Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer.
Kann eine Gebietsreform gegen den Lehrermangel helfen? Thüringes Ministerpräsident Ramelow meint ja, aus Sachsen und Sachsen-Anhalt kommen andere Meinungen. Bildrechte: dpa

Kreisgebietsreform in Thüringen Kann eine Gebietsreform gegen den Lehrermangel helfen?

Die Kreisgebietsreform in Thüringen soll kommen - aber erst 2021. Trotz Zeitaufschub bleibt sie umstritten. Die Landesregierung wirbt aber weiter um Zustimmung, zum Beispiel mit der These von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow: die Gebietsreform könne gegen dem akuten Lehrermangel begegnen. Doch genau das lässt sich in Sachsen und Sachsen-Anhalt, die bereits Kreisgebietsreformen hinter sich haben, so nicht belegen.

von Manuela Lonitz, MDR AKTUELL

Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer.
Kann eine Gebietsreform gegen den Lehrermangel helfen? Thüringes Ministerpräsident Ramelow meint ja, aus Sachsen und Sachsen-Anhalt kommen andere Meinungen. Bildrechte: dpa

Sachsen hatte seine Gebietsreform 2008. Dabei entstand auch der große Landkreis Leipzig. Hier sei die Versorgung der Schulen mit Lehrern durchaus angespannt, heißt es auf Nachfrage von MDR AKTUELL aus dem Landratsamt. Zum Teil bedürfe es großer Anstrengungen, die offenen Stellen zu besetzen oder zu kompensieren. Eine Beziehung zwischen der Kreisgebietsreform und der Lehrerversorgung in den Schulen könne aus der Perspektive des Landkreises nicht hergestellt werden. Stattdessen profitiere man bei der Lehrergewinnung von der Randlage zur Stadt Leipzig und dem besser werdenden Nahverkehr.

ifo-Institut: Kein Zusammenhang

Demo in Sonneberg
Nicht nur in Sonneberg haben die Menschen gegen die umstrittene Gebietsreform protestiert. Bildrechte: MDR/Bert Weber

Dass durch Gebietsreformen Einsparungen möglich sind und die Verwaltungen effizienter werden, hat Felix Rösel vom ifo-Institut in Dresden mit seiner Studie widerlegt. Die Zahl der Lehrer bemesse sich natürlich an der Zahl der Schüler und die Zahl der Schüler werde dadurch nicht weniger, dass man Kreise und Gemeinden zusammenlege. Außerdem sei für die Zahl der Lehrer eher das Land zuständig und müsste da seine Hausaufgaben machen. Ein Zusammenhang zu einer Gebietsreform sei da nicht so richtig zu erkennen.

Keine Effekte in Sachsen-Anhalt

Andreas Siegert befasst sich mit dem Fachkräftemangel im ländlichen Raum gleich in zweifacher Perspektive – als Wissenschaftler am Zentrum für Sozialforschung in Halle und als betroffener Vater. Er war Vorsitzender des Kreiselternrates im Saalekreis. Hier sei die Unterrichtsversorgung in den letzten Jahren immer schlechter geworden, trotz größerer Kreise. Siegert sagt: "Das Einzige, was eben noch als Nachteil dazu kam, die Schüler haben entsetzlich lange Schulwege. Teilweise können die nicht mehr in Sporteinrichtungen gehen, kein Musikinstrument mehr lernen, die freiwillige Feuerwehr nicht mehr bereichern. Alles das sind ja Folgen einer völlig verfehlten Schulentwicklungsplanung, die wir in Sachsen-Anhalt haben. Die eben auch Ergebnis dieser Kreiszusammenlegungen war."

Thüringentrend infratest-dimap zu Gebietsreform in Thüringen
Klare Ergebnisse: Ein Großteil der Thüringer lehnt die anstehende Gebietsreform ab. Bildrechte: infratest-dimap/MDR

Als die Kreise hier aber fusionierten, sprach man in Sachsen-Anhalt noch von Lehrerüberhang. Mittlerweile müsste man hier sofort 800 neue Lehrer einstellen, um überhaupt Land zu sehen, sagt Torsten Richter von der Lehrergewerkschaft GEW. Eine Gebietsreform hätte aus seiner Sicht allenfalls marginale Effekte. "Ja, ich könnte mir vorstellen, dass jetzt verschiedene Landkreise Schulen haben, die sehr dicht beieinander liegen, die dann durch eine Landkreisfusion eventuell auch fusionieren könnten. Und wenn man zwei Schulen fusioniert, braucht man erfahrungsgemäß ein paar Lehrer weniger - aber das war es dann schon."

Zusammengelegte Schulen lösen nicht Problem

Nun hat Thüringen allerdings eine viel kleinteiligere Schullandschaft als Sachsen-Anhalt, vor allem noch viel mehr kleine Dorfschulen und dadurch einen höheren Verbrauch an Lehren. Doch zusammengelegte Schulen würden trotzdem nur einen ganz kleinen Teil des Problems Lehrermangel lösen, heißt es auch von der GEW in Thüringen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.08.2017 | 06:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2017, 10:51 Uhr

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9 Kommentare

18.08.2017 20:41 Ostthüringer 9

@ Untermensch: Mal Hand auf´s Herz! Glauben Sie denn den Blödsinn, den Sie hier gebetsmühlenartig
immer wieder wiederholen? Glauben Sie allen Ernstes, dass, falls sich diese Reform, wider jeder Vernunft und besseren Wissens, noch irgendwie durchmogeln sollte, dass für die Bürger auch nur irgenwas besser wird. Mag sein, dass es dann weniger Bürgermeister gibt, doch die sind dann alle hauptamtlich und erhalten ein Vielfaches der jetzigen Ehrenamtlichen, so dass sich unterm Strich nichts ändern wird, ausser, dass die Hauptamtlichen weit weg sind und dann oftmals keine Ahnung von den Problemen keine Ahnung haben, um nur mal ein Bsp. zu nennen. Versuchen Sie es doch mal mit Nachdenken, bevor Sie was von sich geben!

