Thüringen

Katholische Kirche : Weihbischof übernimmt Leitung des Bistums Erfurt

Der Weihbischof Reinhard Hauke wird nach Rücktritt von Bischof Joachim Wanke vorerst die Leitung des Bistums Erfurt übernehmen. Wie das Bistum am Dienstag mitteilte, wählte das Erfurter Domkapitel den 58-Jährigen zum Diözesan-Administrator.

Hauke steht nun an der Spitze des Bistums bis zur Ernennung eines neuen Bischofs durch Papst Benedikt XVI. Hauke ist seit 2005 Weihbischof. Zu seinem Ständigen Vertreter, also praktisch zum Verwaltungschef des Bistums, ernannte Hauke den bisherigen Generalvikar Raimund Beck.

Wanke war am Montag von seinem Amt als Bischof des Bistums Erfurt aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Der 71-Jährige leidet an einer Herzkrankheit. Er hatte seit 1994 an der Spitze des damals wieder gegründeten Bistums gestanden.

Landesregierung würdigt Wanke als moralische Autorität

Die Thüringer Landesregierung würdigte Wanke in einer Reaktion auf dessen Rücktritt als moralische Autorität und charismatische Leitfigur. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) erklärte am Montagabend, sie bedauere die Entscheidung Wankes, habe aber großes Verständnis dafür. "Vor allem aber empfinde ich höchsten Respekt vor einem Mann, der mehr ist als eine anerkannte moralische Autorität."

In ihrer Erklärung hob Lieberknecht Wankes Wirken als Apostolischer Administrator und später als Bischof in Erfurt sowie sein Engagement im Transformationsprozess von einer Diktatur zur Demokratie hervor. Hier sei Wanke eine "wichtige Stimme" gewesen, "die weit über den kirchlichen Raum hinaus gehört wurde". Im Umgang mit der Thüringer Landesregierung sei der Bischof immer ein verbindlicher und verlässlicher Gesprächspartner gewesen.

Vize-Regierungs-Chef Christoph Matschie (SPD) würdigte den 71-Jährigen als "charismatische Leitfigur". Wanke habe zu gesellschaftlichen Fragen klar und deutlich Stellung bezogen und damit "die Botschaft des Glaubens in konkretes Handeln übersetzt". In der Ökumene habe er die Gemeinsamkeiten und nicht das Trennende in den Vordergrund gestellt. Sozialministerin Heike Taubert (SPD) hob Wankes soziales Engagement innerhalb und außerhalb der Kirche hervor. Sie werde seine vielfältigen Impulse für Kirche, Politik und Gesellschaft vemissen, erklärte sie.

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2012, 17:02 Uhr

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Domkapitel

Das Domkapitel ist das Leitungsgremium der Bischofskirche. Es besteht aus Priestern, die vom Bischof ausgewählt und zu Domkapitularen ernannt werden. Dem Erfurter Domkapitel gehören acht Priester aus dem Bistum an.

Wichtigste Aufgabe des Kapitels ist es, die Liturgie in der Bischofskirche zu organisieren und für eine würdige Durchführung von Gottesdiensten zu sorgen. Außerdem bestimmt das Domkapitel im Falle des Todes oder Amtsverzichts des Bischofs den Diözesan-Administrator, der das Bistum bis zur Ernennung eines neuen Bischofs leitet. Desweiteren berät es den Bischof bei der Leitung des Bistums.

Quelle: Bistum Erfurt

Diözesan-Administrator

Der Diözesan-Administrator leitet das Bistum, bis ein neuer Bischof vom Papst ernannt wird. Mit dieser Aufgabe können nur katholische Priester betraut werden, die mindestens 35 Jahre alt sind. Der Diözesan-Administrator muss bei der kommissarischen Leitung des Bistums gewisse Einschränkungen beachten. Er darf keine Grundsatzentscheidungen treffen, die den künftigen Bischof bei seiner Leitung des Bistums einschränken oder beeinträchtigen könnten.

Quelle: Bistum Erfurt

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