fakten, Kunstschnee oder Skitunnel könnten den Winter nicht zurückbringen, sagte sie MDR THÜRINGEN.

Wirtschaftsminister: Wintersport-Tourismus bleibt ein Standbein

Das Wirtschaftsministerium entgegnete, dass bereits seit Jahren auf Ganzjahresangebote gesetzt werde. Der Klimawandel sei bei der Oberhof-Konzeption der alten Landesregierung und auch bei der neuen Thüringer-Wald-Konzeption berücksichtigt worden. Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, dass mit dem Klimawandel keine Schneesicherheit herrsche, sei "nicht ganz neu und wenig überraschend". Der Wintersport-Tourismus bleibe aber ein Standbein, zumal die Winter auch in den kommenden Jahren nicht komplett ausfallen würden.

Für den Sport- und Tourismusexperten der Linke-Landtagsfraktion, Knut Korschewsky, bleibt Oberhof zentrales Aushängeschild für die gesamte Region. Schneemangel gebe es in allen deutschen Skigebieten. Deshalb werde Rot-Rot-Grün in den Ganzjahres-Tourismus investieren, unter anderem in das Wanderwegenetz.

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2016, 18:19 Uhr

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22 Kommentare

12.02.2016 13:35 Gast 22

Hallo,
meiner Meinung nach ist das Grundproblem des Thüringer Waldes doch nicht ob nun 100 Tage Schnee oder 50 oder 10 Tage Schnee liegt.
Ich war in den letzten Jahren genau 2 mal im Thüringer Wald. Für mich war es wie eine Zeitreise in alte Zeiten. Alte kaum modernisierte Gaststätten und Unterkünfte (natürlich gibt es auch anderes , Gesamteindruck ist aber nicht positiv). Und selbst in Oberhof war es unheimlich ruhig.
Für mich gibt es keinen Anreiz mehr länger im Thüringer Wald zu bleiben. Wenn mache ich einen Tagesausflug in den Thüringer Wald und verbringe die restliche Zeit in Weimar oder Erfurt wo mehr geboten wird und ein angenehmes Flair herrscht (Unterkünfte , Gastronomie und Angebote).
Und auch die Verantwortlichen (Tourismus, Gaststättenbetreiber , Hotelbetreiber usw. ) sollten sich überlegen warum in den größeren Städten der Tourismus wächst und im TW stagniert oder sogar zurück geht. Das Urlaubs- und Erlebnisverhalten hat sich stark verändert.

11.02.2016 17:42 Selei 21

Ich weiß nicht wie es dieser quantche immer wieder in die
Veröffentlichung schafft.Seine Aussagen haben nichts mit dem Thema
zu tun und sind auch noch beleidigend.
Ich sage nur ,Kommentar-Richtlinien.Oder wird er anders behandelt?

11.02.2016 15:38 guantche 20

@Nr.13: Sie können sich auf die Standfestigkeit
der Fahne verlassen. Was den Schamanen im
Dorf angeht, kann ich Ihnen sagen, dass ich Ihnen alles Gute bei der Behandlung durch ihren
Psychiater wünsche.

11.02.2016 12:33 Ichich 19

"...bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad ..."
D.h., FALLS es eine solche Erwärmung gibt, DANN gibt es keine Zukunft. Wie kann ich denn Aussagen machen, wenn ich nicht weiß, OB und WANN eine solche Erwärmung tatsächlich eintritt ?
Das ist doch Klamauk

11.02.2016 10:08 Lerch 18

Wintersport in Thüringen ist nicht nur Politik und parteipolitisches Geplänkel, Schlachtfeld für Investitionsbefürworter und Ablehner, gemolkene Kuh von auswärtigen Sportfunktionären und Massenmedien,

NEIN er ist auch Lebensfreude und Lebenselexier von weitesten Kreisen unserer Bevölkerung vom Kind bis zum Greis.

Also nicht nur die Repräsentanten der Wirtschaft und Umwelt anhören!

Wo bleiben die Volksbildung, das Gesundheitswesen mit ihren Positionen?

11.02.2016 07:45 martin 17

Noch will niemand die Wahrheit für Oberhof aussprechen ,die TSK ist ,internes Papier,schon einen Schritt weiter,endlich!

11.02.2016 06:45 Tourismus ade 16

Aschermittwoch von den Grünen: Erst hat die damalige Sozialministerin Heike Taubert (SPD), in der Vorgänger-CDU/SPD-Regierung Millionen in den Wintersport verbrannt und jetzt als Finanzministerin in der R2G-Regierung scheinen die Kassen leer zu sein. Die Grünen haben wahrscheinlich etwas recht, aber wenn ich hier schon lese die Bundesregierung in Berlin und der Alpenverein, die diesen Bericht zusammengestellt haben, da muss man hellhörig werden. Wahrscheinlich sollen auch hier die letzten Einnahmequellen für die Bürger verschwinden durch dem Wintersport-Tourismus. Na dann, alles in die Alpen und der Thüringer Wald ist am Ende angekommen. Wobei der Meeresspiegel weiter ansteigt und eine neue Flüchtlingswelle könnte in die Mittelgebirgsregionen kommen,wenn erst an den Küsten und Inseln das Wasser über die Ufer tritt. Das Schneetelefon von MDR-Thüringen, im Regionalverbund Thüringer Wald in Zella-Mehlis, könnte auch sofort schließen, bei den Wasserstandsmeldungen.

10.02.2016 21:54 Nun ja 15

(Wirtschaftsminister: Wintersport-Tourismus bleibt ein Standbein) Das laute Pfeifen im dunklen Wald war ja schon immer die hervorstechendste Eigenschaft des deutschen Parteifunktionärs. Fehlt nur noch: Den Klimawandel in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf, gez. Tiefensee (SPD... ROTFL). Man weiß ja inzwischen, daß diese Aussage empirisch nicht haltbar war.

10.02.2016 21:49 Wen schert die Realität, wenn es um Steuergeld geht? 14

@6. Selei: (Weltfremder geht es bald nicht mehr!) Das ist ganz normaler Kapitalismus und wer auf die Widersprüche hinweist, hat nur das Walten des Weltgeistes nicht erkannt: Wenn die Theorie mit der Natur nicht übereinstimmt - um so schlimmer für die Natur. Deutsche Politiker handeln seit Jahrzehnten so und so sieht es im Lande auch aus: Die faktischen Verhältnisse stimmen mit den theoretischen Prognosen nicht überein.

10.02.2016 21:43 Und wenn der Schnee auch (nicht) fällt, die Fahne steht 13

@1. guantche: (Für Teile der Bevölkerung ist die jetzige Bundesregierung ebenfalls ein Auslaufmodell. Ihr schafft den Wintersport in Thüringen nicht ab, wir aber euch.) - Ich sehe schon, die zunehmende Umgebungstemperatur führt zu ersten Denaturierungserscheinungen gewisser Eiweißverbindungen. Dennoch werde ich Ihrem merkantil motivierten Kampf gegen die Dynamik der Troposphäre mit Spannung zusehen - nur bezahlen werde ich dann wohl eher nicht mehr wollen. Das wäre so sinnvoll wie in eine Sauna in der Sahara zu investieren. Ob da ein Austausch der sog. Bundesregierung Abhilfe schaffen kann, sollten Sie mit Ihrem Dorfschamane gründlich erörtern.