Wahllexikon

Kumulieren

Hat ein Wahlberechtigter mehrere Stimmen und gibt sie alle einem Bewerber, nennt man das kumulieren. Bei den Wahlen zu Gemeinderäten und Kreistagen hat jeder Wahlberechtigte drei Stimmen, die er beliebigen Bewerbern geben kann: entweder alle einem Kandidaten oder zwei einem Kandidaten und eine einem anderen oder aber drei Bewerbern je eine Stimme (siehe auch Panaschieren).

Liste

Wahlvorschläge werden oft auch als Liste bezeichnet. Parteien und Wählervereinigungen können für die Kommunalwahlen in Thüringen gemeinsame Wahlvorschläge aufstellen oder eine Listenverbindung eingehen. Gehen sie eine Listenverbindung ein, werden die beteiligten Parteien und Wählervereinigungen bis zur Berechnung der Sitzverteilung wie getrennte Gruppierungen behandelt. Als Listenverbindung können sie unter Umständen einen Sitz mehr erhalten als in der Summe ihrer Einzelergebnisse. In Sachsen-Anhalt und Sachsen sind ebenfalls gemeinsame Wahlvorschläge möglich.

Von diesen gemeinsamen Wahlvorschlägen für Kommunalwahlen unterscheiden sich die Listen für Landtags- und Bundestagswahlen. Hier gibt der Wähler seine Zweitstimme einer Partei oder Wählervereinigung. Anders als bei Kommunalwahlen kann der Wähler die Reihenfolge der Sitzvergabe an die Bewerber nicht beeinflussen.

Mandat

Das Mandat bezeichnet in repräsentativen Demokratien den Vertretungsauftrag, der vom Wahlvolk an ein Mitglied eines gesetzgebenden Gremiums vergeben wird. Mandatsträger (siehe Abgeordnete) sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen. Dem steht in der Praxis jedoch der Fraktionszwang entgegen.

Mehrheitswahl

Bei den Wahlen von kommunalen Vertretungen wird eine Mehrheitswahl durchgeführt, wenn nur ein oder kein gültiger Wahlvorschlag einer Partei oder Wählervereinigung vorliegt. Der Stimmzettel enthält bei diesem Wahlmodus leere Zeilen, in die der Wahlberechtigte andere als die vorgeschlagenen Bewerber eintragen und wählen kann. Pro Kandidat darf nur eine Stimme gegeben werden.

Der Wahlberechtigte in Sachsen und Sachsen-Anhalt hat auch bei der Mehrheitswahl drei Stimmen; in Thüringen richtet sich die Anzahl der Stimmen nach der Anzahl der zu vergebenden Mandate. Gewählt sind – je nach Anzahl der Mandate – die Kandidaten mit den meisten Stimmen. Wird pro Wahlkreis nur ein Direktmandat vergeben – zum Beispiel bei Landtags- und Bundestagswahlen – gewinnt derjenige mit den meisten gültigen (Erst-)Stimmen.

Nachwahl, Ergänzungswahl, Wiederholungswahl

Konnte die Wahl nicht zum ursprünglichen Termin stattfinden, muss eine Nachwahl durchgeführt werden. Stirbt ein Bewerber vor der Abstimmung, kann eine Ersatzwahl notwendig werden. Wiederholungswahlen sind erforderlich, wenn eine Wahl für ungültig erklärt worden ist. Nähere Bestimmungen enthalten die Kommunalwahlgesetze der Länder.

Panaschieren

Hat ein Wahlberechtigter mehrere Stimmen und verteilt er sie auf mehr als einen Bewerber, nennt man das panaschieren. Bei den Wahlen zu Gemeinde-, Stadt- und Ortschaftsräten hat jeder Wahlberechtigte drei Stimmen, wenn nach Verhältniswahl gewählt wird. Seine drei Stimmen kann der Wahlberechtigte beliebigen Bewerbern, auch auf unterschiedlichen Wahlvorschlägen, geben: alle einem Kandidaten (kumulieren); zwei einem Kandidaten und eine einem anderen oder drei Bewerbern je eine Stimme.

personalisierte Verhältniswahl

Bei der personalisierten Verhältniswahl wird die eine Hälfte der Abgeordneten direkt über die Wahlkreise (Erststimme) gewählt wird und die andere Hälfte der Mandate über Landeslisten (Zweitstimme) vergeben. Dies wird in Deutschland bei Landtags- und Bundestagswahlen so gehandhabt.

Personenwahl

siehe Direktwahl

Prognose

Eine Prognose am Wahlabend beruht auf Wählerbefragungen unmittelbar nach der Stimmabgabe. Sie ist die erste Vorhersage zum Wahlergebnis noch vor der eigentlichen Stimmauszählung und den Hochrechnungen. (siehe Hochrechung)

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Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2009, 12:15 Uhr

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