Gotha Stiftung Schloss Friedenstein will Elfenbeinhumpen kaufen

von Ruth Breer

In den Nachkriegswirren ging in Gotha ein kunstvoller Elfenbeinhumpen der Friedensteinschen Sammlungen verloren. Jetzt tauchte er im Kunsthandel auf und wurde für viel Geld versteigert. Juristisch hat die Stiftung Schloss Friedenstein kein Recht auf Rückgabe mehr - aber sie versucht nun doch, das Geld für den Ankauf zusammen zu bekommen: immerhin rund 330.000 Euro.

Ein schick gekleideter Herr hält mit weißem Handschuh eine kleine Elfenbein-Figur.
Der kostbare Elfenbeinhumpen ist wieder aufgetaucht. Bildrechte: Ruth Breer

Ende Mai hatte die Stiftung Schloss Friedenstein auf ihr Vorkaufsrecht beim Heidelberger Auktionshaus verzichtet. Man werde das Gespräch mit dem Erwerber suchen, hieß es damals. Der Erwerber, ein Kunsthändler aus Bremen, hatte zunächst im Auftrag der Stiftung bei der Auktion mitgeboten. Allerdings war das vereinbarte Limit schnell überstiegen. Der Mann ersteigerte das wertvolle Trinkgefäß aus dem 17. Jahrhundert auf eigenes Risiko für 265.000 Euro, dazu kamen 25 Prozent Aufgeld für das Auktionshaus. Ein stolzer Preis, sagt der Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein, Martin Eberle. Er lag deutlich höher, als er erwartet hatte.

Gutachterinnen bestätigen besonderen Wert

Inzwischen aber haben zwei Expertinnen für Elfenbeinkunst den Gothaer Humpen in Bremen begutachtet und festgestellt: Er ist diesen Preis wert. Das Trinkgefäß zeigt im Halbrelief Szenen aus dem Alten Testament wie den Tanz um das Goldene Kalb. Die Elfenbein-Schnitzerei ist mit vergoldetem Silber gefasst. Ein Geburtstagsgeschenk des Herzogs von Weißenfels an seinen Schwager, den Gothaer Herzog. Getrunken wurde wohl niemals aus dem guten Stück, ist Eberle überzeugt - es kam in die Kunstkammer. Womöglich wurde es von einem sehr bedeutenden Meister hergestellt, sagt der Direktor. Das aber sei noch nicht ganz geklärt, weitere Experten sollen Aufschluss bringen. Jetzt aber geht es erst einmal darum, den Rückkauf zu finanzieren.

Zwei Stiftungen und das Land

Eine Zusage hat die Stiftung bereits von der Ernst von Siemens Kulturstiftung. Mit 100.000 Euro würde sie ein knappes Drittel der Kosten tragen. Damit solle nicht nur die Rückkehr des bedeutenden Stücks nach Gotha unterstützt werden, sagt Eberle, sondern der Stiftung sei auch wichtig, ein 1945 geteiltes Kunstwerk wieder zu vereinen. Denn die Deckelbekrönung des Trinkgefäßes, eine Elfenbeinfigur von Aaron mit dem Opferlamm, war in Gotha verblieben. Positive Signale vernimmt Eberle auch von der Kulturstiftung der Länder. Die allerdings würde nur dann einen Teil übernehmen, wenn das Land mitfinanziert. Aber auch da ist Eberle hoffnungsvoll. Allerdings könnten sich die Verhandlungen über das finanzielle Gesamtpaket zeitlich noch etwas hinziehen.

Spendenaufruf

Besonders freut sich der Stiftungsdirektor über eine private Spende in fünfstelliger Höhe für den Rückkauf. Sie kommt von außerhalb Thüringens. Eberle hofft, dass es nicht bei einem Spender bleibt. Auch kleine Beträge würden ein Zeichen setzen und deutlich machen: Wir wollen dieses Stück für die Öffentlichkeit zurückgewinnen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. September 2017 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 20:25 Uhr

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