Schwarz-Weiß-Foto: Blick auf ein Zeltlager. Im Vordergrund Rasen, im Hintergrund Wald
Das Pionierlager "Junge Garde" in Schalkau-Truckenthal ganz im Süden Thüringens wurde zum NVA-Lager "Rudi Arnstadt". Zu gefährlich war es für Kinder und Jugendliche so nah an der innerdeutschen Grenze. Bildrechte: Ferienpark Thüringer Wald

Thüringer Ferienorte früher und heute: Pionierlager in Schalkau-Truckenthal Frösche im Speisesaal: Pioniere, NVA und Asyl-Bewerber im Ferienpark

Die Hütten aus der DDR-Zeit gibt es noch. Manche sind saniert, manche nicht. Das Ost-Flair ist es, das viele Gäste heute in den Ferienpark "Thüringer Wald" in Schalkau-Truckenthal lockt.

von Cornelia Hartmann

Schwarz-Weiß-Foto: Blick auf ein Zeltlager. Im Vordergrund Rasen, im Hintergrund Wald
Das Pionierlager "Junge Garde" in Schalkau-Truckenthal ganz im Süden Thüringens wurde zum NVA-Lager "Rudi Arnstadt". Zu gefährlich war es für Kinder und Jugendliche so nah an der innerdeutschen Grenze. Bildrechte: Ferienpark Thüringer Wald

Kinderferienlager, Betriebsferienlager, Pionierlager – viele der DDR-Urlauberheime in den damaligen Bezirken Erfurt, Gera und Suhl gibt es heute nicht mehr. Einige sind heute Wanderherbergen oder Gästehäuser und nur wenige haben noch den Ferienlagercharakter von einst. So wie der Ferienpark "Thüringer Wald" in Schalkau-Truckenthal, ganz im Süden Thüringens.

Vom Ernst-Thälmann-Denkmal auf dem ehemaligen Appellplatz stehen nur noch die Grundmauern. Die Hütten aus der DDR-Zeit aber gibt es noch, 28 sind saniert, acht warten noch auf die Renovierung. Obwohl, oder vielleicht auch gerade, weil man auch im strömenden Regen die Hütten verlassen muss, wenn man auf die Toilette will, sind fast alle belegt. Mehr als 120 Gäste zählt Hausleiterin Dagmar Kolkmann-Lutz gegenwärtig.

