Asylantrag und ein Stempel mit der Aufschrift - abgelehnt -
Bildrechte: IMAGO

Asylverfahren in fünf Schritten Der Weg zum Asyl in Deutschland

"Politisch Verfolgte genießen Asylrecht." So steht es in Artikel 16a des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Dabei muss Gefahr für Leib und Leben bestehen oder die persönliche Freiheit des Betroffenen eingeschränkt sein. Ab wann das der Fall ist, entscheiden deutsche Behörden im Asylverfahren. Sie erteilen Aufenthaltsgenehmigungen oder Aufforderungen zur Ausreise. Das Ziel sind drei Monate. Derzeit dauert es bis dahin im Schnitt 5,3 Monate. Das ist schon um einiges schneller als 2014, als die Behörden durchschnittlich 7,1 Monate brauchten.

Asylantrag und ein Stempel mit der Aufschrift - abgelehnt -
Bildrechte: IMAGO

1. Der Weg zur Erstaufnahmeeinrichtung

Ein Ausländer, der in Deutschland Schutz vor Verfolgung sucht, muss sich als Asylsuchender melden. Hierzu muss er sich zunächst persönlich an eine Erstaufnahmeeinrichtung wenden. Praktisch können sich Flüchtlinge auch über offizielle Stellen wie zum Beispiel der Polizei oder bei der Ausländerbehörde melden und werden dort weiter verwiesen.

In Sachsen befindet sich die Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz. Heime für Neuankömmlinge liegen üblicherweise auf einem großen, oft eingezäuntes Gelände mit Polizei, Arzt, Kantine und Schlafsälen für viele Personen. In welches Bundesland ein Asylsuchender kommt, richtet sich nach einem speziellen Verteilungsschlüssel (dem sogenannten Königsteiner Schlüssel).

2. Asylantrag

In der Erstaufnahme angekommen, wird der Asylantrag gestellt. Vom Antragsteller werden Fingerabdrücke genommen sowie Lichtbilder gemacht. Von der Asylbehörde werden Flüchtlinge über ihre Fluchtgründe befragt. Sie erhalten eine Aufenthaltsgestattung, die ihnen erlaubt, in Deutschland zu bleiben, bis über den Asylantrag entschieden ist. Ergibt der Abgleich mit europäischen Datenbanken, dass ein Flüchtling in einem anderen EU-Staat als erstes nach Europa eingereist ist und dort registriert wurde, bearbeiten die deutschen Behörden den Antrag nicht weiter, sondern schicken den Betroffenen möglichst schnell in das jeweilige EU-Land zurück.

3. Umzug in Stadt oder Landkreis

Nach rund drei Monaten in der Erstaufnahmeeinrichtung werden die Flüchtlinge - streng nach der vom Computer ermittelten Quote - einer bestimmten Stadt oder einem Landkreis zugewiesen. Manche Flüchtlinge bitten darum, dort untergebracht zu werden, wo bereits Verwandte leben. Darauf muss aber nur bei Ehepartnern und minderjährigen Kindern Rücksicht genommen werden. Die Unterbringung ist - je nach Ort - unterschiedlich: Mal ist es dezentral in einer eigenen Wohnung, mal ist es ein Bett in einem Asylbewerberheim.

4. Anhörung

Bei der Anhörung müssen Flüchtlinge einem Bediensteten des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge alle Gründe für ihren Asylantrag mündlich vortragen. Der Asylbewerber soll schildern, warum er verfolgt wird und Tatsachen über seine Verfolgung nennen. Wenn möglich, soll er Beweismaterial vorlegen. Dies ist die zentrale Grundlage für eine Anerkennung oder Ablehnung.

Wenn das Bundesamt einen Asylantrag erhält, entscheidet es zunächst, ob überhaupt ein Asylverfahren durchgeführt wird. Etwa ein Drittel aller Asylanträge wird nach Angaben von "Pro Asyl" gar nicht erst inhaltlich geprüft.

5. Asyl, Abschiebung oder "Duldung"

Lehnt das BAMF einen Asylantrag ab, kann der Flüchtling dagegen vor dem Verwaltungsgericht klagen. Meist ist er dabei auf die Hilfe eines Rechtsanwaltes angewiesen, der sich im Asylrecht gut auskennt.

Kann ein Mensch aber gerade nicht abgeschoben werden, weil er beispielsweise keinen Pass hat oder krank ist, darf er vorläufig bleiben und wohnt weiterhin im Asylbewerberheim. Er erhält vom Bundesamt eine Duldung. Dies gilt auch für Minderjährige, die ohne Erwachsene auf der Flucht sind. Derzeit gibt es rund 125.000 Geduldete in Deutschland. Geduldete Asylbewerber dürfen bislang erst nach einem Jahr Wartezeit arbeiten, allerdings nur mit Genehmigung der Arbeitsagentur.

Wenn der Asylantrag genehmigt wird, können Asylberechtigte aus den Heimen ausziehen und auch arbeiten. Allerdings gilt hier die Vorrangsregel: Kann ein Deutscher den Job machen, muss ein Asylbewerber hinten anstehen.


Quellen: Landesdirektion Sachsen; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge; Pro Asyl; Bayerischer Rundfunk

Dürfen Asylbewerber einer Erwerbstätigkeit nachgehen? Bisher mussten Asylbewerber 9 Monate und Geduldete ein Jahr warten, bis sie eine Arbeit annehmen durften. Nun soll das schon nach drei Monaten gehen. Bis zum 15. Monat gibt es aber immer noch die "Vorrangprüfung", bei der kontrolliert wird, ob es nicht auch einen gleichqualifizierten deutschen Bewerber für die Stelle gibt.

Recht auf einen Deutschkurs haben Asylbewerber allerdings erst nach neun Monaten des Aufenthalts in der Bundesrepublik.

Einreise über "sicheres Drittland" Kommen Flüchtlinge auf dem Weg nach Deutschland durch ein "sicheres Drittland", beispielsweise Österreich, sind sie nicht asylberechtigt und dürfen nicht in Deutschland bleiben. Sie müssen nach der "Dublin-Verordnung" in Österreich Asyl beantragen.

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2017, 10:18 Uhr