AfD-Parteitag in Arnstadt Höcke spricht von "falscher Tonlage" bei Dresdner Rede

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke hat seine so genannte Dresdner Rede erneut als Fehler bezeichnet. Höcke sagte am Sonnabend auf einem Landesparteitag in Arnstadt, er habe in Dresden ein wichtiges Thema in einer Bierzeltrede vergeigt. Er habe sich dort von der Atmosphäre mitreißen lassen und die falsche Tonlage gewählt. Damit habe er gegenüber dem politischen Gegner eine Flanke geöffnet. Das sei ein Fehler gewesen, für den er sich bei den Parteimitgliedern entschuldigen wolle.

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke
Björn Höcke (hier bei einer Pressekonferenz zu Beschluss des Parteivorstandes, gegen ihn ein Ausschlussverfahren einzuleiten) Bildrechte: MDR

Das vom AfD-Bundesvorstand wegen der Rede beschlossene Parteiausschlussverfahren bezeichnete Höcke als nicht gerechtfertigt. Er habe weder gegen die Statuten noch die Programmatik der AfD verstoßen. Er habe nicht vor, die Partei zu verlassen, sagte Höcke. Zuvor hatte der AfD-Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, seinem Thüringer Amtskollegen den Rücken gestärkt. Poggenburg sagte in Arnstadt, die AfD sei eine Volkspartei, die auch Randpositionen aushalten müsse. Dazu gehöre auch der nationalkonservative Flügel um Höcke.

Höcke hatte in seiner so genannten Dresder Rede das Holocaust-Mahnmal in Berlin als Denkmal der Schande bezeichnet und eine Wende in der Erinnerungskultur gefordert. Der Bundesvorstand der AfD hatte daraufhin beschlossen, gegen Höcke ein Parteiausschlussverfahren zu eröffnen.

Thomas Wohlfahrt, einer der Gründer des AfD-Landesverbandes in Thüringen, stellte beim Parteitag in Arnstadt den Antrag, über Höckes Auftritte zu diskutieren. Es stelle sich die Frage, ob Höcke der AfD Schaden zufüge. Der Antrag Wohlfahrts wurde von einer Mehrheit der Parteitagsdelegierten abgelehnt.

Brandner auf Platz 1 der Landesliste für Bundestagswahl

AfD Landtagsabgeordneter, Stephan Brandner (Industriekaufmann und Rechtsanwalt in Gera)
Stephan Brandner Bildrechte: MDR/Holger John/Viadata

Schwerpunkt des Parteitages am Sonnabend war die Wahl der Thüringer AfD-Landesliste zur Bundestagswahl. Zum Spitzenkandidaten wurde der Landtagsabgeordnete Stephan Brandner gewählt. Der nannte sein Wahlergebnis - Brandner erhielt 201 von 220 abgegebenen Stimmen - einen Beweis für die Geschlossenheit des Landesverbandes. Der führe "harte Diskussionen nach innen", zeige sich nach außen aber geschlossen. "Zwischen mir und Björn wird kein Blatt Papier passen", so Brandner.

Nummer Zwei auf der Liste ist Höckes Wahlkreismitarbeiter Jürgen Pohl, auf Platz drei wurde Markus Bühl aus Ilmenau gewählt. Der Thüringer Landesverband hofft auf mindestens zwei Mandate im Bundestag. Die am Sonnabend aufgestellte Landesliste besteht aus acht Kandidaten. Mehr als 30 Parteimitglieder hatten sich um einen Platz auf der Liste beworben.

Vor dem Parteitag war spekuliert worden, dass Höcke selbst als Thüringer AfD-Spitzenkandidat antreten würde. In seiner Rede deutete Höcke jedoch schon an, dass er nicht kandidieren wollte. "Wir, die wir hierbleiben in Thüringen, wollen 2019 Geschichte schreiben", sagte er mit Blick auf die nächste Landtagswahl im Freistaat.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 18.02.2017 | ab 18:00 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18.02.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2017, 21:59 Uhr

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101 Kommentare

20.02.2017 21:17 Klinger 101

Herr Höcke hat auch schon berechtigterweise Tabuthemen (für die etablierten Parteien) angesprochen. Beispielsweise wie es zu bewerten ist, dass in verschiedenen Entwicklungsländern die Geburtenrate überdurchschnittlich hoch ist, so dass der dortigen Jugend kein angemessener Lebensstandart geboten werden kann.

20.02.2017 18:33 Stefan (Der) 100

@94.Gunther Manz: Wie auch immer, dann nennen Sie doch bitte mal eine gute Eigenschaft der Deutschen, welche sie von anderen Nationen abhebt. Sie scheinen ja der Meinung zu sein, dass überwiegend schlechte Eigenschaften, überwiegend guten gegenüberstehen. Und mir ist klar, dass Sie kein schlechtes Gewissen haben. Der Ausdruck "symbolische Zahl" lässt dies zur Genüge erkennen.