Tipps für die Stimmabgabe Ein Smiley macht den Stimmzettel ungültig

von Ulli Sondermann-Becker

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose - das kennen wir. Aber was bitteschön genau ist ein Kreuz? Ein Kreuz, das zweifelsfrei die Stimmabgabe für einen Bewerber bei den Thüringer Kommunalwahlen am nächsten Sonntag markiert? "Also ein Smiley auf dem Stimmzettel gilt schon mal nicht als Kreuz", sagt Christian Stadali, Chef vom Wahllokal "Landenberger-Schule III" in Weimar. "Die Entscheidung des Wählers muss klar und eindeutig zu erkennen sein." Und deshalb ist es vielleicht lustig, den Kandidaten seiner Wahl mit einem Grinsgesicht zu kennzeichnen, "aber den Wählerwillen kann ich so beim besten Willen nicht erkennen." Der Stimmzettel ist dann ungültig. "Aber jetzt mal Spaß beiseite: Hakenkreuze zum Ankreuzen gehen auch nicht." Durchstreichen von einzelnen Namen? Unter Umständen zulässig. Handschriftliche Kommentare auf dem Stimmzettel? Machen ihn ungültig. "So Kommentare nach dem Motto: Sind alle sowieso doof!!" Stadali ist einer von 61 ehrenamtlichen Wahlvorständen in Weimar und hat gerade eine gründliche Schulung hinter sich.

"Das Votum muss eindeutig erkennbar sein"

Es ist also gar nicht so einfach. Wenn die Wahllokale am nächsten Sonntag um 18 Uhr schließen, dann geht die Arbeit für Stadali und seine acht Wahlhelfer erst los. Zuerst wird die Europawahl ausgezählt. "Einfach", sagt der 43-Jährige, im Hauptberuf selbstständiger Kommunikationsberater. "Pro Partei eine Stimme, das Zählen schaffen wir mit links". Für jede Partei beziehungsweise Wahlvorschlag ein Häufchen - Unterschrift, fertig. Dann sind die Ortsteilbürgermeister dran, und da wird‘s schon ein bisschen komplizierter. In den meisten Weimarer Ortsteilen hat sich nämlich nur ein Kandidat gemeldet und steht auf dem Stimmzettel. Weil "Wahl" aber von "Auswählen" kommt, erlaubt das Thüringer Kommunalwahlgesetz in diesem Fall, auch einen anderen Namen auf den Stimmzettel zu schreiben. Aber auch hier gilt: Das Votum muss eindeutig erkennbar sein. "Die größten Schwierigkeiten fangen beide mit S an", erklärt Stadali: "Sauklaue oder Sütterlin. Oder beides".

Zähe Stunden im Wahllokal

Über solche Probleme kann Monika Kempf-Mehlhorn nur lachen. Ihr Dorf, Kleinbockedra im Saale-Holzland-Kreis, hat nur 37  Einwohner und 30 davon sind wahlberechtigt - Bürgermeisterin Kempf-Mehlhorn kennt ihre Pappenheimer alle persönlich. Das ist auch gut so, denn in der kleinsten politisch selbstständigen Gemeinde Thüringens gibt es überhaupt keine Wahlvorschläge. Weil ein Gemeinderat in Thüringen aber mindestens sechs Sitze haben muss, darf der Wahlbürger in Kleinbockedra bis zu sechs Namen seiner Wahl auf den Stimmzettel schreiben. Die Wahlhelfer müssen dann auszählen, welche sechs Mitbürger die meisten Stimmen bekommen haben. "Hat bisher immer prima geklappt", sagt Kempf-Mehlhorn voller Selbstbewusstsein. Als Wahlvorstand hat sie ganz andere Probleme: "Auch wenn bei uns nur wenige Menschen kommen, muss das Wahllokal natürlich bis 18 Uhr geöffnet sein." Zähe Stunden zwischen 8 und 18 Uhr verbringt die Wahlcrew mit Karten spielen, Kaffee trinken oder Däumchen drehen. "Nachmittags habe ich Kuchen bestellt."

Wähler können bei Auszählung der Stimmen dabei sein

In Weimar rechnet Wahlvorstand Stadali mit Andrang bis zum Schluss. Kleine Abwechslungen bringen Erstwähler ("Für die gibt‘s bei uns Süßigkeiten!") oder Geburtstagskinder ("Wer am Sonntag Geburtstag hat und trotzdem wählen geht, der bekommt Blumen geschenkt. Hat die Stadt organisiert.") Aber auch beim Auszählen nach 18 Uhr werden die Wahlhelfer wohl nicht ganz alleine sein. "Es gibt immer wieder Menschen, die bei der Auszählung zuschauen", berichtet Stadali aus der Erfahrung von früheren Wahlen. Dieses Recht, das bei der letzten Kommunalwahl in der DDR vor fast genau 25 Jahren richtig berühmt wurde, steht jedem Wahlbürger zu. Wer also aus erster Hand wissen möchte, wie Europa-, Ortteilbürgermeister-, Ortsteilrats-, Kommunal- oder Kreistagswahl direkt vor Ort ausgegangen sind, der findet sich um 18 Uhr zur Auszählung im Wahllokal ein und macht sich selbst ein Bild.

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2014, 10:18 Uhr

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7 Kommentare

22.05.2014 10:53 USB 7

@noch ne Frage:

Lieber User,
im Wahllokal "Landenberger III" bekommen die Damen im Wahlteam am Abend die übrig gebliebenen Blumen geschenkt. Aber vielleicht ist das in anderen Wahllokalean anders?

22.05.2014 08:43 noch ne Frage 6


@MDR: Was passiert eigentlich mit den Blumen für die Geburtstagskinder, die am Ende des Wahltages übrig sind? Lohnt es sich, nach 18 Uhr mal nachzufragen?
Das wär' doch schade ....