Opel in Eisenach
Opelwerk in Eisenach Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zukunftsplan vorgestellt Opel: Keine Werksschließung und neues Modell für Eisenach

Es wird kein Werk geschlossen, und betriebsbedingte Kündigungen soll es auch nicht geben. Das hat das Opel-Management am Donnerstag angekündigt. Die Ausgaben - auch bei Löhnen - sollen dennoch gesenkt werden. Etwa durch Angebote für freiwilliges Ausscheiden aus dem Unternehmen und Altersteilzeit. Die Konzernspitze zeigt sich optimistisch für die Zukunft, will aber auch nicht vor unpopulären Maßnahmen zurückschrecken.

Opel in Eisenach
Opelwerk in Eisenach Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Rüsselsheimer Autohersteller Opel will unter seinem neuen Eigentümer PSA keine Werke schließen und auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagmorgen mit. Bis 2020 will Opel durch eine schlankere Produktion und einen gemeinsamen Einkauf Kosten von jährlich 1,1 Milliarden Euro senken. Wie das im Detail aussehen soll, wird derzeit noch mit den Arbeitnehmern verhandelt.

Die Ankündigungen sind Teil eines Zukunftsplans, den das Opel-Management auf Verlangen des neuen Eigentümers, des französischen PSA-Konzerns erarbeitet hat. Dieser sieht unter anderem vor, die Produktionskosten pro Fahrzeug um 700 Euro zu senken. Außerdem sollen Verwaltungskosten gesenkt. Ziel sei es zudem, "sich beim Verhältnis von Lohnkosten und Umsatz in Richtung Branchenbenchmark zu entwickeln". Nach den Vorgaben des neuen Eigentümers soll Opel bis 2020 die Gewinnzone erreichen.

Werke werden auf PSA-Technologie umgerüstet

Tag der offenen Tür zum 25-jährigen Jubiläum von Opel in Eisenach
Produktion im Opel-Werk Eisenach Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die Opel-Werke sollen künftig komplett auf PSA-Technologie umgerüstet werden. Es werde auch künftig neue Produktvergaben geben, kündigte das Management an. So soll in Eisenach ab 2019 ein SUV auf Basis der PSA-Plattform EMP2 produziert werden. Welches Modell das sein wird, wurde nicht mitgeteilt. Bis 2024 sollen alle Modelle von Opel und der britischen Marke Vauxhall elektrifiziert sein - entweder als reine E-Fahrzeuge oder als Hybrid-Modelle. Alle neuen Opel-Modelle würden künftig in Rüsselsheim entwickelt, hieß es weiter. Bis 2020 werde Opel/Vauxhall neun neue Modelle auf den Markt bringen.

Arbeitsplätze bis Ende 2018 sicher

Einen Arbeitsplatzabbau schließt Opel nicht aus. Zwar will das Management auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Jedoch sprach es von einer notwendigen Senkung der Lohnkosten - sprich: Stellenabbau. Dieser solle durch "verantwortungsvolle Maßnahmen" erreicht werden. Die Rede ist von "innovativen Arbeitszeitkonzepten", freiwilligen Programmen und Angeboten für Altersteilzeit.

Der bestehende Tarifvertrag sichert den Opel-Beschäftigten ihre Arbeitsplätze bis Ende 2018. Das gilt auch für die mehr als 1.800 Mitarbeiter im thüringischen Eisenach. Dort gab es zuletzt Unsicherheit, weil Opel die vorbereitenden Arbeiten für die Fertigung des neuen Modells X im Sommer unterbrochen hatte. Ende September hatte Opel-Chef Michael Lohscheller sich mit deutlichen Worten zum Standort bekannt. Eisenach werde auch künftig ein wichtiger Bestandteil des Opel-Produktionsnetzwerks bleiben. Momentan werden in Eisenach noch die Modelle Adam und Corsa gebaut.

PSA-Chef: Opel darf keine Zeit verlieren

Opel-Vorstandschef Michael Lohscheller zeigte sich optimistisch über die künftige Entwicklung des Unternehmens. "Opel wird global werden - endlich", sagte er mit Blick auf bisherige Beschränkung der Marken Opel und Vauxhall auf den europäischen Markt unter dem früheren Eigentümer General Motors. Bis 2022 werde man auf mehr als 20 weiteren Exportmärkten tätig sein.

PSA-Chef Carlos Tavares sagte, Opel sei in einer dramatischen Lage. Es dürfe keine Zeit verschwendet werden. So könne Opel derzeit nicht die Grenzwerte für den CO2-Ausstoß einhalten, die ab 2021 in der Europäischen Union gelten werden. Damit drohten Strafzahlungen. Wenn bei Opel nichts passiere, werde sich die Situation verschlimmern. Das Management werde nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschrecken. Doch am Ende könne Opel dadurch ein gesundes Unternehmen mit eigener Investitionskraft werden.

Die Arbeitnehmer-Vertreter bei Opel erklärten, der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und die Zusage, keine Werke zu schließen, seien eine Basis für die kommenden Verhandlungen über den Sanierungskurs. Es komme nun darauf an, die Zusagen für den Zeitraum bis 2020 schriftlich festzuhalten, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Wolfgang Schäfer-Klug.

Tiefensee bietet Hilfe an

In der Thüringer Landesregierung wurden die Pläne von Opel am Donnerstag "grundsätzlich positiv" aufgenommen. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee bot Hilfe bei der Neuausrichtung des Unternehmens an. Das Land stehe bereit, etwa bei Fragen der Infrastruktur, Qualifizierung oder Technologie, sagte der SPD-Politiker. Dass Opel alle Modell auch mit E-Antrieb anbieten will, sei ein wichtiger Schritt zum Erfolg. Jedoch müsse der Autobauer bald Klarheit darüber schaffen, welches Modell in welchem Umfang künftig in Eisenach gebaut werden soll - um den Mitarbeitern die seit Monaten andauernde Unsicherheit zu nehmen, so der Minister.

Die Fraktionen von Die Linke und SPD im Thüringer Landtag äußerten sich ebenfalls positiv. Zu begrüßen sei vor allem die zugesagte Sicherheit für den Standort Eisenach, hieß es.

Der französische Autobauer PSA hat Opel und Vauxhall für 1,3 Milliarden Euro vom US-Autokonzern General Motors übernommen. Opel und Vauxhall haben zusammen 38.000 Mitarbeiter, rund 18.000 davon arbeiten für Opel in Deutschland.

Ramelow unterstützt Sanierungskurs

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) unterstützt den Sanierungskurs beim Autobauer Opel. Die Produktion im Verbund mit dem neuen Eigentümer, dem französischen Autobauer PSA, berge große Chancen. Für Eisenach erwartet Ramelow die Produktion von 100.000 Fahrzeugen im Jahr, die das Werk mit zwei Schichten auslasten wird. Als mögliches Modell erwähnte Ramelow den Grandland X. Der Veränderungsprozess müsse allerdings von der IG Metall und den Betriebsräten begleitet werden. Außerdem forderte der Ministerpräsident Sicherheit für die Zulieferer in Eisenach. Die Kosten dürften nicht ausschließlich auf dem Rücken der Arbeitnehmer gesenkt werden, mahnte Ramelow.

"Vorsichtig optimistisch"

Die Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Die Linke) sagte, sie sehe den Sanierungsplan "vorsichtig optimistisch". Zwar seien noch viele Fragen offen, aber Opel habe sich erneut klar zum Standort Eisenach bekannt. Die Chancen mit PSA seien größer als die Risiken, so Wolf.

Quelle: MDR THÜRINGEN / afp /dpa / Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. November 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2017, 11:44 Uhr

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