Pfandsiegel auf einer Haustuer
Gerichtsvollzieher verhelfen Geschädigten zum Recht. Bei ihrer Arbeit stoßen sie allerdings immer häufiger auf Widerstand. Bildrechte: IMAGO

Bundestreffen der Gerichtsvollzieher in Eisenach Mehr Schutz bei sensiblen Einsätzen

Thüringens Gerichtsvollzieher fordern mehr Sicherheit. Auf der Wunschliste ganz oben stehen Schutzwesten in allen Größen und GPS-Notfallmelder. Wenigstens für schwierige Einsätze. Und die werden offenbar mehr.

von Matthias Thüsing

Pfandsiegel auf einer Haustuer
Gerichtsvollzieher verhelfen Geschädigten zum Recht. Bei ihrer Arbeit stoßen sie allerdings immer häufiger auf Widerstand. Bildrechte: IMAGO

Die wenigsten sehen ihn gern vor ihrer Haustür - den Gerichtsvollzieher. Geschätzt 2.500 Mal pro Jahr klingeln die Beamten in Thüringen, stellen Schriftstücke zu, pfänden oder setzen Zwangsräumungen durch. Und weil die Botschaften, die der Berufsstand im Gepäck führt, den Empfänger fast immer teuer kommen, laufen die Begegnungen auch nicht immer harmonisch ab:

"Die Kollegen haben den Eindruck, dass insbesondere die Zahl der Beschimpfungen in den vergangenen Jahren zugenommen hat", sagt der Chef des Verbandes Thüringer Gerichtsvollzieher, Andreas Zeidel. Vereinzelt komme es sogar zu körperlichen Übergriffen.

Oft wissen die Kollegen nicht, was sie hinter der Tür erwartet.

Vorfälle wie 2016, als auf einen Gerichtvollzieher im hessischen Gelnhausen geschossen wurde oder der Tod eines Karlsruher Gerichtsvollziehers drei Jahre vorher, der während einer Zwangsräumung bei einer Gasexplosion starb, haben die Beamten vorsichtig werden lassen.

Bereits vor Jahren forderten die Gerichtsvollzieher daher, Pfefferspray mit sich führen zu dürfen. Doch es gab Einwände wegen waffenrechtlicher Bestimmungen. "Pfefferspray darf nur mit sich geführt werden, wenn es zur Abwehr gefährlicher Tiere dient". Wer das aggressive Gas dabei hat, um Menschen auf Distanz zu halten, benötigt den sogenannten kleinen Waffenschein.

Schutzwesten in Einheitsgröße

Den Beamten bleibt aktuell nur, sich eine optimale Schutzausrüstung für sensible Einsätze zusammenzustellen. Inzwischen liegen in vielen Thüringer Amtsgerichten Schutzwesten bereit, die sich die Gerichtsvollzieher ausleihen können. Immerhin ein erster Schritt, sagt Zeidel. Aber da ist noch Luft nach oben: "Die Schutzwesten haben leider die Einheitsgröße L", sagt Zeidel. Die würden längst nicht jedem Kollegen passen. Zeidl sagt, es sollten auch andere Größen angeschafft werden.

Notfallsender für Einsätze

Außerdem sollten die Beamten mit GPS-Notfallsendern ausgerüstet werden. Mit einer solchen Technik könne im Falle eines Falles Hilfe angefordert werden, sagt Zeidel. Gerichtsvollzieher sind meistens alleine unterwegs. Gebührensätze von unter 20 Euro etwa für eine Zustellung eines Schriftstücks lassen kein Spiel für einen höheren Personaleinsatz.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

21.10.2017 11:52 Enrico Pelocke 4

"Die Kollegen haben den Eindruck, dass insbesondere die Zahl der Beschimpfungen in den vergangenen Jahren zugenommen hat" Schimpfen alle ohne Grund? SInd GVZ immer nur die Braven, die völlig unverdient beschimpft werden? Diese einseitige Darstellung genügt nicht den Anspruch an vollständige und allseitige Information.

19.10.2017 12:44 O-Perler (1. V.) 3

@1. (Wgeh?): Für Verwirrung sorgt bei uns Rechtslaien zweierlei: a) daß der Satz, daß Gerichtsvollzieher Beamte sind, weggefallen ist, und b) daß Gerichtsvollzieher selbstständig handeln. Fragen Sie Rechtsanwalt Jakob Heinrich Tschuschke aus Nürnberg. Er hat ganz gut erklärt, was nun mal geltende Rechtslage ist. Sie finden ihn im Netz mit dem Zusatz "Gerichtsvollzieher noch Beamte". Und zu unserem speziellen Problem, was uns beide plagt, hat er unter "Kosten" noch ein besonderes Leckerli.

Mehr aus Thüringen