Stadtratsbeschluss Suhl will mit Oberhof über Fusion verhandeln

von Bert Weber

Die Stadt Suhl will Fusionsverhandlungen mit dem Wintersport- und Tourismusort Oberhof aufnehmen. Das hat der Stadtrat am Mittwochabend einstimmig beschlossen. Auch der Oberhofer Bürgermeister Thomas Schulz, der als Gast an der Ratssitzung teilnahm, warb für die Ehe beider Städte. Ob Verhandlungen aufgenommen werden, hängt nun noch vom Oberhofer Stadtrat ab. Er will darüber am 24. Januar entscheiden.

Der Suhler Oberbürgermeister Jens Triebel hatte während der Debatte im Stadtrat eindringlich darum geworben, seine Stadt zu stärken. In mehreren Einwohnerversammlungen in Nachbargemeinden schlage ihm Verständnis entgegen, wenn er für Eingliederungen werbe. Es gebe aber auch "vehemente Abwehrschlachten", so Triebel. Konkrete Beispiele nannte er nicht. Jedoch will beispielsweise die Einheitsgemeinde St. Kilian, die an Suhl grenzt, mit Schleusingen und Nahetal-Waldau ein Dreierbündnis eingehen.

"Ländlicher Raum braucht leistungsfähige Stadt"

Jens Triebel
Warb in der Sitzung vehement für eine Fusion: Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

"Wenn es für Südthüringen eine Chance geben soll, dann nur gemeinsam", rief Triebel den Stadträten zu und erntete dafür Beifall. Der ländliche Raum brauche eine leistungsfähige Stadt. Oberhof und Suhl gemeinsam realisieren laut Oberbürgermeister zwei Drittel aller Übernachtungen in der Biosphärenregion Vessertal. "Ich werbe dafür, dass auch die Gemeinden im mittleren Rennsteig - von Schmiedefeld bis Frauenwald - zu uns kommen", so Triebel. Frauenwald etwa hatte bereits Interesse signalisiert.

Ähnlich äußerte sich der Oberhofer Bürgermeister. "Mir ist es heute völlig egal, ob Suhl zu DDR-Zeiten Bezirkshauptstadt war", sagte Thomas Schulz und bekam dafür Applaus. Heute gehe es um den Stellenwert der größten Südthüringer Stadt, es gehe um Schulen, Straßen, Arbeitsplätze und Kultur. "Sagen Sie mir, wo Kultur stattfindet. In Oberhof nicht, in Benshausen nicht, in Viernau nicht. Nur in Suhl", rief Schulz und nannte Zella-Mehlis bewusst nicht.

Viel Zustimmung auch in Oberhof

Für seinen Ort sei es nicht wichtig, welcher Fusionspartner das meiste Geld habe, sondern es gehe darum, wo der Tourismus die besten Entwicklungschancen habe. "Die Gebietsreform bietet jetzt die große Chance für Gespräche - ohne Emotionen, dafür aber mit großer Sachlichkeit", sagte Schulz.

Dabei weiß er sich eins mit dem Oberhofer Gewerbeverein. Der hatte kürzlich in einem Aufruf für die Städte-Ehe mit Suhl geworben. Daher gehen alle Beobachter davon aus, dass auch der Oberhofer Stadtrat am 24. Januar den Fusionsverhandlungen zustimmen wird. Sollte sich Oberhof tatsächlich nach Suhl eingliedern lassen, wird die Eigenständigkeit von Zella-Mehlis immer unwahrscheinlicher. Stellt man sich die drei Städte wie einen Hamburger vor, bilden Suhl und Oberhof die Brötchenhälften, Zella-Mehlis liegt als Hackfleisch dazwischen.

Zuschauer in Oberhof in dichtem Schneetreiben.
Thüringens Wintersport-Hochburg Oberhof Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Weil auch die Landesregierung die Fusion aller drei Städte wünscht, ist davon auszugehen, dass die Städte-Ehe zwischen Suhl und Oberhof in Erfurt auf offene Ohren stoßen wird. In Zella-Mehlis hingegen dürfte sie für jede Menge Frust sorgen. Nach der Bürgerversammlung vergangene Woche in Zella-Mehlis, als zwei Staatssekretäre erstmals offen für das Südthüringer Dreierbündnis warben, will sich jetzt eine Bürgerinitiative gründen mit dem Ziel, die Fusion mit Suhl zu verhindern. Auch Bürgermeister Richard Rossel hatte klar gemacht, was er von der Ehe mit Suhl hält, als er sagte: "Kooperation auf allen Ebenen ja. Aber über eine Fusion können wir in vielleicht 50 oder 100 Jahren reden."

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2017, 20:02 Uhr

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8 Kommentare

20.01.2017 13:26 Meininger 8

Also wenn Oberhof meint diesen Weg gehen zu müssen, dann bitte. Dennoch würde ich den LK SM einbinden, dieser hat immerhin auch noch ein kleines Wörtchen mitzureden. Und an Suhl: Ihr wisst, dass ihr euch somit für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen entscheidet? Wir werden Oberhof sicherlich nicht hergeben, soviel sei mal gesagt! (Und da bin ich sehr zuversichtlich, dass unser Landrat das zu 100% genau so sieht)

19.01.2017 19:36 Thüringer Original 7

Sehr geehrter Bürger, ich fühle mich angesprochen und möchte das Mittel der Diskussion gerne nutzen. Ich komme nicht aus der Suhler Gegend, aber das Schema ist in meiner Region ähnlich. Aus Ihrer Sicht, kann man der Fusion gelassen entgegensehen. Sie wohnen in der Kommune, die eher von der Fusion profitiert. Die Oberhofer aber werden weniger Souveränität haben. Sie werden sehen, dass man kein mehr an Kultur erhalten wird, eher weniger. Sehen, dass man im Einwohnermeldeamt länger braucht. Sehen, dass die Gelder in Suhl investiert werden. Der Bürgermeister und die Stadträte weiter entfernt sind. Die Probleme nicht nachvollziehen können. Und das tolle, wenn die Kommunen durch die Fusion sparsamer werden sollten, wird Ihnen das Land weitere Aufgaben, die Geld kosten, aufs Auge drücken. Rosige Zukunft.