Thüringen | #r2g "Kein Bündnis mit den Kommunisten!"

Stefan Sandmann, SPD-Ortsvorsitzender in Ilmenau ist nicht der einzige, der sich gegen eine rotrotgrüne Regierung stemmt, doch inzwischen ist er fast schon zur Gallionsfigur geworden. Wer ist der Mann – und warum wehrt er sich so vehement gegen die Koalition von Linken, SPD und Grünen?

von Stefanie Gerressen, Landeskorrespondentin für MDR-INFO in Thüringen

Stefan Sandmann ist seit jeher Ilmenauer, Mitte dreißig und damit fast zu jung, um wirklich unter der SED-Diktatur gelitten zu haben. Trotzdem kämpft kaum ein Thüringer so emotional gegen eine linksgeführte Koalition an zum Beispiel auf der Basiskonferenz in Weimar, kurz nachdem der SPD-Landesvorstand Rot-Rot-Grün empfohlen hatte: "Wir dürfen kein Bündnis eingehen mit den Kommunisten!" Immer wieder fließen Tränen. Dass sein Widerstand gegen ein Linksbündnis sehr emotional ausfällt, sei ihm bewusst, erklärt Sandmann und formuliert seine Position: "Also ich will ehrlich sein, bei mir ist es 50:50. Ich habe auch sehr viel in der Familie, im Freundeskreis aufzuarbeiten, was ich noch nicht wirklich machen konnte und da will ich jetzt nicht von der Linkspartei in der Regierung gestört werden. Was die anderen 50 Prozent angeht, ist für mich ganz klar, dass sich die SPD in dieser Sackgasse mit der Linkspartei verrennt."

Sandmann führt einen engagierten, persönlichen Kampf

Stefan Sandmann war drei Jahre alt als seine Großeltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen. Am Steuer saß ein Parteifunktionär, betrunken und bis heute unbestraft, so sagt er. Aber auch durch Freundes- und Bekanntenkreis – Sandmann engagiert sich im Verein "Gesichter geben - Opfer der Diktatur von ´45 bis ´89"- sei er geprägt von Opfergeschichten. Heute sieht er nicht nur deshalb eine Gefahr in einer Links-geführten Landesregierung. Er erklärt: "Der Worst Case wäre, dass der Herr Ramelow, wenn er im Bundesrat sitzt für Thüringen, seine menschenfeindliche und menschenverachtende und seine wirtschaftsfeindliche und finanzmarktfeindliche Politik macht, wie sie die Frau Wagenknecht hier in Ilmenau zum Beispiel verkauft hat: mit Enteignung von Firmen und Enteignung von bereits versteuertem Vermögen und mit Sachen, die einfach nicht gehen in einer Demokratie."

Um das zu verhindern, schreibt er Briefe, E-Mails und  rührt er kräftig bei den Gegendemonstrationen mit. Sie sind ein Appell an die Abgeordneten des Landtags: "Ihr seid als unabhängige Abgeordnete in der parlamentarischen Demokratie gewählt und ihr sollt eurem Gewissen folgen und nicht dem Meinungsbild eurer Partei. Und deswegen haben wir den vierten genommen, weil am 5. ja der Ministerpräsident gewählt werden soll. Und wir hoffen, dass damit noch das Schicksal Thüringens positiv beeinflusst werden kann."

Entschlossen bis zum Parteiaustritt

Aber was, wenn sich Linke, SPD und Grüne einigen und diese Geschlossenheit dann zu einer Mehrheit für Ramelow führt. Kurzum: Herr, Sandmann – was ist, wenn Ramelow doch Ministerpräsident wird? Sandmann sagt: "Wir hoffen, dass es beim ersten Beschluss, der wirklich entscheidend ist, zum Eklat kommt. Ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass am 5. Dezember der Herr Ramelow nicht gewählt wird. Und ich hoffe auch mein Parteibuch zu behalten, obwohl ich für mich den Entschluss gefasst habe, dass ich das Parteibuch, wenn es dann ein SED-Parteibuch ist, abgeben werde an dem Tag, an dem Ramelow gewählt wird und das werde ich auch machen!"

Stefan Sandmann ist seit 2011 Mitglied in der SPD. Doch schon als Kind habe ihn die SPD geprägt, als Willy Brandt verstarb, hing ein schwarz umrahmtes Poster in seinem Zimmer. Für ihn rückt die SPD schon seit vielen Jahren zu weit nach links und hinterlässt eine Lücke in der politischen Mitte – auch weil die FDP sie nicht mehr füllen kann. Dafür versucht Sandmann die Partei in Thüringen zurechtzurücken. Zurück in die Mitte, weg von den Linken.

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2014, 11:13 Uhr