Thüringen-Trend AfD profitiert von Ergebnis der Wahl in Sachsen

Eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Thüringen ist weiterhin offen, welche Parteien das neue Regierungsbündnis stellen werden. Laut einer infratest-dimap-Umfrage der ARD sind zwei Koalitionen im Erfurter Landtag möglich: Sowohl ein schwarz-rotes Bündnis, als auch rot-rot-grünes Bündnis. Die AfD hingegen erhält Auftrieb durch die jüngste Wahl in Sachsen.

Die eurokritische Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat nach ihrem überraschenden Einzug in den sächsischen Landtag auch in Thüringen Aufwind bekommen. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes infratest-dimap im Auftrag der ARD kommt die Partei derzeit auf sieben Prozent der Stimmen und wäre damit erstmals im Thüringer Landtag vertreten. Im Vergleich zur letzten dimap-Umfrage im Juli legte die Partei um drei Prozentpunkte zu.

Große Parteien verlieren in Umfrage an Stimmen

Verluste im Vergleich zur Juli-Umfrage mussten hingegen die CDU und die SPD hinnehmen. Die CDU bleibt zwar mit 34 Prozent stärkste Kraft im Freistaat, sie verliert jedoch gegenüber der letzten Befragung zwei Prozentpunkte. Auch die SPD - sie ist weiterhin drittstärkste Kraft hinter der Partei Die Linke - verliert deutlich. Sie kommt derzeit auf 16 Prozent und hat damit drei Prozentpunkte weniger als bei der Juli-Umfrage. Die Linke legte leicht um einen Prozentpunkt zu und steht derzeit bei 28 Prozent Stimmenanteil.

Knapp wird es der Umfrage zufolge hingegen für die Grünen: Sie kommen auf fünf Prozent der Stimmen und verlieren damit einen Prozentpunkt gegenüber dem Juli. Mit fünf Prozent wären sie aber weiterhin im Thüringer Landtag vertreten.

FDP und NPD müssen um Einzug zittern

Nicht im neuen Thüringer Landtag vertreten wäre demnach die FDP, die bei drei Prozent liegt. Im Vergleich zur Juli-Umfrage konnte einen Prozentpunkt hinzugewinnen. Zugewinne verbuchte auch die rechtsextreme NPD, die um zwei Prozentpunkte auf vier Prozent der Stimmen zulegte. Für den Einzug in das Landesparlament reicht dies indes nicht.

Welche Regierungsbündnisse wären möglich?

Angesichts der jüngsten Zahlen wären mehrere Regierungsbündnisse möglich: Die derzeit gemeinsam regierenden CDU und SPD könnten ihre Koalition fortsetzen. Auf einen Prozentpunkt weniger käme ein Bündnis aus Linke, SPD und Grünen. Für Rot-Rot reicht es laut Umfrage erstmals seit März nicht mehr für eine eigenständige Mehrheit. Auch für eine schwarz-grüne Koalition fehlt es bislang an den nötigen Stimmen.

Eine schwarz-rote Koalition, wie sie bereits in Thüringen besteht, findet bei den Befragten derzeit die meiste Zustimmung: 48 Prozent der Befragten gaben an, diese Konstellation der neuen Regierung sei sehr gut oder gut für Thüringen. 42 Prozent der Befragten sehen dies in Bezug auf ein rot-rotes Regierungsbündnis, 36 Prozent halten eine Koalition aus Linke, SPD und Grünen für sehr gut beziehungsweise gut.

Wer sollte Landesregierung anführen?

Auf die Frage, welche Partei die künftige Landesregierung führen sollte, antworteten 40 Prozent, dass dies die CDU tun sollte. Jeweils 22 Prozent plädierten für SPD und Linke. Bei dieser Frage hat allerdings die SPD im Vergleich zur Juli-Umfrage deutlich an Zustimmung verloren. Vor zwei Monaten hatten noch 28 Prozent der Befragten angegeben, dass die Sozialdemokraten die nächste Regierung führen sollten.

Würde Thüringens Regierungschef/in direkt gewählt, hätte Amtsinhaberin und CDU-Spitzenkandidatin Christine Lieberknecht die besten Chancen. Bei der Frage, ob sie Lieberknecht, Linke-Spitzenkandidat Bodo Ramelow oder SPD-Spitzenkandidatin Heike Taubert direkt zum Ministerpräsidenten wählen würden, votierten 34 Prozent der Befragten für Lieberknecht, 24 Prozent für Ramelow und 18 Prozent für Taubert.

Politikexperte: SPD hat es in Koalition mit Linken schwerer

Ein Zünglein an der Waage bei der Wahl könnte die SPD sein. Sie hat Aussichten mit Rot-Grün aber auch mit Schwarz zu koalieren. Inzwischen würde den Landesverband diese Entscheidungsfrage nicht mehr spalten, meint der Jenaer Politologe Torsten Oppelland. Die SPD habe sich den Druck genommen, indem sie die Mitglieder über die Frage entscheiden lassen wolle. Doch werde es für Sozialdemokraten schwieriger sein sich in einer Koalition mit den Linken zu profilieren verglichen zum jetzigen Regierungsbündnis mit der CDU. Dass die AfD in der Umfrage einen Stimmenzuwachs verzeichnen kann, bringe noch einmal zusätzliche Spannung in die Thüringer Landtagswahl, so der Politikexperte bei MDR aktuell.

40 Prozent sind noch unentschlossen

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Bislang sind vier von zehn Wahlberechtigten noch nicht sicher, ob und für welche Partei sie stimmen werden. Für die Umfrage wurden 1.001 Thüringer befragt.

Statistische Daten zur Umfrage Die Befragung wurde im Zeitraum vom 2. bis 4. September 2014 vorgenommen. Befragt wurde eine repräsentative Gruppe von 1.001 Befragten.

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2014, 22:19 Uhr

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24 Kommentare

07.09.2014 20:15 esgehtanders 24

Leider geht bisher keine etablierte Partei an die Ursachen der wirtschaftlichen Misere.
Es wird immer nur smptomatische Linderungsbehandlung betrieben.
Das Thema "exponentielles Geldwachstum durch den Zinseszinsmechanismus" wird hatnäckig verschwiegen.
Übrigens, Sheakspeare hat bereits erklärt was unter Populisten zu verstehen ist: "Populisten sind diejenigen Menschen, die zu einer Katze Katze und zu einem Spaten Spaten sagen."

07.09.2014 11:47 Jane Doe 23

Nach außen gibt sich die AfD als Partei der Saubermänner. Wie es zum Teil hinter den Kulissen zugehen muss, zeigen Dokumente, die kurz nach dem Wahlerfolg in Sachsen bekanntgeworden sind. Sie zeigen die autoritäre Seite der Partei. Auch personell geriet die AfD nach ihrem Einzug in den sächsischen Landtag ins Zwielicht. Als ältester Abgeordneter sollte eigentlich der AfD-Mann Detlev Spangenberg Alterspräsident des Parlaments werden. Er engagierte sich für die Vereinigung "Arbeit-Familie-Vaterland" und beim rechtspopulistischen "Bündnis für Freiheit und Demokratie". Zudem arbeitete er als Geschäftsführer für die teils von der NPD unterwanderte Bewegung "Pro Sachsen". .Wer die AfD auf ihren Rechtspopulismus reduziert, verkennt die eigentliche ideologische Gefahr, die von dieser Partei ausgeht. Die AfD sei aus einem rechtsorientierten, Anti-Euro-Protest-Milieu entstanden, habe Mitgliederzulauf vom rechten Parteienrand und genieße Ansehen in der Szene.