Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Wolf-Hybriden - aufgenommen von einer Fotofalle. Bildrechte: Bundesforst

Wölfe bei Ohrdruf Morddrohungen gegen Jäger

Sollen die Hybrid-Welpen und womöglich auch deren Mutter abgeschossen werden? Die Frage, wie mit den Ohrdrufer Wölfen umgegangen wird, polarisiert Thüringen. Offenbar gibt es jetzt schon offene Drohungen gegen Jäger.

Wolf in freier Wildbahn von einer Fotofalle aufgenommen
Wolf-Hybriden - aufgenommen von einer Fotofalle. Bildrechte: Bundesforst

Wegen der Ohrdrufer Wölfin und ihrer sechs Hybrid-Welpen gibt es offenbar Morddrohungen gegen Jäger und Abschuss-Befürworter. Das bestätigte der Präsident des Thüringer Landesjagdverbands, Steffen Liebig, MDR THÜRINGEN. Liebig sagte, "selbsternannte Tierschützer versuchen so Druck aufzubauen." Es sei Anzeige erstattet worden. Der Landesjagdverband fordert, die Hybriden und die Mutter abschießen zu lassen. Aufgrund der Drohungen werde man allerdings nicht selbst zur Tat schreiten. "Wenn unser Leib und Leben bedroht wird, werden wir uns davor hüten", sagte Liebig.

Steffen Liebig
Steffen Liebig vom Landesjagdverband Bildrechte: IMAGO

In der Diskussion um einen möglichen Abschuss der Wolfs-Hybriden hält Liebig die rechtliche Lage für völlig ungeklärt. "Der gegenwärtige Thüringer Wolfsmanagementplan ist überholt", sagte er. Die Mischlinge fallen nicht unter das Jagdrecht und sind deshalb genau wie die Wolfsmutter streng geschützt. Liebig forderte erneut, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Es müsse schnell Rechtssicherheit hergestellt werden, sagte er. Einen Abschuss der Hybriden hält Liebig für unvermeidlich: "Es ist eine Frage des Artenschutzes." Hybriden verfälschten die gesamte Wolfspopulation.

Außerdem plädiert Liebig für einen Abschuss der Wölfin. Sonst werde eine jetzige Situation immer wieder herbeigeführt. Der Wolf habe in Deutschland zwar eine Existenzberechtigung. "Wir wollen ihn nicht weghaben." Auf Weiden, in Industriegebieten oder urbanen Gebieten habe er jedoch keinen Platz.

Hybriden bald beim Biathlon-Weltcup?

Ähnlich wie der Landesjagdverband sehen auch Jäger in Gotha eine Jagd auf die Wolf-Hybriden jagdrechtlich problematisch. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Gotha, Niko Scheringer, sagte, außerdem müss der Bund als Eigentümer des Truppenübungsplatzes entscheiden, wer das militärische Gelände betreten und dort jagen darf. Thüringen könne dort nicht einfach Jäger hinschicken.

Wolf
Der Wolf polarisiert das Land. Bildrechte: dpa

Scheringer zufolge gestaltet sich die Jagd auf Wölfe extrem schwierig. Würden sie gejagt, könnte es sein, dass die Wölfin ihre Rudel wegführt. Die Gothaer Jäger rechnen damit, dass die Hybrid-Welpen Ende des Jahres das Rudel verlassen. "Möglicherweise sind sie dann am Rennsteig und beim Biathlon-Weltcup unterwegs."

In der vergangenen Woche gab das Thüringer Umweltministerium bekannt, dass die Wölfin in Ohrdruf sechs Junge bekommen hat. Dabei handelt es sich um Mischungen zwischen Wolf und Hund. Das Ministerium will sie aus Artenschutzgründen töten lassen. Wie und auf welcher rechtlichen Basis das geschehen soll, ist noch nicht bekannt. In den kommenden Wochen will das Ministerium eine Lösung präsentieren. Momentan befindet es sich nach eigener Auskunft in Abstimmung mit dem für Tierschutz zuständigen Sozialministerium und mit der oberen Naturschutzbehörde, die beim Landesverwaltungsamt angesiedelt ist. Mit der Behörde wird geklärt, wer für die "Entnahme der Wölfe" zuständig ist. Außerdem müsse noch bestimmt werden, wer sie letztendlich durchführt. Das Umweltministerium befindet sich nach eigener Auskunft in enger Absprache mit dem Wolfs-Beratungszentrum des Bundes in Berlin.

Podium diskutiert im Thüringer Landtag

Thüringenweit wächst derweil der Widerstand gegen einen möglichen Abschuss der Hybrid-Welpen. Im Internet wurden mehrere Petitionen gestartet, die das verhindern wollen. Manche haben bereits mehrere tausend Unterzeichner. Bei einer Veranstaltung der CDU-Landtagsfraktion am Dienstagabend forderte sie, Schutzjagden gegen den Wolf zuzulassen sowie eine vollständige Entschädigung für Schafzüchter ohne Bürokratie. Der Berliner Zoologe Hans-Dieter Pfannenstiel sagte, der Wolf sei kein gefährdetes oder vom Aussterben bedrohtes Tier.

In einer Umfrage hatten wir Nutzer von MDR THÜRINGEN gefragt, wie mit den Wolf-Hybriden umgegangen werden soll:

Sollen die sechs Wolfswelpen getötet werden?

16% 2375 Stimmen   Ja, abschießen. Sie sind eine Gefahr für Tier und Mensch!
67% 9858 Stimmen   Auf keinen Fall! Das ist Mord! Lasst sie leben!
17% 2444 Stimmen   Schafft sie in ein sicheres Gehege oder in einen Zoo.
0% 70 Stimmen   Mir doch egal. Ich bin Großstädter.

Stand: 16.10.2017 17:55:52 Uhr 14747 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme! Die Abstimmung ist beendet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Oktober 2017 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 19:44 Uhr

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55 Kommentare

21.10.2017 14:43 Ilona 55

Man fragt sich wo das viele Geld herkommt zum Schutz der Wölfe?
Wildkameras jede Menge, Untergrabungsschutz,
Herdenschutzhunde, gentechnische Untersuchungen,
Entschädigungssummen für geschädigte Tierhalter
und weiß der Kuckuck was alles noch.
Die genauen Summen was das kostet wird man nie erfahren.

20.10.2017 12:56 Wolf ja, aber mit Grenzen 54

@| Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!"

Für den Wolf ist doch genügend Geld vorhanden, wenn über 20000€ je toten Wolf(was macht ihn zu anderen wirklich bedrohten Wildtieren so besonders???) ausgegeben wird um die Todesursache zu klären. Da kann doch ein Bruchteil der Summe für sinnvolle Zwecke eingesetzt werden um von unabhängigen akkreditierten Instituten/Laboren öffentlich zugängliche Ergebnisse zu erhalten.

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