Ohrdruf Umweltministerium erwägt Abschuss des Wolfes

Das Thüringer Umweltministerium erwägt erstmals den Abschuss der Ohrdrufer Wölfin. Der Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller (Grüne) sagte MDR THÜRINGEN, das sei nötig, wenn das Tier zweimal die Schutzzäune überwindet. Wörtlich sagte er: "Wenn es tatsächlich so ist, dass der Wolf den optimalen Schutz überwindet, werden wir zur Tat schreiten."

Diese Aussage kommt quasi einer Kehrtwende im grünen Umweltministerium gleich. Noch vor vier Wochen sagte Ministerin Anja Siegesmund wörtlich: "Wer dazu aufruft, Jagd auf den Wolf zu machen, der ruft zu einer Straftat auf." Wölfe sind dem Gesetz nach geschützt. Das Umweltministerium wies daraufhin, dass nach dem Thüringer Managementplan für den Wolf aber die Möglichkeit besteht, in Ausnahmefällen den Wolf zu töten. Das hatte Siegesmund in der aktuellen Debatte nicht erwähnt. Am Donnerstag ergänzte Staatssekretär Möller: "Der Wolf ist eine geschützte Art und kommt in seinen natürlichen Lebensraum zurück - wie wir damit umgehen, ist in unserem Wolfsmanagementplan festgelegt."

Wölfe dürfen aus der Natur nur dann entnommen werden, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind oder aber Gefahr für Menschen besteht. Über die Entnahme entscheidet die UNB in fachlicher Abstimmung mit der TLUG und nach Anhörung der AG Wolf Thüringen. Nur erfahrene Personen, die von der UNB bzw. TLUG beauftragt wurden, dürfen die Entnahme vornehmen oder müssen sie zumindest begleiten.

Thüringer Umweltministerium Managmentplan für Wölfe in Thüringen

Anlass für das Umdenken sind neue Wolfsrisse in den vergangenen Tagen. Dabei war es der Wölfin gelungen, einen mit einer stromführenden Litze auf 1,20 Meter aufgerüsteten Zaun zu überspringen und zwei Schafe und eine Ziege aus einer Herde mit 800 Tieren zu reißen. Diese Zäune gelten in anderen Bundesländern als besonders wirkungsvoll und halten dort Wölfe ab. "Insgesamt gibt es 55 bestätigte Risse von Schafen und Ziegen im Raum Gotha", sagte Olaf Möller. "Dazu kommen 19 weitere Risse, deren genetische Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind."

Wolf läuft in Fotofalle
Wölfin von einer Fotofalle aufgenommen. Bildrechte: NABU Thüringen

Das Thüringer Umweltministerium hat nun alle rechtlichen Parameter prüfen lassen, wann ein Wolf abgeschossen werden kann. Bisher ist das deutschlandweit nur einmal in Niedersachsen geschehen. Der Abschuss der Wölfin sei das letzte Mittel, sagte der Umwelt-Staatssekretär. "Der Wolf ist eine gesetzlich streng geschützte Art. Da haben wir keinen Ermessensspielraum." Von den Schäfern könne man erwarten, Schutzzäune um ihre Weiden zu bauen. "Es ist aber unzumutbar, dass Schäfer die ganze Nacht ihre Herde bewachen." Erst wenn der optimale Schutz mindestens zweimal überwunden wurde, wolle er sich der Frage stellen. Dann soll ein Jäger die Wölfin erschießen.

Noch aber prüft die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, ob die Wölfin auf dem Truppenübungsplatz in Begleitung ist. Schon jetzt gibt es vier Fotofallen. Weitere fünf Wildtierkameras hat die TLUG angeschafft. Sie sollen klären, ob neben dem bisher bekannten Tier weitere Wölfe oder wildernde Hunde auf dem Truppenübungsplatz leben. "Bisher gibt es keinen Nachweis für andere Wölfe oder Wolfsjunge“, sagte Olaf Möller.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Anmerkung der Redaktion Der Text wurde um ein Zitat aus dem Managementplan für Wölfe in Thüringen und den folgenden Satz erweitert: "Die im Thüringer Managementplan für den Wolf erwähnte Möglichkeit, in Ausnahmefällen der Wolf zu töten, hatte Siegesmund in der aktuellen Debatte nicht erwähnt."

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. September 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 15:00 Uhr

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44 Kommentare

30.09.2017 08:47 Ekkehard Kohfeld 44

@ Jochen Kwast 40 Als Grüner und Wolfspate des NABU bleibt mir nur, auf ein Umdenken zu hoffen, an das ich nicht mehr glauben mag. Wenn selbst Vertreter meiner Partei das eigentlich Unvorstellbare aus purem Opportunismus vorantreiben, dann wird mir k...übel.##Ach übrigens warum schweifen sie so in die Ferne übernehmen sie doch mal die Patenschaft für Goldhamster oder Wellensittiche in ihren Käfigen da meldet sich niemand warum die nicht artgerecht gehalten werden.Was seid ihr doch für Heuchler.

30.09.2017 08:42 Ekkehard Kohfeld 43

@ Jochen Kwast 40 Als Grüner und Wolfspate des NABU bleibt mir nur, auf ein Umdenken zu hoffen, an das ich nicht mehr glauben mag. Wenn selbst Vertreter meiner Partei das eigentlich Unvorstellbare aus purem Opportunismus vorantreiben, dann wird mir k...übel.##Schon mutig sich heute noch als Grüner zu auten die mit ihrer Politik für Windkraftanlagen
ganze Naturlandschaften verschandeln und als Wolfspate warum nehmen sie dann nicht einen Wolf oder ein ganzes Rudel bei sich im Vorgarten auf?Wissen sie ich bin auf dem Land aufgewachsen immer mit Tieren zusammen und mit Sicherheit ein Tierfreund aber was ihr treibt hat mit Tierliebe gar nichts mehr zu tun ihr seid völlig verblendet sperrt doch gleich die Wölfe mit den Schafen in einen Zwinger brauchen die Wölfe nicht mehr lange Nahrung suchen diese armen verkannten Räuber die sind ja so etwas von unentberlich in unser zugebauten Natur.Unser Land ist einfach für Nutztiere oder auch frei lebende Tiere und Wölfe nicht groß genug.

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