Der Spitzenkandidat der Partei Die Linke zur Landtagswahl Thüringen, Bodo Ramelow, steht am Pult der MDR-Sendung "Fakt ist". Er lächelt
Bildrechte: MDR/Holger John

R2G in Thüringen Ramelow übt scharfe Kritik an Merkel

Bodo Ramelow (Linke) kritisierte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf. Zuvor hatte sie sich kritisch über eine mögliche rot-rot-grüne Koalition in Thüringen geäußert.

Der Spitzenkandidat der Partei Die Linke zur Landtagswahl Thüringen, Bodo Ramelow, steht am Pult der MDR-Sendung "Fakt ist". Er lächelt
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In einem Interview kritisierte Bodo Ramelow, Politiker der Linken und Anwärter auf den Thüringer Ministerpräsidenten-Posten, Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf. Hintergrund für das verbale Austeilen des Linkspolitikers war die Kritik der Bundeskanzlerin an einem möglichen rot-rot-grünen Bündnis in Thüringen gewesen.

In dem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" verweist Ramelow darauf, dass Merkel selbst Mitglied der FDJ war. Weiterhin heißt es dort: "Sie hat in die DDR-Diktatur mit all ihren Widerwärtigkeiten gelernt, so um den eckigen Tisch herumzukommen, dass man fast den Eindruck hat, es sei ein runder Tisch gewesen", aber: "Viele blaue Flecken scheint sie nicht gekriegt zu haben".

Außerdem kündigte Ramelow an, sich für eine Aussöhnung zwischen seiner Partei und Opfern der SED-Diktatur einzusetzen: "Dass mit meiner Kandidatur bei manchen Opfern eine Retraumatisierung eingesetzt hat, nehme ich sehr ernst." Ramelow forderte von seiner eigenen Partei eine entschlossenere Aufarbeitung der eigenen DDR-Vergangenheit. Die Linke war, nachdem sie von der DDR-Partei SED direkt in die PDS übergegangen war, gemeinsam mit der WASG zur Linkspartei fusioniert.

Im Interview betonte Ramelow, dass er es nicht leugne, dass die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet werden könne. Die CDU-Vorsitzende Merkel hatte der Linken zuvor vorgeworfen, sie stelle zu wenig klar, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei.

Auch Kritik an Gauck

Auch Bundespräsident Joachim Gauck bleibt im Interview nicht vor der Kritik Ramelows verschont: "Ich würde mir wünschen, er würde nicht nur Fragen stellen, sondern den Dialog dazu auch führen. Ich stelle mich gerne einem Gespräch", wird Ramelow zitiert.

Gauck hatte in einem ARD-Interview Anfang November gesagt, dass ihm ein linker Ministerpräsident in Thüringen einiges abverlangen würde: "Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren." Die Wahlentscheidung sei zwar zu respektieren, dennoch bleibe die Frage: "Ist die Partei, die da den Ministerpräsidenten stellen wird, tatsächlich schon so weit weg von den Vorstellungen, die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen hier, dass wir ihr voll vertrauen können?"

Sollten die rot-rot-grünen Koalitionsverhandlungen in Thüringen erfolgreich abgeschlossen werden, könnte mit Bodo Ramelow am 5. Dezember der erste Linkspolitiker in Deutschland zum Ministerpräsidenten gewählt werden.

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2014, 12:56 Uhr

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37 Kommentare

18.11.2014 09:55 Thüringer 37

Ich muss mich schämen ein Thüringer zu sein. Schlimm genug, dass es in Thüringen viele Menschen gibt, die nichts aus der DDR Geschichte gelernt haben und die Linkspartei (Nachfolger der SED) gewählt haben. Nein jetzt schwingt sich Herr Ramelo auch noch auf Kritik an unsrer Kanzlerin zu üben, obwohl er unsere Vergangenheit nicht wirklich erlebt hat und sie wahrscheinlich nur aus dem Fernseher kennt.
Für so etwas sind wir 1989 nicht auf die Straße gegangen!!!!!!!

17.11.2014 19:48 Realist2014 36

@Beamter: Sie erzählen - mit Verlaub - Unsinn. Als Beamter sollten Sie eigentlich die Aufgaben des Bundesverfassungsgerichtes kennen: Es entscheidet über verfassungsrechtliche STREITIGKEITEN. Es hat nichts mit Verfassungsfeindlichkeit zu tun, wenn dieses Gericht einzelne Gesetze oder Verwaltungsakte für (teilweise) verfassungswidrig erklärt und Nachbesserungen fordert. Die SED/PDS/Linke stellt hingegen wesentliche Grundsätze und Inhalte unserer Verfassung grundsätzlich in Frage. Insbesondere die "Kommunistische Plattform" dieser Partei ist einfach nur linksextremistisch, inhaltlich kein Deut besser als die rechtsextreme NPD.