18.08.2017 12:55 mueller 8

Die Zuweisungen von Lehrern an die Schulen richtet sich nach der Anzahl der Schüler. Ob man eine "kleine Schule" erhält, entscheidet allein der politische Wille beim Schulträger (Landreis oder Stadt) und das Schulamt, das sagt, ob das ganze personell machbar ist. Mit einer Kreisgrenze oder Kreisgröße hat das überhaupt nichts zu tun.
Die Schülerzahl steht und ändert sich nicht mit dem ziehen neuer Kreisgrenzen. Außerdem haben die 5 Schulämter ohnehin eine ganz andere Aufteilung als die Kreise.
Hat da etwa einer keiner Ahnung von dem was er da erzählt???

18.08.2017 06:48 Steuerzahler 7

@4: Glauben Sie wirklich diese Sülze die R2G da verzapft? Sie sagen, dass dann Geld gespart würde, weil es weniger Bürgermeister gebe ...
Haben Sie eigentlich schon mal davon gehört, dass die meisten Bürgermeister ehrenamtlich tätig sind?
Das die "fetten Posten" abgeschafft werden durch R2G brauchen Sie nicht zu hoffen - im Gegenteil, R2G will ja jetzt sogar noch einen zusätzlichen Staatssekretärsposten einrichten. Zu dessen Lohn von mindestens 10000 € kommen dann noch die Kosten für Dienstwagen, Fahrer, Sekreteriat, assistierende Mitarbeiter ... könnte also schon so durchaus 30000 bis 40000 € monatlich kosten. Genau das ist das Geld was dann später für Bildung zur Verfügung steht. Verstanden?
O.K. - noch mal: Wenn R2G jetzt den Landeshaushalt auf 10,5 Mrd.€ aufbläht, im letzten Jahr CDU/SPD waren es 9 Mrd€ glauben Sie immernoch daran, dass in der Zukunft (mehr) Geld für Bildung da sei ...

17.08.2017 23:04 Thüringer Original 6

Sehr geehrter MDR,
bei diesem Artikel wünsche ich mir mehr journalistische Qualität. Wenn behauptet wird, dass der MP von Thüringen dies behauptet hat, dann kann man ja angeben, wann und wo dies behauptet wurde. Sogenannte Quellenangabe.

17.08.2017 17:28 Quantix 5

@Untermensch aus Dunkeldeutschland: Interessant, sie sagen "Gebietsreform" und meinen "Verwaltungsreform". Genau das wollte RRG immer: Das der Bürger am Ende glaubt, nur die Kreiszusammenlegung macht die Ämter "effektiver". Aber das ist wissenschaftlich widerlegt - im Gegensatz dazu tut eine Verwaltungsreform richtig weh und macht echte Arbeit. Aber Fleiß scheint keine Eigenschaft dieser Regierung zu sein.

17.08.2017 15:08 Untermensch aus Dunkeldeutschland 4

Natürlich hilft eione Gebitesreform. Das Geld, was heute für überflüssige Verwaltungen verprasst wird, steht ja dann für wirklich wichtige Dinge zur Verfügung. Das Problem nur, dafür müssten dann mehrere Bürgermeister und Landräte arbeiten gehen. Aber was zählt schon das Gemeinwohl, wenn die eigene soz. Hängematte auf dem Spiel steht.

17.08.2017 11:51 Frauke Garstig 3

Guter Witz, von Sachsen und Sachsen-Anhalt bildungspolitisch lernen?! Beide CDU-Bildunsminister der besagten Länder sollten erstmal in ihren Ministerien und verwalteten Schulen kehren und sanieren! In Sachsen-Anhalt werden junge Lehrerinnen vor Klassen mit 30 Migranten in Abrissschulen gestellt und sollen die desaströse Flüchtlingspolitik der CDU ausbügeln und in Sachsen wird der Landeshaushalt auf Kosten der Lehrer saniert!

17.08.2017 09:48 Wachtmeister Dimpfelmoser 2

Kann man nicht ganz Deutschland zu einem Kreis zusammenfusionieren? Dann hätten wir ja nach der Theorie von Herrn Ramelow vielleicht sogar Lehrerüberschuss. Aber ganz im Ernst: Die Anzahl der notwendigen Lehrer muss sich doch an der Zahl der zu erwartenden Schüler je Klassenstufe orientieren. Ab der Einschulung rutscht diese fast konstant nach oben, und die Zahl der Einzuschulenden ist ebenfalls ziemlich genau eruierbar - vorausgesetzt, es herrschen geordnete Verhältnisse im Land, und irgendjemand in irgendeinem Ministerium kann zählen, addieren und eine Lehrer-pro-Schüler-Verhältnisgleichung lösen und daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Aber für Bodo Ramelow ist seine avisierte Kreisgebietsreform das Panazee für alle Probleme, seine heilige Kuh quasi; daher derart unsinnige Aussagen.

17.08.2017 09:06 Vorausschau macht gute Politik! 1

Vorausschauend denken, leben, arbeiten, das macht gute Politik aus. Es funktioniert im Kleinen und im Großen.