MDR THÜRINGEN - Sommerinterview Bausewein gegen Große Koalition im Bund

Anderthalb Monate vor der Bundestagswahl hat sich Thüringens SPD-Chef Andreas Bausewein gegen eine weitere Große Koalition in Berlin ausgesprochen. Bausewein sagte im MDR THÜRINGEN-Sommerinterview, der SPD habe es noch nie gut getan, Juniorpartner in einer Großen Koalition zu sein. Sollte sich diese Frage nach der Bundestagswahl am 24. September stellen, dann "wäre ich auf jeden Fall nicht dafür".

Der Thüringer SPD-Landesvorsitzende und Oberbürgermeister von Erfurt, Andreas Bausewein, im MDR-Sommerinterview im Japanischen Garten des egapark Erfurt
Der Thüringer SPD-Landesvorsitzende und Oberbürgermeister von Erfurt, Andreas Bausewein, im MDR-Sommerinterview im Japanischen Garten des egapark Erfurt Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Bausewein schränkte aber ein, dass das Wahlergebnis eine Situation schaffen könnte, in der sich die SPD nicht verweigern könne. Viele Thüringer Sozialdemokraten wären nach der Wahlniederlage von 2014 lieber in die Opposition gegangen, hätten sich aber dann doch für eine Koalition mit Linken und Grünen entschieden, denn "ohne die SPD hat nichts funktioniert". Wie fatal sich eine Große Koalition auswirken könne, zeigten auch die schlechten aktuellen Umfragewerte der SPD. Außerdem habe seine Partei den anfänglichen Umfragen-Höhenflug von Kanzlerkandidat Martin Schulz nicht genutzt. So habe sich der Kandidat in seinen ersten Wochen mit Rücksicht auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen programmatisch sehr zurückgehalten, beklagte Bausewein im MDR Sommerinterview - "da wurden auch taktische Fehler gemacht." Die SPD habe ihre eigenen Vorstellungen von der Zukunft der Bundesrepublik viel zu spät präsentiert.

Mit Blick auf die aktuelle Debatte zur Gebietsreform zeigte sich der SPD-Landeschef und Oberbürgermeister von Erfurt vorsichtig optimistisch. Er hoffe, dass die Kreisgebietsreform noch bis zur nächsten Landtagswahl umgesetzt werden könne. Die Koalition prüfe gerade, ob dies noch möglich sei. "Wir müssen einfach schauen, in welcher Zeitschiene ist was möglich." Dazu müssten die Verantwortlichen in der Koalition "sich realistisch tief in die Augen schauen."

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 06.08.2017 | Nachrichten | 06:00 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06.08.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2017, 12:06 Uhr

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21 Kommentare

07.08.2017 12:09 Stefan (Der) 21

@18.REXt: Und mir wem soll Ihrer Meinung nach die CDU regieren. Mit Bernds blauer Truppe? Das hat der Mike nicht drauf.

Es sei nochmal und immer wieder daran erinnert, dass die Gebietsreform unumgänglich ist. R2G hat dafür gesorgt, dass die Komunen ein Mitspracherecht hätten. Das wird es unter Mike nicht mehr geben. Er wird es so durchdrücken, wie er will und es wird, aufgrund der Zerstrittenheit der Opposition, keine Gegenwehr geben. Da muss man kein Prophet sein.
Herr Bausewein wurde als Thüringens SPD- Chef befragt. Da darf er natürlich auch Stellung beziehen zum Bund.

07.08.2017 09:11 Willma Einssagen 20

Ich habe selten so viele dumme Argumente in einem einzigen Interview gehört. Erstens: Juniorpartner in einer großen Koalition zu sein tut der SPD angeblich nicht. Was Bausewein verschweigt: Als Juniorpartner in einer rot-rot-grünen Koalition kommt die SPD in Thüringen seit drei Jahren nicht aus ihrem historischen Tief heraus. Zweitens: Ohne die SPD hat 2014 angeblich in Thüringen "nichts funktioniert". Mit SPD funktioniert aber auch nichts - siehe Gebietsreform. Und schließlich: Für die Gebietsreform noch in dieser Legislatur müssten sich alle nur "tief in die Augen" schauen. Lieber Herr Bausewein, wie wäre es stattdessen, endlich mit dem Pfuschen aufzuhören und ein gutes, mehrheitsfähiges Konzept vorzulegen? Ich glaube, Sie zeigen nicht mehr lange auf andere. Nächstes Jahr ist Abwahl angesagt. Zum Glück!

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