Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Wolfhybride - eingefangen von einer Fotofalle. Bildrechte: Bundesforst

Fragen und Antworten Alles zu den Wolfhybriden

Die Wölfin aus Ohrdruf hat Junge geworfen. Dabei handelt es sich um Mischlinge zwischen Wolf und Haushund. Wie gefährlich sind sie? Können sie gerettet werden? Und was sagt das Recht? Die wichtigsten Antworten.

von Guido Fischer, Redakteur und Mitglied im Naturschutzbeirat des Landkreises Gotha

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Wolfhybride - eingefangen von einer Fotofalle. Bildrechte: Bundesforst

Weshalb sind Hybriden so gefährlich, dass man sie töten muss?

Es ist umstritten, ob man Hybriden töten muss. In Sachsen wurden 2004 Hybriden eingefangen und in ein Wolfsgehege gebracht. In Tschechien wurden 2016 Hybriden getötet. Das Problem bei Hybriden ist, dass sie sowohl Raub- als auch Haustiere sind. Sie haben also wenig Scheu vor dem Menschen und gleichzeitig einen starken Jagd- und Beutetrieb.

Welche Möglichkeiten gibt es, das Leben der Hybriden zu schützen?

Wenn es nur darum geht, eine Weiterverbreitung der Hybriden zu verhindern, könnte eine Kastration oder eine Sterilisation eine Methode sein. Allerdings müssen sie dazu gefangen und betäubt werden, was aufwändiger als eine reine Jagd sein dürfte. In Deutschland wurde bisher einmal versucht, Hybriden in einem Gehege zu halten. Sie wurden dort schwer verletzt und mussten dann doch getötet werden.

Weshalb sind Hybriden in Deutschland verboten und in anderen EU-Ländern nicht?

Es gibt unterschiedliche gesetzliche Vorgaben. In Deutschland dürfen Hunde mit Wolfseinkreuzung erst ab der fünften Generation gehalten werden. Beim tschechischen Wolfshund dagegen muss der Wolfanteil immer 25 Prozent betragen, es muss also jede zweite Generation ein Wolf oder Hybrid eingekreuzt werden. In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist es bis heute üblich, Wölfe einzufangen und mit Haushunden zu kreuzen.

Ohrdruf Bilder von Wolfhybriden veröffentlicht

Die Ohrdrufer Wölfin hat offenbar sechs Jungen. Dabei handelt es sich um Mischungen zwischen Wolf und Hund. Das Umweltministerium gab jetzt Fotos des Nachwuchses frei - eingefangen von einer Kamera.

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Fotos entstanden in der Nacht auf den 1. Oktober beim Angriff auf einen Nachtpferch. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Die Fotos entstanden in der Nacht auf den 1. Oktober beim Angriff auf einen Nachtpferch. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Dort war eine Kamera befestigt. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Der Angriff scheiterte laut Umweltministerium am Zaun. Bildrechte: Bundesforst
Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Am Donnerstag gab das Umweltministerium bekannt, dass die Ohrdrufer Wölfin Junge bekommen hat. Bildrechte: Bundesforst
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Wie soll verhindert werden, dass die Wölfin erneut trächtig wird?

Die schonendste Methode wäre eine Sterilisation der Wölfin. Das würde aber auch bedeuten, dass es vermutlich vorerst nicht gelingen wird, in Thüringen eine Population aufzubauen. Will man diese Chance erhalten und die erneute Paarung mit einem Hund verhindern, müsste man streunende Hunde rund um den Truppenübungsplatz konsequent bejagen. Dagegen würden nicht nur Hundebesitzer Sturm laufen. Als letzte Möglichkeit bliebe das Fangen und Aussetzen eines Wolfes auf dem Truppenübungsplatz. Das ist aber eigentlich in Deutschland verboten.

Kann das Thüringer Umweltministerium die Hybriden einfach abschießen lassen?

Nein. Es gibt erhebliche rechtliche Hürden. Auch Hybriden gelten als Wölfe und sind damit streng geschützt. Ein zu erwartendes schlechtes Leben im Gehege dürfte kein Grund sein, die Tiere zu töten. Da die Zeit drängt, müssen möglicherweise in Deutschland verbotene Jagdarten wie die sogenannte Lappjagd angewendet werden. Diese Verbote sind im Bundesrecht geregelt. Und noch aus einem anderen Grund muss der Bund mit ins Boot. Als Eigentümer des Truppenübungsplatzes Ohrdruf entscheidet er, wer dort jagt. Und schließlich müssten noch alle Jäger der angrenzenden Reviere bei der Jagd mitmachen. Schwer vorstellbar angesichts der rechtlich unklaren Situation und der zu erwartenden Anfeindungen.

Sollen die sechs Wolfswelpen getötet werden?

16% 2375 Stimmen   Ja, abschießen. Sie sind eine Gefahr für Tier und Mensch!
67% 9858 Stimmen   Auf keinen Fall! Das ist Mord! Lasst sie leben!
17% 2444 Stimmen   Schafft sie in ein sicheres Gehege oder in einen Zoo.
0% 70 Stimmen   Mir doch egal. Ich bin Großstädter.

Stand: 16.10.2017 17:55:52 Uhr 14747 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme! Die Abstimmung ist beendet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 12. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2017, 10:19 Uhr

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20 Kommentare

15.10.2017 20:27 Skeptiker 20

Wenn man verfolgt, mit welchem Aufwand die Wiederansiedlung des Wolfes verfolgt wird, stellt man sich die Frage, ob der ökologische Nutzen diesen Aufwand rechtfertigt. Vermutlich wird sich auch ein reinrassiger Wolf nicht mehr wie vor 100 Jahren verhalten, wenn ihm das Futter auf dem Präsentierteller serviert wird. Und er wird auch irgendwann wie alle anderen Wildtiere auch, keine Scheu mehr haben, in die Ortslagen zu gehen, wenn er dort leicht an Nahrung kommt. Zudem halte ich es für unrealistisch, dass man Wolfhybriden vermeiden kann. Dann müsste jeder Nachwuchs geprüft werden. Theoretisch wäre er ggf. für die Nahrungskette wichtig, aber da er lieber Schafe nascht, erfüllt er diese Funktion auch nur bedingt. Ich würde es für viel wichtiger halten, wenn man das viele Geld z. B. für den Schutz/ Erhalt der Bienen verwenden würde, denn diese haben eine viel größere ökologische Bedeutung als der Wolf. Und wer will schon für den Tod eines Menschen durch den Wolf die verantwortlich sein.

15.10.2017 03:49 Viktor Goldmann 19

Ein Wolfsweibchen paart sich mit einem Hund. Daraus entstehen Mischlinge. Der Hund (als eigene Art) entstand zuvor aus Wölfen. Ohne diese genetische Verwandtschaft wäre es nie zur Geburt der Mischlingswelpen gekommen. Könnte dies ein Hinweis sein, dass nicht der Mensch allein den Wolf dezimierte, sondern die Evolution? Könnte der Wolf nicht in vielen, von Menschen besiedelten Regionen verschwunden sein, weil er sich mit Hunden paarte, die, aufgrund ihrer Nähe zu Menschen, eine bessere Überlebenschance hatten? Soll ggf. durch eine Gewehrkugel verhindert werden, dass "sichere" wissenschaftliche Erkenntnisse hinterfragt werden? Nicht auszudenken, wenn man diese Fragen auf die Bezahlung zwischen dem Homo sapiens und den Neandertalern übertragen würde.

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