Energiemarkt Strom-Genossenschaften verkaufen nun direkt an Kunden

Seit Jahresbeginn werden in Thüringen die ersten Stromkunden mit Elektroenergie aus rein genossenschaftlicher Erzeugung versorgt. Wie Matthias Golle vom Vorstand der Bürger-Energie Thüringen-Sachsen BETHS e.G. MDR THÜRINGEN sagte, sind mit den ersten 45 Kunden Verträge geschlossen worden. Die BETHS e.G., eine Dachgenossenschaft mit derzeit zwölf Mitgliedern aus den Bereichen Energieerzeugung, Wohnungswesen und Landwirtschaft, vertreibt das Stromprodukt unter der Bezeichnung "Thüringer Landstrom".

Der bisher einzige Lieferant für den "Thüringer Landstrom" ist die Energiegenossenschaft Rittersdorf im Weimarer Land. Der Solarpark der Energiegenossenschaft ist seit zwei Jahren am Netz und hat im vergangenen Jahr 1,7 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt.

Direktvermarktung soll zuverlässige Rendite sichern

Panele eines Solarkraftwerkes (Symbolbild).
Solaranlage Bildrechte: IMAGO

Christopher Gieb vom Vorstand der Energiegenossenschaft Rittersdorf sagte MDR THÜRINGEN, der Liefervertrag für "Thüringer Landstrom" sichere den Mitgliedern der Genossenschaft langfristig das wirtschaftliche Auskommen. Mit den letzten drei Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hätten sich die Chancen für Bürgerenergie immer weiter verschlechtert. Die direkte Vermarktung über das Stromprodukt "Thüringer Landstrom" sei im Vergleich zur Einspeisung in das allgemeine Netz über das EEG die bessere Alternative, weil sie den 50 Mitgliedern der Energiegenossenschaft Rittersdorf ein zuverlässige Rendite sichere. Die Investoren des 1,7 Millionen Euro teuren Solarparks kommen aus Thüringen. Kleine Akteure wie Familien, Rentner, Studenten und eine Stiftung hatten 170.000 Euro Eigenkapital aufgebracht, um den Solarpark bauen zu können.

Anbieter hoffen auf weitere Genossenschaften

Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.000 Kilowattstunden reicht die Jahresproduktion des Solarparks Rittersdorf, um 500 Haushalte zu versorgen. Manuel Telle vom Vorstand der Bürger-Energie Thüringen-Sachsen e.G. sagte, das Ziel sei, einen stabilen Stamm von 5.000 Kunden für "Thüringer Landstrom" zu gewinnen. Über den Solarpark Ritterdorf hinaus sei man offen für jeden Betreiber, der Ökostrom aus einer Anlage im Freistaat für den "Thüringer Landstrom" zur Verfügung stellen wolle. Insbesondere für die in Thüringen bestehenden Bürgerenergiegenossenschaften biete das neue Stromprodukt die Möglichkeit einer zukunftssicheren direkten Vermarktung des erzeugten Ökostroms.

Mit "Thüringer Landstrom", so Telle, wolle man ganz gezielt Strom aus Anlagen, die Thüringer Bürgern gehören, in die Thüringer Haushalte bringen. Eine bundesweite Vermarktung des vollständig genossenschaftlich, regional und ökologisch erzeugten Stroms sei nicht geplant. Nach Angaben des Vereins BürgerEnergie Thüringen e.V. gibt es derzeit 37 Bürgerenergiegenossenschaften.

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2016, 20:17 Uhr

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1 Kommentar

15.02.2016 17:43 jochen 1

Geklaut ? Das war ein Raub von Kulturgut. Wenn es um deutsche kriegsbedingte Requirierungen geht, sind die Medien bei ihrer Wortwahl auch nicht zimperlich