Thüringen

Statistik : Weniger Wilderei in Thüringer Wäldern

In Thüringen wird immer seltener Wilderei aufgedeckt. Wie das Landeskriminalamt MDR THÜRINGEN sagte, wurden im letzten Jahr nur 66 Fälle verfolgt, und damit nur etwa halb so viele wie im Jahr zuvor. Insgesamt seien 55 Tatverdächtige ermittelt worden. Betroffen waren Fischerei und Jagd gleichermaßen.

Dabei konnten von den Schwarzanglern 80 Prozent gestellt werden. Beim Jagdwild wurden 60 Prozent der Wilddiebe ermittelt. Thüringenweite Zahlen für 2012 lägen noch nicht vor, hieß es. Bereits in den letzten Jahren belief sich der Schaden, der aus Sicht der Jäger durch Wilderei entsteht, nach Müllers Schätzungen jährlich auf "mehrere 10.000 Euro". Für die Wilddiebe sei dabei häufig nur die Trophäe interessant.

Thüringer Jagdverband: Tatsächliche Zahl deutlich höher

Kinder angeln
Auch Schwarzangeln zählt zur Wilderrei.

Der Thüringer Jagdverband zeigt sich verwundert über den Rückgang der Fälle. Wolfgang Müller vom Thüringer Jagdverband sagte MDR THÜRINGEN, beispielsweise in Südthüringen sei seiner Ansicht nach vermehrt über Wilderei geklagt worden. Generell gehe der Verband davon aus, dass es bezogen auf die offiziell verfolgten Fälle "das drei- bis vierfache an Wilderei" gebe. Ein Grund dafür sei, dass nur wirklich eindeutige Fälle angezeigt würden. Besonders beklagenswert sei, dass Wilderer die Tiere oft qualvoll erlegten.

Das Jagdrecht schreibe dagegen vor, dass Tiere mit so wenig Schmerzen wie möglich getötet werden müssen. Von MDR THÜRINGEN befragte Forstämter erklärten, dass immer wieder nicht zuordenbare Schüsse registriert würden. Zu Anzeigen komme es jedoch selten, weil in der Regel keine Spuren oder geschossene Tiere gefunden würden. Jagdwilderei kann laut Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden.

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2015, 19:00 Uhr

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Jagdwilderei

(1) Wer unter Verletzung fremden Jagdrechts oder Jagdausübungsrechts
1. dem Wild nachstellt, es fängt, erlegt oder sich oder einem Dritten zueignet oder
2. eine Sache, die dem Jagdrecht unterliegt, sich oder einem Dritten zueignet, beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn die Tat
1. gewerbs- oder gewohnheitsmäßig,
2. zur Nachtzeit, in der Schonzeit, unter Anwendung von Schlingen oder in anderer nicht weidmännischer Weise oder
3. von mehreren mit Schußwaffen ausgerüsteten Beteiligten gemeinschaftlich begangen wird.
(§ 292 - Strafgesetzbuch)

Fischwilderei

Wer unter Verletzung fremden Fischereirechts oder Fischereiausübungsrechts
1. fischt oder
2. eine Sache, die dem Fischereirecht unterliegt, sich oder einem Dritten zueignet, beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(§ 293 - Strafgesetzbuch)

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