Ferienorte früher und heute in Bildern

Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Es war eines der ersten FDGB-Ferienheime, das in der DDR neu gebaut wurde: das "Theo Neubauer" in Tabarz. Hier: Der denkmalgeschützte Altbau heute. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Es war eines der ersten FDGB-Ferienheime, das in der DDR neu gebaut wurde: das "Theo Neubauer" in Tabarz. Hier: Der denkmalgeschützte Altbau heute. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Etwas abseits vom Ort entstand am Waldrand ein langgezogener Bau. So sehen die Zimmer des heutigen Tagungshotels aus. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Rezeption damals und heute: Zu DDR-Zeiten erholten sich in Tabarz auch viele ausländische Gäste. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Das Ferienheim in Tabarz nach der Erweiterung von 1974: Der Eingang im neuen Zwischentrakt zwischen Alt- und Neubau. Bildrechte: Archiv
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Diese Archiv-Aufnahme des Speisesaales im Tabarzer FDGB-Heim "Theo Neubauer" stammt aus den 1950er-Jahren. Bildrechte: Archiv
Ehemaliges FDGB-Heim Theo Neubauer in Tabarz
Etwa um die gleiche Zeit wurde die Bar im Tabarzer FDGB-Heim "Theo Neubauer" fotografiert. Bildrechte: Archiv
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Das FDGB Heim "August Bebel" in Friedrichroda war mit rund 1.500 Betten das größte in Thüringen. Es eröffnete 1980. Bildrechte: Berghotel Betriebs GmbH und Co.
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Schon Ostern 1991, also nach nur rund drei Monaten Schließzeit, konnte das FDGB Heim "August Bebel" als "Berghotel Friedrichroda" wieder öffnen. Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Das einstige FDGB-Ferienheim August Bebel in Friedrichroda
Aufgrund seiner Bauweise und der exponierten Lage erhielt das FDGB-Heim "August Bebel" in Friedichroda schnell Spitznamen wie "Maya-Tempel" oder "Bienenkorb". Bildrechte: MDR/Heinz Diller
Blick auf ein Plattenbau-Hotel 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
1960 trainierte hier Täve Schur mit der Nationalmannschaft der Friedensfahrt, heute ... Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Eine Hotel-Rezeption im Stil des Jahres 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
... ist aus dem FDGB-Ferienheime "Frankenwald" in Wurzbach das Familienhotel "Aparthotel am Rennsteig" geworden. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Blick auf eine Hotelanlage mit Treppe,Spielplatz, Gebäude. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach im jahr 1996, heute Aparthotel am Rennsteig
Das einstige Wurzbacher FDGB-Heim "Frankenwald“ bis heute ein Urlaubshotel geblieben. Diese Aufnahme stammt von 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Blick in eine Hotelzimmer im jahr 1996. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Das "Frankenwald" in Wurzbach war das letzte FDGB-Heim, das in der DDR gebaut und 1985 eröffnet wurde. Hier: Ein Blick in ein Hotelzimmer im Jahr 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Weiß bezogene Betten auf rotem Teppich in einem Hotelzimmer. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig.
So sehen die Zimmer im heutigen "Aparthotel am Rennsteig" in Wurzbach aus. Bildrechte: Stefanie Reinhardt/ MDR
Blick in den Speisesaal eines Hotels 1996.  Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Der Speisesaal des früheren FDGB-Heims in Wurzbach 1996. Bildrechte: Aparthotel am Rennsteig
Der moderne Speisesaal eines Hotels mit Roten Stühlen und weißen Tischdecken. Es ist das einstige FDGB-Heim Wurzbach, heute Aparthotel am Rennsteig
Nach und nach modernisierte die Familie Neubeck aus Bayern das Hotel in Wurzbach. So sieht der Speisesaal des "Aparthotel am Rennsteig" heute aus. Bildrechte: Stefanie Reinhardt/ MDR
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In den 50er-Jahren standen auf dem 70.000 Quadratmeter großen Areal in unmittelbarer Nähe der deutsch-deutschen Grenze große Zelte. Das Pionierlager "Junge Garde" des Thüringischen Kunstfaserwerks "Wilhelm Pieck". Bis zu 800 Kinder verlebten hier ihre Ferien. Die Hütten wurden später gebaut, und – nachdem die Grenze dicht war, wurde aus dem Betriebspionierlager "Junge Garde" das NVA-Lager "Rudi Arnstadt".

Nach der Wende wurde das Lager zur Asylbewerberunterkunft, dann stand es vier Jahre leer. Es gab Pläne für ein Luxushotel, das nie gebaut wurde, das Gelände kam unter den Hammer. Ersteigert hat es 2002 der Vermögensverein der Marxistisch Leninistischen Partei Deutschlands.

Das Gelände war völlig verwildert, der Speisesaal ein Biotop, in dem die Frösche hüpften, sagt Andreas Eifler, der Initiator der Wiedergeburt. Wie in den 50er-Jahren gab es Subbotniks, um aus dem völlig verwilderten Gelände wieder ein Ferienlager zu machen. Die Jugendorganisationen der Partei, Rebell und Rotfüchse, kommen regelmäßig zu Sommercamps.

„Genau deshalb werden wir auch von manchen, Behörden und Menschen, misstrauisch beäugt", sagt Leiterin Dagmar Kolkmann-Lutz, die das Gelände zusammen mit einem Dutzend Mitstreiter von dem parteinahen Vermögensverein gepachtet hat. Dabei sei das Gästespektrum groß. Sportvereine, christliche Gruppen, Jugendvereine, aber auch Monteure der nahen ICE-Baustelle gehören zu den Gästen. Die meisten kommen regelmäßig hierher. Die Hütten, einfach eingerichtet, aber an eine Zentralheizung angeschlossen, kann man mit jeder Art von Verpflegung buchen.

Derzeit bietet das Ferienlager Platz für 180 Gäste. Fast doppelt so viele könnten es werden, sagt Dagmar Kolkmann-Lutz. Neuestes Projekt ist das "Haus der Solidarität" mit abgeschlossenen Wohnungen. Hier sollen auf Wunsch der Hausleitung Asylbewerber einziehen.

Auf die Frage, ob sie den Geist des Ferienlagers beibehalten will, sagt Kolkmann-Lutz: "Wenn es darum geht, zusammenzuhalten, gemeinsam für den Erhalt der Anlage einzustehen, dann ja. Kinder und Jugendliche bauen hier mit, das wird auch gewünscht von uns, auch Gäste können ihre Fachkenntnis einbringen."

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | Der Vormittag | 03.07.2017 | 09.00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2017, 21:40 Uhr

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