Eisenach NPD wirbt mit Luther und Bach

In Eisenach wirbt die NPD im Kommunalwahlkampf mit den berühmtesten Söhnen der Stadt: Martin Luther und Johann Sebastian Bach. Das sorgt für verärgerte Bürger und Gegenaktionen.

von Johanna Hemkentokrax, MDR INFO

Was haben Luther und Bach mit der NPD zu tun?

Neben den Kandidaten der bürgerlichen Parteien blicken auch sie von den Eisenacher Laternenpfählen: Martin Luther und Johann Sebastian Bach. Mit ihnen wird nicht für Konzerte oder Ausstellungen geworben, sondern für die NPD. "Wir wählen richtig", heißt es auf den Plakaten. Die Partei setzt auf die lokalen Berühmtheiten. Martin Luther verfasste seine Bibelübersetzung in Eisenach, Bach wurde hier geboren.

Auf den NPD-Plakaten haben die beiden trotzdem nichts zu suchen, meint Christhardt Wagner, Oberkirchenrat der evangelischen Kirchen in Thüringen: "Den Missbrauch dieser beiden evangelischen Geistesgrößen in Zusammenhang mit einer NPD-Werbung empfinde ich als perfide. Ich finde es geschmacklos, respektlos, geschichtslos."

NPD will Bekanntheit der Persönlichkeiten nutzen

Die NPD Thüringen weist Kritik an der Plakat-Aktion auf Anfrage von MDR INFO von sich: Die Plakate sollten Heimatverbundenheit und Identifikation mit der Stadt und ihrer Tradition unterstreichen. 400 Exemplare seien gedruckt, der Großteil bereits verteilt worden. Jeder Eisenacher würde Bach und Luther kennen. Warum sollte man diesen Bekanntheitsgrad nicht nutzen...

Oberkirchenrat Wagner aus Erfurt sieht das anders: "Die deutschen Christen und die Nazis haben schwierige Passagen, die bei Martin Luther zu finden sind, aufgenommen und für ihre Zwecke brutal missbraucht. Sie haben Luther, der eine riesen Bandbreite hat, auf eine einzige Position verengt. Und das wird hier wiederholt."

Leiter des Lutherhauses startet bunte Gegenaktion

Jochen Birkenmeier, der Leiter des Lutherhauses, wollte sich das nicht gefallen lassen: "Ich hab das am Bahnhof gesehen, wo ich immer ausgestiegen bin in Eisenach und hab gedacht, das kann eigentlich nicht sein, dass man eben Luther und Bach dann für rechtsextreme Zwecke missbraucht. Die NPD zeigt die Beiden ja nicht nur auf dem Plakat, sondern sie schreibt ja auch dazu "Wir wählen richtig" und suggeriert ja damit, dass Luther und Bach die NPD gewählt hätten. Das ist natürlich schon historisch ganz grob daneben. Es ist aber auch Teil einer Strategie, die schon in der Vergangenheit benutzt wurde. Nationalisten, Antisemiten und Nationalsozialisten haben immer versucht, gerade die großen Geistesheroen der Zeit für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Und die NPD stellt sich jetzt in diese sehr unselige Tradition."

Um Luther und Bach zu verteidigen, entschloss sich Birkenmeier zu kreativem Gegenprotest: "Ich hab auch mit dem Kollegen vom Bachhaus gesprochen und wir haben dann beschlossen, wir machen bei dieser überparteilichen Aktion mit. Mir war wichtig, gegen den Luther auf dem NPD-Plakat einen bunten Luther zu setzen, um damit zu zeigen, dass Luther eben kein Brauner war, sondern durchaus ein Bunter und dass man ihn auch nicht vereinnahmen kann. Außerdem wollten wir deutlich zu machen, dass man allgemein von seinem Wahlrecht Gebrauch machen sollte und vor allen Dingen auch demokratische Parteien wählen sollte."

"Luther würde sich im Grabe rumdrehen!"

Doch was sagen die Thüringer auf der Straße zu den berühmten Köpfen auf den Plakaten der Rechtsextremen? Sie scheinen sich einig zu sein: "Ich brauche die NPD überhaupt gar nicht, ganz schrecklich." So ein junger Mann. Eine ältere Frau sagt: "Ich habe sowieso was gegen die NPD. Mir wär es egal, selbst wenn sie mit Engeln werben würden - weil das nicht hinhaut." Ein anderer Mann meint: "Nicht wählbar, auch nicht mit Luther - der würde sich im Grabe rumdrehen."

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2014, 05:00 Uhr